Animal Agents – Die neuen Nutztiere

Bereits vor mehreren Jahrtausenden haben Menschen begonnen, Tiere zu domestizieren und als Nahrungsquelle und Nutztiere in ihren Dienst zu stellen. Wölfe haben wir zu Jagd- und später zu Hüthunden erzogen, später kamen Schafe, Rinder und Ziegen hinzu, die Liste ist heute lang.

Die Wissenschaft zeigt uns, wie wir vom Verhalten der Tiere lernen können und wie deren spezifischen Fähigkeiten beispielsweise als Frühwarnsystem zu Sicherheitszwecken nutzbar gemacht werden können. Ermöglicht wird dies einerseits durch die Miniaturisierung von technologischer Hardware und Sensoriken, andererseits durch die digitale Erfassung wissenschaftlicher Daten und der Möglichkeit diese Big Data auch auszuwerten und in globalen Forschungszusammenhängen zu sehen und zu vergleichen.

Was können die neuen Animal Agents?

Ziegen als Frühwarnsystem für Vulkanausbrüche

Einer der führenden Forscher zum Thema globaler Tierwanderungen ist Martin Wikelski. Der deutsche Biologe und Ornithologe stattet Tiere mit Mini-Sensoren aus, um deren Verhalten und schließlich die Umwelt besser verstehen zu können. So ergab beispielsweise eine Auswertung der GPS-Daten einer auf dem Fuße des Ätnas lebenden Ziegenpopulation, dass sich anhand ihres Bewegungsmusters Voraussagen über Vulkanausbrüche treffen lassen.
Ein Beitrag dazu auf ARTE.
Wir sehen neben der Wildtier-Fernmessung allerdings auch die Erforschung von Tieren für den späteren Einsatz als lebende Vorhut in Gefahrensituationen.

Heuschrecken warnen vor Explosivstoffen

Heuschrecken könnten vielleicht bald Spürhunde zur Identifikation von Explosivstoffen wie TNT ersetzen. Dabei treffen an der Washington University in St. Louis die Forschungsdisziplinen Neural Engineering, Material Science und Computer Engineering aufeinander und nehmen Heuschrecken ins Visier, da diese über einen außerordentlich guten Geruchssinn verfügen. Die Heuschrecken werden einem Eingriff unterzogen, um die neuronale Aktivität – die Sinneswahrnehmung chemischer Stoffe – über einen Chip für Menschen auslesbar zu machen. Die Forschung steht ganz am Anfang und frühestens Ende 2017 soll der erste Prototyp für Labortests fertig ist. Weiter gedacht: Das eigentliche Ziel der Forscher ist, ein technisches Gerät zu entwickeln, das selbst riechen kann.

Geier identifizieren illegale Mülldeponien

Zwei weitere faszinierende Beispiele betreffen Greifvögel und zeigen, wie diese Tiere im öffentlichen Dienst eingesetzt werden können. Das peruanische Umweltministerium hat im Rahmen der Kampagne „Gallinazo Avisa“ Geier mit GoPros und GPS-Sendern ausgestattet, um Mülllagerstätten in der Hauptstadt Lima zu finden. Der Hintergrund dieser Aktion ist, dass viel Müll in Lima illegal abgeladen wird. Da Geier unter anderem in solchen Abfallbergen auf Nahrungssuche gehen und auch entlegene und versteckte Gebiete erreichen, eignen sie sich gut, um illegale Mülllager aufzuspüren. Auf den Kamerabildern erkennen die Behörden die Größe eines Mülllagers und können anhand der GPS-Daten ermitteln, wohin die Wagen zum Abtransport geschickt werden sollen.

Adler fangen illegale Drohnen ab

Das Unternehmen „Guard from Above“ trainiert Adler für den Einsatz als Abfangjäger von illegalen Drohnen. Die Polizei der Niederlande ist ein Auftraggeber. Wie funktioniert das? Zunächst findet eine Gefahrenanalyse statt. Dabei wird zum Beispiel festgestellt, ob die Drohne eine Kamera installiert hat oder kritische Ladung trägt. Eingesetzt werden sollen die Adler an Hochrisikostandorten, wie zum Beispiel Flugplätzen, rund um Gefängnisse, Atomkraftwerke, Botschaften oder bei öffentlichen Großevents. Dieses Video zeigt bereits eindrücklich die Arbeit der Adler:

Tauben messen die Luftqualität

Das britische Start-up Plume Labs, das digitale Lösungen zur Messung der Luftqualität anbietet, hat im Zuge des Projekts „Pigeon Air Patrol“ speziell trainierte Renntauben ausgesendet, um von ihnen die Luftqualität in London messen zu lassen. Hierfür wurden die zehn Tauben mit leichten Westen ausgestattet, die mit Sensoren bestückt waren und den Ozon- und Stickstoffdioxidgehalt in der Luft ermitteln sollten. Die Daten wurden sofort bei Twitter veröffentlicht, sodass die Londoner erfuhren, wie es um die Luftqualität in ihrem Stadtteil bestellt ist. Die Aktion dauerte zwar nur drei Tage, sorgte allerdings für viel Gesprächsstoff.

 

Diese Anwendungsbeispiele geben Einblick in das faszinierende Leistungspotenzial von Tieren und zeigen, wieviel Menschen von ihnen lernen können. Eine Alternative, die ohne eine Freiheitsberaubung der Tiere einhergeht, ist die Verwendung von Drohnen und Robotern, die solche Aufgaben nach dem Vorbild der Tiere bald ebenso gut übernehmen werden.

 

Was wäre, wenn…

…es in Zukunft einen “Ethikrat für Animal Agents“ gäbe?
…in Zukunft natürliche Zäune aus Bienenbevölkerung gebaut werden?
…Insekten ständige Mitarbeiter für die Sicherheitsüberwachung in Fabriken wären?
…man in Zukunft beim Nachtspaziergang ganze Glühwürmchenschwärme zur Begleitung buchen könnte?
…Animal Agents vor riskanten Expeditionen oder Rettungsaktionen in die entsprechenden Gebiete vorgeschickt werden?
…Personen in Zukunft vor dem ersten Date ein Insekt vorschicken können, das den biochemischen Fit der Menschen feststellt, bevor sie sich zum ersten Mal treffen?