Unsere Trends 2016 im Reality Check

Am Anfang des Jahres haben wir sieben Trends für 2016 identifiziert, deren erste Anzeichen bereits seit 2015 oder länger zu verzeichnen waren: IoT Marketing, VR Lifestyle, Video Live Streaming, Blockchain, Continuity Services und Cruelty Freeness. Heute fordern wir uns selbst heraus und unterziehen unsere Analyse einem Reality Check. Nicht alles hat sich so entwickelt, wie wir es erwartet hätten, einiges aber schon.

 

Unsere Trends 2016

 

IoT Marketing

Anfang des Jahres haben wir geschrieben: „Die Vernetzung unserer technischen Geräte zum Internet of Things führt auch dazu, dass sich die Spielräume für Marketing und Werbung erweitern.“ Wir führten Amazons IoT-Bestellknopf Dash-Button und den smarten Lautsprecher Echo inkl. virtueller Sprachassistentin Alexa an. Nun, was hat sich in den letzten sechs Monaten getan? Die großen Mainstream-Anwendungen blieben aus, was sich unter Umständen bald ändern könnte, da Amazon die Entwickler-Schnittstelle für Alexa geöffnet hat. Eine Ankündigung ließ allerdings aufhorchen: Amazon will bald mehr Waren über Dash-Buttons verkaufen.

Im ersten Halbjahr 2016 hat Google zudem seinen Smart Home Assistent Google Home angekündigt. Es ist davon auszugehen, dass nach diesem Launch mehr Dynamik in den Markt kommt und das Quasi-Monopol im IoT-Marketing – Amazon – mächtige Konkurrenz bekommt.

 

VR Lifestyle

Beim Thema Virtual Reality konnten wir in den letzten Monaten eine unheimlich hohe Innovationsdichte beobachten. Da die VR-Brillen langsam auf den Markt dringen, sieht man viele Anwendungen, die zu einem noch intensiveren VR-Erlebnis beitragen sollen. Es handelt sich dabei um neue Steuerungs- und Interaktionsmöglichkeiten, wie z.B. das VR-Fitness-Gerät Icaros, das den Nutzern ein immersives Workout in Form einer Flugsimulation verspricht. Oder um das Exoskelett AxonSuit, mit dessen Hilfe der Träger die Erlebnisse in virtuellen Welten am eigenen Leib erfahren kann. Inhaltlich sehen wir mit Empathy VR oder Anwendungen aus dem Bildungsbereich Beispiele, die zeigen, dass sich die Technologie längst über die Spaßecke hinausbewegt.

Weiterführende Lektüre zum Thema Virtual Reality finden Sie in unserem zweiten Futuregram.

 

Video Live Streaming

Bei diesem Thema hat sich angebotsseitig viel getan, die Infrastruktur wurde aufgebaut, den Menschen wurde auf vielen Kanälen die Möglichkeit des Live-Streamings an die Hand gegeben. Facebook Live wurde für alle Mitglieder weltweit ausgerollt und eine Monetarisierung ermöglicht. Nicht nur alle kleinen und großen Stars der digitalen Unterhaltungs- und Selbstdarstellungsszene profitieren davon, sondern auch altgediente Inhaltsproduzenten. BILD.de zum Beispiel streamt täglich eine Live-Sendung auf Facebook oder macht aufwendig koordinierte Live-Sendungen zu aktuellen Themen wie Brexit. Zu den Chancen von Facebook Live meint Christin Wonneberg, Executive Producer und Live-Aufnahmeleitung für BILD.de: „Für uns ist es [Facebook Live, Anm.] sinnvoll, weil wir dadurch eine komplett andere Zielgruppe ansprechen können und so eine Reichweitensteigerung sowohl bei Facebook, als auch auf der stationären Seite verzeichnen. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir mit jeder Art von News wahnsinnig schnell und flexibel sind. Wir können sofort damit live gehen und sagen, was passiert ist und was wir aktuell wissen.“

Kleiner Exkurs: Wenn Medien über soziale Netzwerke wie Facebook publizieren und die Inhalte gar nicht mehr auf der eigentlichen Website der Anbieter sind, nennt man das übrigens „Homeless Media“.

Weiterführende Lektüre zum Thema Video Live Streaming finden Sie hier.

 

Blockchain

Jeder sollte den Begriff mittlerweile gehört haben. Vielleicht kann man sich auch noch ein paar Monate charmant aus der Affäre ziehen, wenn es darum geht, Blockchain kurz und knapp zu erklären. Aber eben nicht mehr allzu lange. Also: Blockchain ist eine dezentrale Open-Source-Technologie, die Transaktionen transparent und sicher macht. Blockchain ist aktuell eines der am häufigsten nachgefragten Themen bei TRENDONE. Die Relevanz der Technologie zeigt sich auch darin, dass Konzerne wie IBM, Microsoft oder die Allianz erste Angebote mit Blockchain anbieten. Auf der Konferenz Tech Open Air in Berlin hat Nicolas Cary, ein Mitgründer von Blockchain, kürzlich gesagt, dass die Technologie heute für Transaktionen das ist, was das Internet vor 20 Jahren für die Kommunikation war. Wird Blockchain die Welt der Transaktionen, des Geldes komplett umwälzen?

Eine aktuelle Einschätzung von Sebastian Metzner, Director Research bei TRENDONE ist hier nachzulesen.

 

Continuity Services

Wir haben vor sechs Monaten bemerkt, dass Services in Erscheinung treten, die Schwachstellen und Lücken anderer Services besetzen oder für reibungslose Übergänge zwischen den Dienstleistungen sorgen. Tatsächlich sind uns einige weitere Beispiele dafür begegnet, vorrangig in den erwarteten Bereichen wie Tourismus, Reisen, Mobilität. Darunter: Ein Lieferservice für Benzin oder eine praktische temporäre Kfz-Versicherung für geliehene Autos. Dennoch muss gesagt werden, dass es sich hierbei um ein kleineres Phänomen handelt und die Entwicklung auf eine immer stärkere Fragmentierung von Dienstleistungsangeboten hindeutet.

 

Short Distance Mobility

„Der Erfolg von Carsharing und Anwendungen wie Uber hat deutlich gemacht, dass es vor allem im urbanen Kurzstreckenbereich einen großen Bedarf gibt.“ Tatsächlich haben wir einige neue Mobilitätskonzepte gesehen, die auf das Konto des innerstädtischen Verkehrs einzahlen. Ein Abo-Angebot für Taxifahrten in Indien, 3D-gedruckte Elektro-Minibusse in den USA und auch weiterhin viele Feldversuche für fahrerlose Verkehrsmittel, wie hier in London. Darüber hinaus verzeichnen wir viele Innovationen im Bereich Ridable Technologies wie z.B. klappbare E-Bikes oder elektrische Skateboards, wie das Boosted Board oder das M1 von Inboard. Neben Lösungen für Short Distance Mobility wurden allerdings auch Long Distance Lösungen – vor allem der Hyperloop – viel diskutiert. Wir haben auf unserem Blog über das visionäre Pilotprojekt in Kalifornien berichtet, aber auch Strecken wie Wien– Bratislava haben Interesse gemeldet.

 

Cruelty Freeness

Wir haben geschrieben: „Unter dem Namen ‚Cruelty Freeness‘ versammeln sich alle Lebensentwürfe, die einerseits Grausamkeit gegen andere Lebewesen ablehnen und andererseits den Schutz ökologischer Ressourcen großschreiben. Gleichzeitig werden für einen selbst die optimalen Lebensmittel, Kosmetik, Kleidung, elektronischen Geräte oder Dienstleistungen gesucht.“ Wir haben mit dem Thema versucht, viele kleinere Phänomene unter einem Begriff zu versammeln. Das größere Phänomen wäre hier vermutlich Ethical Consumption gewesen, dazu zählen dann Themen wie Minimalismus, DIY-Tendenzen mit Indoor-Growkits oder Veganismus. Produkte für einen veganen Lebensstil sind immer leichter zugänglich, von Lebensmittel bis zum veganen Slow-Fashion-Label. Auch die Geschäftsmodelle gleichen sich dem Marktusus an, wie z.B. Abo-Angebote oder DIY-Sets für vegane Kosmetik. Besonders hervorzuheben ist ein Service der chilenischen Firma The Not Company, dessen Algorithmus auf Basis molekularer Strukturen vegane Alternativprodukte zu tierischen Optionen empfiehlt. Schlau, denn: Je smoother und unkomplizierter der Ernährungswechsel ermöglicht wird, desto eher sind wir dazu bereit.

Generell ist zu beobachten, dass es sich hierbei um eine längerfristige Werteverschiebung handelt, die sich langsam vollzieht und sich nur zaghaft in Innovationen zeigt. Gerade bei dieser Bewegung: Denn die Stoßrichtung ist eben gerade weniger, dafür bewusster zu konsumieren und eher „Frei von“-Produkte und Superfoods.

 

Von welchem Trend ahnten wir Anfang des Jahres noch nichts?

Eindeutig: Chatbots! Wir haben nicht antizipiert, dass Facebook so bald die API für Entwickler öffnen und dadurch das Thema auch außerhalb Asiens so starkes kreatives Potenzial entfalten würde. Dieses Versäumnis haben wir allerdings mit unserem neuen Futuregram aufgeholt.

 

Zum Abschluss finden Sie hier noch eine Zusammenstellung der vielversprechendsten Micro-Trends zu den besprochenen Themen.