Tankstelle der Zukunft: Ein Stopp, viele Services – Interview mit Sandro Megerle Teil 2

Tankstelle der Zukunft

 

Die Mobilität verändert sich und das hat Konsequenzen – besonders für die Orte, die untrennbar mit dem Alltag eines Autofahrers verbunden sind: Den Tankstellen. Doch wie sieht die Tankstelle der Zukunft aus? Auf was müssen sich Betreiber und Kunden einstellen? In seinem ersten Interview gab uns Senior Innovation Analyst Sandro Megerle bereits erste Antworten auf diese Fragen. Erfahren Sie jetzt mehr über die Tankstelle der Zukunft und ihre Entwicklung hin zu einem Multi-Service-Hub.

Ein fester Wegpunkt, um alltägliche Dinge zu erledigen

Die Tankstelle der Zukunft Interview

Sandro, in deinem letzten Interview hast du davon gesprochen, dass die Tankstelle der Zukunft zum Multi-Service-Hub wird. Kannst du das noch etwas genauer skizzieren?

Aufgrund ihrer Lage und guten Erreichbarkeit können Tankstellen dem Kunden ermöglichen, alltägliche Dinge vor Ort zu erledigen. Die Station wird für mich zum festen zentralen Wegpunkt mit ausreichend Parkplätzen und langen Öffnungszeiten, wo ich ein- bis zweimal in der Woche vorbeifahre, tanke, wasche, Bankgeschäfte und andere wichtige Dinge erledige, meine Einkäufe und Online-Bestellungen abhole – und wenn ich mal eine kleine Pause einlegen will, gönne ich mir dort auch einen Snack und einen Kaffee.

Ein spannendes Beispiel dazu findet sich in China: Hema Supermarkets setzt radikal auf die Verpflegung des näheren Umkreises. Das Sortiment wird komplett datenbasiert auf einen Radius von drei Kilometern angepasst. Die Frage ist: Was kaufen die Leute in genau dieser Umgebung ein? Und dann passt man das Sortiment nur auf dieses Umfeld an.

Was ist mit Kunden, die nur auf der Durchreise sind?

Natürlich muss die Tankstelle der Zukunft sich weiterhin ebenso an Leute richten, die vielleicht nicht in der näheren Umgebung wohnen. Hier sehe ich das sogenannte Geofencing als wichtiges Thema: Man umhüllt die Tankstelle mit einer digitalen Aura. Sobald ein potenzieller Konsument diesen virtuell gezogenen Zaun betritt, bekommt er proaktiv entsprechende Angebote auf sein Smartphone geschickt, zum Beispiel einen rabattierten Kaffee zur Tankfüllung.

Auch hierzu lohnt sich der Blick nach China. Dort poppt mit dem Befahren der Tankstelle im Infotainment-System das Sortiment des anhängigen Shops auf. Der Fahrer kann aus dem Auto heraus direkt per Touch bestellen, was er haben möchte und bekommt das ans Auto geliefert. Hier kommt man dem Kundentypus des zeitkritischen Pendlers entgegen.

Tankstelle der Zukunft: Hotspot für einen Wechsel der Mobilität

Welche Services werden Tankstellen in Zukunft noch anbieten?

Eine weitere Möglichkeit sehen wir in den USA. Dort gibt es viele Start-ups, die sich der sogenannten Mikromobility verschrieben haben. Dabei geht es um E-Scooter oder kleine E-Bikes, die dort verliehen werden. Ich könnte mir vorstellen, dass die Tankstelle der Zukunft zu einem Hotspot wird für einen Wechsel der Mobilität. Zum Beispiel lasse ich mich mit einem Ridesharing-Fahrzeug dorthin navigieren. Anschließend steige ich auf eine für die Stadt besser geeignete Mobilitätsplattform um, sprich auf einen E-Tretroller oder ein E-Bike.

Die E-Mobilität hat ohnehin einen großen Einfluss auf das zukünftige Bild der Tankstelle…

So ist es! Wenn die Ladeinfrastruktur an den Stationen ausgebaut wird, stehen die Tankstellen vor der Aufgabe, den Kunden für die Zeit, in der die Autobatterie lädt, möglichst attraktive Angebote zu machen. In Norwegen, wo die Durchdringung mit E-Mobility in Europa am höchsten ist, sieht man das schon: Dort bieten Stationen zunehmend auch Speisen an, die vor den Augen der Kunden aus frischen Zutaten zubereitet werden. Oder in den USA, wo Tesla Entertainment-Angebote oder kleine Office-Einheiten an seinen Ladestationen anbietet.

Als „stop for multiple services“ wird die Tankstelle der Zukunft also auch Möglichkeiten schaffen, im Alltag ein bisschen durchzuschnaufen. Die Tankstelle als Ort der Entschleunigung – das ist eine Entwicklung, die sich angesichts der Elektromobilität sicher noch verstärken wird.

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