Medienkonsum der Zukunft: Swipe Dir Deine Meinung?

Innovation Advisor Bastian Biermann sprach mit Mitarbeitern der Heidenheimer Zeitung über die Trends, die den Medienkonsum der Zukunft prägen werden.

Selbst in der Trendforschung sind manche Dinge gar nicht so neu, wie sie scheinen. Zu Beginn seiner Keynote über den Medienkonsum der Zukunft schaut Bastian Biermann erst einmal in die Vergangenheit. Er projiziert ein Foto in Schwarz-Weiß and die Wand und wir sehen eine Familie aus den Fünfzigern, einträchtig um den Fernseher versammelt. Scheinbar handelt es sich um die „gute alte Zeit“, als das Fernsehen noch nicht mit diversen anderen Kanälen konkurrierte. Doch halt: Die Mutter liest parallel ein Magazin! Was heute der „Second Screen“ des Smartphones, war damals eben das Kreuzworträtsel.

Aufstieg und Fall des Prosumenten

Das bedeutet natürlich nicht, dass der immer schnellere Wandel in der Medienwelt nur eine Illusion ist. Keine andere Branche hat ihre alten Strukturen dermaßen überdenken müssen, keine ist aufgrund der Digitalisierung mit so vielen neuen Erwartungen konfrontiert. Nutzer wollen Inhalte heute nicht nur konsumieren, sondern auch proaktiv mitgestalten. Diesen Zwittertyp des „Prosumenten“ bedient zum Beispiel die App Playlist, wo Nutzerinnen ihre eigenen digitalen Mixtapes zusammenstellen, mit anderen teilen und kollektiv immer wieder umgestalten können.

Andererseits herrscht gerade wegen der hohen Zahl nutzergenerierter Inhalte im Internet mittlerweile eine große Skepsis, was die Vertrauenswürdigkeit von Informationen betrifft. Es wimmelt nur so von Falschmeldungen oder aus dem Kontext gerissenen Inhalten; selbst Aufnahmen von Sicherheitskameras lassen sich durch Deep Fakes manipulieren. Im Netz sind eben doch nicht alle gleich, und nachweisbare Expertise ist hoch gefragt.

Wie stimuliert wollen wir sein?

Andere wenden sich ab und versuchen, dem nie versiegenden Strom an Nachrichten und Benachrichtigungen zu entkommen. Diverse Apps haben sich mittlerweile darauf spezialisiert, jede Minute ohne Smartphone zu belohnen: ob durch das virtuelle Wachsenlassen hübscher Blumen oder ganz pragmatisch mit Rabatten in Museen oder Cafés. Dieser „Digital Detox“ entspricht einem Zeitgeist, der wieder mehr Achtsamkeit im Alltag fordert und sich dafür kreative Nischen sucht, wie etwa einen Bus mitten in New York City.

Jeder Trend hat einen Gegentrend, und der heißt in diesem Fall: Mehr ist mehr. Mehr Sinneseindrücke, mehr Immersion, mehr Erlebnis. Virtual Reality hat den Spielemarkt erobert und wird immer mehr durch Sinneseindrücke wie Temperatur und Geruch ergänzt. Selbst Workouts oder Museumsbesuche sind mittlerweile komplett in der virtuellen Realität möglich; konventionelle Medienanbieter müssen sich überlegen, ob und wenn ja wie sie mit dieser Erlebnisfülle konkurrieren wollen.

Die großen Player bestimmen den Medienkonsum der Zukunft

Viele der Erwartungen, die gerade von Entertainment-Riesen wie Amazon herangezüchtet werden, können kleinere Anbieter nämlich schlichtweg nicht erfüllen. Lieferungen am gleichen Tag oder Ladezeiten von wenigen Millisekunden lassen sich mit der Infrastruktur eines global agierenden Konzerns bedeutend besser bewerkstelligen. Sofortness heißt eines der Stichwörter, um die wachsende digitale Ungeduld bei Konsumentinnen zu beschreiben: Was ich nicht sofort haben kann, wird weggeklickt. Es gibt allerdings genug kreative Lösungsansätze für diese Entwicklung; so hat die New York Times mittlerweile ein eigenes Alexa Feature, das Lesern sofort zusätzliche Informationen zu Artikeln zugänglich macht. Und schon vor der Veröffentlichung des Krimis „ The Chef“ konnten Fans per Facebook-Messenger mit Figuren interagieren, damit das Interesse aufrecht erhalten wird.

Letztlich sind solche Initiativen nur der Versuch, auf die möglichen Bedürfnisse einer Zielgruppe einzugehen, für die all die Technologie um sie herum selbstverständlich ist. Die heute Null- bis Neunjährigen schauen Comicserien auf dem iPad und lassen sich von Alexa Geschichten vorlesen. Was wird sie bewegen, wenn sie einmal erwachsen sind? Wie wird ihr Medienkonsum der Zukunft aussehen?

Fazit: die innere Stimme der Generation KI werden

Nach den Generationen Y und Z folgt nun Generation Alpha, die seit 2010 Geborenen. Sie sind die erste Generation, die komplett im 21. Jahrhundert aufwächst. Die erste, die jetzt schon im Alltag so viel mit Künstlicher Intelligenz konfrontiert wird, dass man sie teilweise auch “Generation KI” nennt. Sie haben mehr Information als jemals zuvor zur Verfügung und können dementsprechend schnell den Überblick verlieren. Dem Kommunikationsexperten Scott Goodson zufolge werden sie sich daher verstärkt “Social Movement”-Marken zuwenden, die für etwas Größeres stehen. Neue Medienformate wie Krautreporter oder Der Kontext suchen mehr als Abonnenten, sie suchen Mitglieder. Mitglieder, die sich als Teil der guten Sache fühlen, aktiv mitdiskutieren und die Zukunft des Medienkonsums gemeinsam gestalten wollen.

Medienkonsum der Zukunft

Die Keynote bei der Heidenheimer Zeitung schloss mit einer angeregten Diskussion darüber, wie der Wechsel zu neuen Formaten für den Medienkonsum der Zukunft zu bewerkstelligen sei. Keynotes als Inspiration und Ideengeber sind ein beliebtes Format bei TRENDONE-Kunden. Mehr über unsere Speaker und ihre jeweilige Expertise erfahren Sie in unserer Übersicht.