IoT & Smart Home – ein Interview mit unserer Trendscoutin Ani Ohanian

Interview Trendscout Internet of Things

 

Unsere Trendscouts researchen auf freiberuflicher Basis für uns. Das ist uns auch ziemlich wichtig, denn nur durch den Bezug zur Praxis, in einer Umgebung von Lernen und Wachstum können Expertisen in den unterschiedlichsten Bereichen aufgebaut und vertieft werden. Innerhalb eines Unternehmens sind Mitarbeiter oft so mit dem Tagesgeschäft behaftet und manchmal so mit den Themen vertraut, dass eine unvoreingenommene Sicht auf neue Trends und Innovationen schwerfällt. Gerade in unserem Bereich ist das aber kontraproduktiv – daher ist unser Trendscout-Netzwerk für unsere Arbeit entscheidend.

Wir möchten natürlich, dass unsere Scouts weiterhin neugierig und in ihren Interessensfeldern up-to-date bleiben, die neuesten Entwicklungen im Blick haben und sich beruflich oder im Studium mit unterschiedlichsten Dingen beschäftigen. Unsere Trendscoutin Ani beispielsweise hat mit THINKBOX BERLIN ein eigenes Start-up im Bereich Internet of Things mitgegründet. Nicht abwegig, schließlich beschäftigt sie sich seit Jahren mit Innovationen aus diesem und vielen anderen Bereichen, kennt den Markt genau und ist so auf die Idee zu ihrem Unternehmen gekommen.

Wir haben ihr hier ein paar Fragen zu Ihrem Unternehmen und IoT – eines unserer Trendthemen 2016 – gestellt.

 

Was begeistert dich am Internet of Things?

Uns begeistern die Kreativität und die Ideen der Entwickler und Designer aus allen Bereichen, die durch die Vernetzung von Alltagsgeräten hilfreiche oder einfach unterhaltsame Anwendungen entwickeln; sei es Amazon Echo, das Bücher vorliest, oder die „Mother“-Sensoren von Sen.se, nicht zu reden von den vielen neuen kleinen Gadgets, die sich Tüftler einfallen lassen.

Das betrifft so unterschiedliche Bereiche wie das Smart Home, die Gesundheitsbranche und zunehmend auch Konsumartikel, Einzelhandel und Payment. Wenn das Produktdesign der Geräte und Apps zudem noch charmant ist und die User Experience stimmt, dann inspiriert uns das. Vor dem Hintergrund unserer Erfahrung in Innovationsprojekten rund um IoT freuen wir uns über den Einzug von Künstlicher Intelligenz in das Smart Home. In Kombination mit künstlerischem Anspruch und ästhetischem Produktdesign werden in Zukunft nützliche Anwendungen mit einem aufregenden Nutzererlebnis entstehen. Wir freuen uns sehr, mit der Lernfähigkeit unserer IoT-Engine und dem spielerischen Charakter unserer Apps dazu beizutragen.

 

Kannst du vielleicht kurz den Begriff IoT-Engine erklären? Was ist das?

Wir bezeichnen damit unsere selbstlernende, adaptive Software GITELLIQ, die auf IoT-Hubs bzw. IoT-Gateways zum Einsatz kommt. Sie arbeitet und lernt selbsttätig, und versucht, Entscheidungen aus der Historie von Sensorwerten, Nutzungsdaten und auch Daten externer Feeds zu deduzieren.

 

Welche Unternehmen werden am meisten von IoT-Technologien profitieren?

Wie man zurzeit gut beobachten kann, boomt der IoT-Markt. Das sieht man an den positiven Marktprognosen und den großen Investitionen in diesem Bereich, die zur Entstehung von vielen IoT-Start-ups führen, wie z. B. tado aus München oder KIWI.KI aus Berlin.

Der Verbreitungsgrad von Smartphones ist so hoch, dass viele Menschen alltägliche Aufgaben wie Einkaufen, Bankgeschäfte oder eben auch Haushaltsanwendungen von unterwegs erledigen. Außerdem können die Konsumenten mithilfe von internetfähigen Geräten von Unternehmen angesprochen und informiert werden. In Deutschland sind Energieunternehmen und Telkos derzeit die Treiber auf dem IoT-Markt, und bieten Services rund um Heimvernetzung und Energiemanagement an. Versicherungen, Banken, Gesundheitsdienste, eigentlich fast alle Industriebereiche holen jedoch mit großen Schritten auf.

 

Welchen Mehrwert werden die Kunden von den Innovationen im Bereich Smart Home haben?

Bislang werden die Kunden mit den Begriffen Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz adressiert. Wir sehen aber jetzt schon, dass Smart Home Systeme sukzessive zu Assistenten werden, die Lebensgewohnheiten und Präferenzen erkennen, daraus lernen und entsprechende Handlungsoptionen aufzeigen oder sie selbstständig ausführen. Das intelligente Haus wird nicht nur die Heizung, Haustür oder den Stromverbrauch im Blick haben, sondern auch persönliche und externe Faktoren (Kalender, Reisepläne, Wetter, Kontostand, Gesundheit) berücksichtigen, um den Nutzer im Alltag zu unterstützen.

 

Wie stehen deutsche Konsumenten zu Smart Home?

In den USA und Asien sind Smart-Home-Gadgets bereits sehr beliebt. In Deutschland ist das Konsumenteninteresse an Smart Home auch im Wachstum und richtet sich insbesondere auf den Bereich Sicherheitsanwendungen und Energieeffizienz. Auch einzelne Gadgets, wie beispielsweise die bunten Hue-Lampen von Philips, finden Anklang. Der große Run auf Smart-Home-Produkte steht aber noch aus. Für viele ist Smart Home noch ziemlich abstrakt, zu komplex, zu unsicher.

 

Und woran liegt das?

Vielen ist unklar, was konkret mit Smart-Home-Anwendungen erreicht werden kann und wie sich das Zuhause gemütlicher, sicherer oder energieeffizienter gestalten lässt. Das liegt zum einen an den oft technisierten Produkten, und damit meinen wir nicht nur, dass die Produkte technisch sind. Das sind sie natürlich. Dass sie dies deshalb aber auch in ihrem ganzen Design und Auftreten ausdrücken müssen, glauben wir nicht.

Auch keine große Hilfe sind die Unübersichtlichkeit des Angebots und die Inkompatibilität der vielen verschiedenen Systeme. Selbst standardisierte Funkprotokolle sind oft wechselseitig inkompatibel. Allerdings: Die Marktfragmentierung und die einhergehende Vielfalt führen auch dazu, dass Start-ups mit innovativen Technologien und schicken Produkten wachsen können. Wir sehen auch, dass sich die Produkte weiter und weiter entfernen von der klassischen Hausautomatisierung.

Ein großes Hindernis in der Post-Snowden-Ära sind auch Datenschutzbedenken. Viele fürchten, nicht zu Unrecht, dass die ermittelten Daten aus dem Zuhause weiterverwertet werden oder in falsche Hände geraten könnten. Daher würden die Player auf dem IoT- und Smart-Home-Markt gut daran tun, nicht nur über Datenschutz zu sprechen, sondern ihn mit Nachdruck umzusetzen. Wenn Innovationsabteilung großer Firmen im selben Atemzug von IoT und Big Data sprechen, sind Datenschutzbeteuerungen wenig glaubwürdig.

 

Wie können Konsumenten von Smart-Home begeistert werden?

Wir sehen den Erfolg für Smart-Home-Produkte darin, durch konsequent starke Verschlüsselung Datensicherheit zu garantieren und Produkte und Apps anzubieten, die für den Nutzer mitdenken, einfach zu installieren sind und intuitiv bedient werden können. Die User Experience sollte, weit über die reine Funktionalität hinaus, ästhetisch anspruchsvoll sein und einfach auch Spaß machen.

 

Liebe Ani, vielen Dank für deine Zeit und das interessante Interview!

 

THINKBOX BERLIN startet ihren ersten Betatest rund um intelligente Thermostatsteuerung, die sich an den tatsächlichen Heizbedarf anpasst und so signifikant Heizkosten sparen hilft. Interessierte Nutzer können sich hier registrieren.

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