Die Zukunft der Mobilität? Der Hyperloop

Als Netzwerk für den schnellen Transport von Daten hat sich in den vergangenen 25 Jahren das Internet etabliert. Gelingt es dem Visionär Elon Musk mit dem Hyperloop-Konzept das Netzwerk für den schnellen Transport von Personen und Waren zu schaffen?

 

Mit mehr als 1200km/h könnte das Hochgeschwindigkeitstransportsystem Hyperloop zukünftig Personen zwischen San Francisco und Los Angeles befördern, den beiden Technologiezentren der amerikanischen Westküste. Die Distanz von 600 Kilometer soll durch den Hyperloop in nur 35 Minuten zurücklegbar sein. Vorstellen kann man sich dieses Transportmittel als Flugzeug ohne Flügel.

In zwei nebeneinanderliegenden Röhren, in denen mittels Pumpen ein Teilvakuum erzeugt wird, erreichen die Transportkapseln eine Reisegeschwindigkeit, die oberhalb der Schallgeschwindigkeit liegt. Rund 28 Passagiere finden in den Kapseln Platz. Die Fahrröhren bestehen aus 25mm dicken Stahl und werden überirdisch auf erdbebensicheren Stützpfeilern montiert. An der Außenseite der Röhren befinden sich Solarpanels und Windkraftanlagen. Die gewonnene Energie kann dem Hyperloop zugeführt werden, der so eine positive Energiebilanz aufweisen könnte.

Hyperloop = Hypermobilität

Die Vision hinter dem Konzept Hyperloop ist, die Mobilität in urbanen und ruralen Lebensräumen flexibler zu gestalten. Zukünftig sollen Menschen die Möglichkeit erhalten, weit außerhalb von Metropolen auf dem Land zu wohnen und jeden Morgen über größere Distanzen zu ihrem Arbeitsort in die Stadt zu pendeln. Dadurch könnten abgelegene Regionen als Wohnort interessant werden, auch der Preisdruck in Ballungsräumen würde durch die Vergrößerung des Einzugsgebietes abgemildert.

Dirk Ahlborn, CEO von Hyperloop Transportation Technologies, formulierte die Vision im Interview für den Spiegel: „Unser Arbeitsplatz legt fest, wo wir wohnen. Unser Wohnort wiederum entscheidet maßgeblich, wen wir lieben. Ein Transportmittel wie der Hyperloop würde diese Zusammenhänge komplett auflösen: Ich könnte außerhalb von Berlin leben und trotzdem innerhalb von zehn Minuten in der Stadt sein oder ohne große Anstrengung eine Fernbeziehung führen.“

Gerade einmal zwei Jahre ist es her, als der umtriebige Gründer von SpaceX und Tesla Motors 2013 das Konzept vorstellte. Kritiker merkten sofort an, dass die Kosten für den Bau der Strecke mit 12,4 Millionen Euro pro Kilometer als viel zu gering angesetzt wurden. Ähnlich geringe Aufwendungen seien bei der Planung des Transrapid taxiert worden.

Die realen Kosten des Transrapid beliefen sich nach mehrmaliger Korrektur auf rund 40 Million Euro pro Kilometer. Ebenfalls ist auf mangelhafte Sicherheitskonzept hingewiesen worden. Bei Nothaltemanövern wäre der Bremsweg mit fast zwei Kilometern sehr lang.

Auch die Evakuierung der Insassen aus den Röhren sei schwierig. Die Innovatoren halten jedoch im Punkto Sicherheit mit dem Argument dagegen, dass im Schienenverkehr die überwiegende Anzahl von Unfällen auf menschliches Versagen zurückzuführen ist. Der Hyperloop sei ein geschlossenes System, das ausschließlich von Computern überwacht und gesteuert wird. Der menschliche Faktor spiele somit eine unbedeutende Rolle.

Zwei Unternehmen gehen ins Rennen

Die größte Herausforderung beim Hyperloop ist, dass es sich um ein revolutionär neues Transportsystem handelt. Von der Streckenführung über das Design der Trasse und Bahnhöfe bis hin zur Gestaltung des Boarding Prozess müssen die Ingenieure von Grund auf neu denken. Zur Umsetzung wurden zwei konkurrierende Unternehmen gegründet. Hyperloop Transportation Technologies, eines der beiden Unternehmen, dessen Mitarbeiter auf der ganzen Welt verteilt sind und bisher ohne Bezahlung an dem Projekt mitarbeiten, will 2016 eine Strecke in kalifornischen Quay Valley bauen.

Diese acht Kilometer lange Strecke soll erst als Teststrecke dienen, später aber jedoch kommerziell genutzt werden. Die Kosten der Teststrecke werden auf 150 Millionen US-Dollar geschätzt. Im Jahr 2017 soll der Bau abgeschlossen sein. Eine erste Testfahrt ist für 2018 geplant.

Der jüngste Fortschritt ist mithilfe eines Designwettbewerbs für die Gestaltung der Kapseln gelungen.

Knapp 1.000 Teilnehmer beteiligten sich an der Ausschreibung. Am 29. und 30. Januar fand an der Texas A&M University die Auszeichnung der besten Vorschläge statt. Der Entwurf des Massachusetts Institute of Technology (MIT) überzeugte dabei die Jury am stärksten. Insgesamt wurden über 20 Teams ausgewählt, darunter auch ein deutsches Team der Technischen Universität München, die bis zum Sommer eine Kapsel für das neue Transportsystem bauen dürfen.

Die Frage nach dem Geschäftsmodell

Eine wichtige Schlüsselfrage bleibt jedoch weiterhin offen: Wie sieht das Geschäftsmodell aus? Experten wie der Professor für Luft- und Raumfahrt am Massachusetts Institute of Technology, John Hansman, bezweifeln, dass sich das Projekt finanziell je rechnen wird. Doch der Unternehmer Elon Musk hat in der Geschichte schon mehrfach bewiesen, dass er Widerstände, ob im Bereich Elektromobilität oder Raumfahrt, überwinden kann. Bleibt abzuwarten, ob er mit dem Hyperloop auch die Transportbranche revolutionieren wird.