Blockchain – Wie der Markt sich an die neuen Möglichkeiten herantastet

Blockchain

 

Ob Versicherungen oder Banken – eine Vielzahl finanznaher Unternehmen beweist aktuell viel Experimentierfreude im Umgang mit der Blockchain-Technologie. Die Allianz Risk Transfer hat gemeinsam mit Nephila Capital Limited die Nutzung der „Smart Contract“  beim Durchführen eines Naturkatastrophenswaps getestet. Die Verwaltung dieser Wertpapiere lasse sich mit Hilfe der Blockchain vereinfachen und deutlich beschleunigen.

 

Ebenfalls hat die Deutsche Bank in ihrem Innovation Lab in London interne Blockchain-Tests mit Unternehmensanleihen, sogenannten Smart Bonds, abgeschlossen. Die Technologie erfüllt die Erwartungen der Bank und hat den „Proof-of-Value“ bestanden, resümiert die Pressemitteilung.

Kein Wunder, dass finanznahe Branchen das disruptive Potential der Blockchain nutzen möchten, denn was das Internet für die Kommunikation ist, wird die Blockchain für die Transaktion sein. Zu dieser Einschätzung kommen Karin Frick und Detlef Gürtler vom Gottlieb Duttweiler Institut.

 

Hinter den neuen Anwendungsmöglichkeiten wie z.B. intelligente Verträge, manipulationssichere E-Voting-Systeme, Onlinespeicher mit integrierter Privatsphäre oder sichere Verbindungen zu IoT-Geräten, stehen zwei Begriffe im Zentrum der disruptiven Veränderung: Dezentralisierung und Selbstorganisation.

 

 

In der Blockchain-Architektur werden Daten entlang einer endlosen Kette verschlüsselter, digitaler Datenblöcke gespeichert. Sie gleicht einem digitalen Kassenbuch, in dem jede Veränderung an vielerlei Stellen im dezentralen Netzwerk vermerkt wird. Kommen neue Daten hinzu, wird die Kette um einen neuen Block erweitert und über das dezentrale Netzwerk verifiziert.

Die zunächst für die Kryptowährung Bitcoin eingesetzte Technologie ist besonders manipulationssicher, da nicht mehr eine zentrale Instanz, sondern eine Vielzahl von dezentralen Veränderungen verifiziert wird. Das Vertrauen ist somit integraler Vorteil der Technologie und macht öffentliche Prüfinstitutionen und Intermediäre wie z.B. Banken und Versicherungen, die heute die Echtheit von Transaktionen bestätigen, zukünftig überflüssig.

 

Besondere Aufmerksamkeit sollten die „Multi-Sided Platforms“ der Blockchain-Technologie schenken. AirBnB, Uber, Ebay, Prosper oder Fiverr könnten durch den Einsatz der Blockchain ihre Rolle als vertrauensvoller Vermittler verlieren. Als digitale Intermediäre sorgen sie für das Aufeinandertreffen von Angebot und Nachfrage und dafür, dass Nutzer Wohnungen mieten oder Mikrojobs vergeben können und stellen das Vertrauen ohne hohe Transaktionskosten her.

Die Blockchain mit ihren starken Dezentralisierungstendenzen könnte das Geschäftsmodell der monopolartigen Plattformen substituieren. Die Möglichkeiten bestehen darin, dass sich Nutzer auf Basis der Technologie gegenseitig Vertrauen schenken und auf den Einsatz eines zentralen Anbieter verzichten.

 

Diese Chance haben die IT-Unternehmen erkannt. Als Technologieanbieter möchten sie zukünftig die Infrastruktur bereitstellen und beginnen ebenfalls mit Pilotversuchen. Microsoft hat mit BlockApps den ersten Anbieter von Blockchain-Lösungen für seinen Blockchain-as-a-Service (BaaS)-Marktplatz „Azure“ zertifiziert. Auch IBM hat einen Blockchain-Service zum Teil seiner Cloud-Plattform „Bluemix“ gemacht. Amazon Web Services kündigte an, eine eigene BaaS-Sandbox für Entwickler bereitzustellen. IT-Unternehmen könnten so zu den Gewinnern zählen, da nicht mehr die Plattformen das Vertrauen erzeugen, sondern die technische Infrastruktur diesen Teil der Wertschöpfung übernimmt.

 

Weitere Innovationsbeispiele und Pilotprojekte zum Thema Blockchain finden Sie wie immer in unserem Trendexplorer.