Trends & gesellschaftliche Entwicklungen durch die Corona-Pandemie

Die aktuelle Situation ist für einen Großteil der Bewohner der sogenannten westlichen Welt komplett neu. Wir kennen derartige Einschränkungen der persönlichen Freiheit nur aus den Nachrichten oder Geschichtsbüchern. Diese neuartige, durch die vernetzte Welt aber auch kollektive Erfahrung wird einige Folgen für unser Arbeitsleben, unseren Alltag und zukünftige Entwicklungen haben.

Corona verstärkt Trends und führt zu einem Umdenken in unserer Gesellschaft

Was sich besonders deutlich zeigt: durch die sozialen Medien, durch das Teilen von Erfahrungen und ersten Tipps werden auch große Ausnahmesituationen beherrschbar. Durch das gemeinsame Gefühl, in einem Boot zu sitzen, sowohl im Arbeitskontext als auch privat, stellt sich schnell eine neue Normalität ein und das Gefühl, die Situation trotz der Einschränkungen selbstbestimmt gestalten zu können. Das Ergreifen von Chancen in der Krise ist durch digitale Anwendungen nämlich einfacher geworden und wird mit einer erstaunlichen Schnelligkeit von einigen Pionieren umgesetzt.

Homeoffice, Virtual Conferencing & Remote Education

Ganze Bürobelegschaften arbeiten von zu Hause, Veranstaltungen werden zu Virtual Conferences, Online Meetings werden so selbstverständlich anberaumt, wie vor einem Monat ein persönliches Treffen als unumgänglich galt. Die Arbeits- und Konferenzwelt führt gerade einen umfangreichen Usability-Test aller am Markt verfügbaren Anwendungen durch – und es funktioniert. Vor allem Anwendungen wie Zoom profitieren davon. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die als gut befundenen Lösungen bleiben, wenn die Ansteckungsgefahr wieder gesunken ist. Der Business Travel dürfte darunter in Zukunft leiden, denn Unternehmen erfahren die Kosten- und Zeiteinsparungen durch virtuelle Meetings jetzt direkt aus erster Hand.

Auch Bildungseinrichtungen wie Schulen und Universitäten versuchen sich aus der Not an digitalen Lösungen – und gehen dabei aus der bisherigen Präsenz-Komfortzone heraus. Die Erfahrungen, die jetzt mit digitalen Technologien gesammelt werden, wirken sich zukünftig extrem positiv aus.

Hygiene Tech

Das Bewusstsein für hygienische Gefahrenherde wird sich durch die Corona-Pandemie in den Köpfen der Menschen halten: langes Händewaschen, vermeiden von Türgriffen, Niesen in die Armbeuge und nicht ins Gesicht fassen werden im Alltag weiterhin gelebt. Keimfreie Hygiene wird daher nicht nur in Krankenhäusern weiterhin relevant sein, sondern auch zunehmend im bisher als privat geltenden Raum berücksichtigt.

In Zeiten der Sharing Economy nutzen wir immer öfter dieselben Gegenstände zeitversetzt mit anderen – Beispiele sind Verkehrsmittel wie Autos, Fahrräder oder Elektroroller, Airbnb-Wohnungen, die nicht professionell gereinigt werden. Verkehrsmittel des ÖPNV und Flugzeuge werden ohnehin gemeinschaftlich genutzt. Auch der Trend hin zu Festivalisierung, Third Spaces wie Cafés und Lounges und Co-Working-Spaces sorgen ebenso dafür, dass unser Hygienebedürfnis wächst – zumindest jetzt, wo wir die Kette der Ansteckungsgefahren einmal durchdacht haben. Lösungen sind neben UV-Desinfektionsanwendungen vor allem nichtthermisches Plasma.

Live Streaming

Innerhalb weniger Tage sind Lösungen zur Übertragungen von Inhalten entstanden, die vorher nur mal angedacht wurden. In der Staatsoper in Berlin wurde die Oper Carmen vor leeren Rängen aufgeführt und erreichte per Live-Stream 160.000 Menschen. Auch das Live-Streaming von Sportkursen hat sich innerhalb weniger Tage bereits weltweit etabliert. Vor allem Instagram und Twitter haben sich als geeignet für gemeinsame Online-Erlebnisse herausgestellt: Yoga-Influencerinnen geben jeden Morgen kostenfreie Yogastunden für ihre Follower, der Pianist Igor Levit überträgt jeden Abend ein Hauskonzert auf Twitter, Musiker und Prominente stellen Live-Streams zu festgelegten Zeiten ein, um ihren Followern ein „Quarantainment“ zu bieten. Das Besondere ist auch: die Inhalte werden zu festgelegten Zeiten gestreamt, es stellt sich wie beim Fernsehen ein Lagerfeuer-Moment ein, da alle Zuseher das Geschehen gleichzeitig verfolgen.

Online-Lebensmittelhandel

Vor allem der Online-Lebensmittelhandel in Städten könnte auf Dauer von der Corona-Krise profitieren. Diese hat – ähnlich wie beim Thema Remote Work – einfach einen Anlass geschaffen, die Angebote zu testen. Haben sich vor allem ältere Zielgruppen mit dem online bestellen von Lebensmitteln schwer getan, werden jetzt die direkten Vorteile ersichtlich und in Zukunft realistisch mit dem Einkauf vor Ort abgewogen

Sichtbarmachung & Wertschätzung von systemrelevanten Berufen

Die Diskrepanz von Berufen mit gesellschaftlichem Nutzen und deren Bezahlung wird in der Corona-Krise offensichtlich. Pflegekräfte, Erzieher, Kassierer, Müllentsorger und Lkw-Fahrer sind für einen gut funktionierenden Alltag unerlässlich, das wird den Menschen von Tag zu Tag deutlicher. Für sie wird die Notbetreuung in Kitas und Schulen zur Verfügung gestellt, sie sind vor Ort unabdingbar. Gleichzeitig weiß man um die schlechte Bezahlung dieser Berufe – was sich zukünftig ändern könnte. Denn die Gesellschaft und die Politik hat durch die Corona-Krise wahrscheinlich Begriffen, dass ein weitläufiger Streik dieser Berufsgruppen große Einschränkungen im öffentlichen Leben nach sich ziehen wird.

Verständnis und Support für Eltern & Kinder

Eltern mit Kindern sind durch Quarantäne und Schul- und Kitaschließungen besonders belastet. Deshalb haben die öffentlich-rechtlichen Sender beschlossen, das Kinderprogramm deutlich auszuweiten, beispielsweise läuft die Sendung mit der Maus nun täglich. Auch der Sportverein Alba Berlin stellt auf YouTube täglich Kindersportkurse für Kinder zur Verfügung, die aufgrund der Situation Gefahr laufen, sich sonst viel zu wenig zu bewegen. Vor allem auf Instagram haben sich bereits Angebote wie tägliche Ausmalbilder und einfache Bastel- und Spielanleitungen sowie Homeschooling-Tipps für jedes Kinderalter etabliert. Denn Eltern sehen sich nicht nur mit der ganztägigen Kinderbetreuung konfrontiert, sondern müssen auch oft noch parallel arbeiten und haben in Quarantäne gleichzeitig keinerlei Möglichkeit, mit den Kindern außerhalb der Wohnung etwas zu unternehmen. Diese Doppelbelastung steht in krassem Kontrast zu den Herausforderungen von Singles und wird durch die Corona-Krise sichtbar gemacht.

Entschleunigung

Mindfulness ist seit Jahren ein großer Trend, jetzt kommt er zwangsweise in der ganzen Gesellschaft an. Durch die erzwungene Verlangsamung des Alltags, dem kleineren Radius und der notwendigen sozialen Distanz kommt die Entschleunigung bei allen an. Die Zeit in den eigenen vier Wänden zu verbringen und für sich gut zu nutzen, sich auf die Kontakte zu besinnen, mit denen man sich wirklich (virtuell) austauschen möchte, das Teilen von Sorgen, Gedanken und Informationen auf Social Media – diese Eindrücke eines bewussteren, langsameren Lebens werden uns auch nach der Krise noch begleiten.

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