Faceprint: Mit Gesichtserkennung wird vieles leichter – und gefährlicher

Die neue Zahlungsrichtlinie PSD2 macht biometrische Merkmale wie Gesichtserkennung immer wichtiger zur Identifikation im Netz. Doch Biometrie birgt auch ein riesiges Gefahrenpotenzial.

Unternehmen nutzen immer häufiger Gesichtserkennungstechnologie zur Identifizierung. Dabei bevorzugt der größte Teil der Internetnutzer in Deutschland einer jüngsten Studie zufolge Passwörter anstelle biometrischer Merkmale. Nutzer können Smartphones wie die aktuellen iPhone-Modelle, aber auch Geräte anderer Hersteller, beispielsweise per Gesichtsscan entsperren. Zudem kaufen sie damit teilweise auch bequem ein.

Länder wie beispielsweise China nutzen Gesichtserkennung auch im öffentlichen Raum. In sozialen Netzwerken identifiziert und verschlagwortet die Technik Nutzer anhand verschiedener Fotos. Verkäufer identifizieren ihre Kunden online oder im Laden vor Ort. So personalisieren sie die daran anschließende Customer Journey.

China nimmt Vorreiterrolle ein

Auch hier haben China und allen voran dort beheimatete Tech-Konzerne wie Alibaba, JD.com oder Suning eine Vorreiterrolle. Kunden und deren Interessen werden per Gesichtserkennung nicht nur identifiziert. Sie können mit dieser Technik auch bezahlen. Zudem dürfen Kunden durch einen Abgleich mit dem Social Media Profil, wie im Falle von Xiaomi, autonome Shops ohne Personal betreten.

Die Vorteile der Gesichtserkennung zur Beschleunigung zeitintensiver Prozesse wie das Boarding beim Flug oder die Kontrolle an Grenzen sind eindeutig. Unternehmen und mehrere Staaten setzen solche Verfahren bereits ein. Jedoch entwickelt sich parallel eine Gegenbewegung. Sie steht Gesichtserkennungstechnologien und deren heute noch nicht komplett absehbaren Folgen kritisch gegenüber.

An der University of Toronto veränderten Forscher durch intelligente Algorithmen Online-Fotos marginal so, dass sie für das menschliche Auge gleich aussehen. Allerdings können sie gängige Algorithmen zur Gesichtserkennung überlisten und eine Identitätsfeststellung unmöglich machen.

Gefahr durch Sicherheitslecks

Denn die unkontrollierte Verbreitung persönlicher Merkmale birgt Risiken: Mitte August haben Forscher ein schweres Sicherheitsleck bei einem Anbieter für Zutrittskontrollen entdeckt. Millionen unverschlüsselte Daten wie Passwörter und Nutzernamen waren online zugänglich. Viel schlimmer: Auch biometrische Daten wie Fingerabdrücke standen im Netz. Doch während sich ein Passwort ändern lässt, sind ein Fingerabdruck oder Gesichtsmerkmale für immer mit einer Person verbunden.

Wozu das führen kann, zeigen Beispiele in Indien. Dort haben Hacker ebenfalls biometrische Daten aus Datenbanken erbeutet. Betrüger verschleiern damit ihre Identität. Für die Menschen, deren unverwechselbare Merkmale von Kriminellen genutzt werden, bedeutet es einen immensen Aufwand, ihre tatsächliche Identität zu beweisen. Außerdem müssen sie nachweisen, bestimmte Geschäfte nicht getätigt zu haben.

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