Realtime Retail & lokaler Handel – Ein Interview mit René Baisch von atalanda

Realtime Retail

 

In der ersten Veranstaltung unseres „Retail Innovation and Growth Program“ haben die teilnehmenden Handelsexperten sechs Wachstumsfelder identifiziert. Eins davon, nämlich Realtime Retail, möchten wir Ihnen hier näher vorstellen!

Immer mehr Kunden erwarten einen ständigen Zugriff auf Waren und Dienstleistungen, aber auch omnipräsenten Support. Produkte müssen nicht nur schnell abrufbereit und umfassend dargestellt sein, der Kunde erwartet auch eine schnelle und sichere Lieferung direkt nach Hause innerhalb der kurzmöglichsten Zeit. Die Zukunft der Lieferservices gehört Start-ups, die alternative Möglichkeiten für die kostenintensive letzte Meile finden.

 

Kurze Wege statt Grüne Wiese

Eins davon ist atalanda. Der Grundgedanke wurde hier auch schon treffend dargestellt: Warum versuchen E-Commerce-Riesen wie Amazon, ihre Waren mit großem Aufwand von Logistikzentren auf der grünen Wiese zu den Menschen zu bringen – wenn doch die Produkte bereits in den Städten vorhanden sind und den Kunden auf kurzem Wege erreichen könnten?

Und eines ist auch klar: obwohl Konsumenten nicht mehr auf E-Commerce verzichten möchten und in Zukunft deutlich mehr online einkaufen werden – laut GfK wird sich der Online-Anteil am gesamten Einzelhandel verdoppeln – auf lebendige Stadtviertel mit einem differenzierten Waren- und Gastronomieangebot möchten sie auch zukünftig nicht verzichten. Urbane Zentren erfüllen nicht nur zweckgebundene, sondern auch soziale Funktionen und sind entscheidend für die Lebensqualität der Menschen.

Lösungen, die dem Kunden optimale Lieferbedingungen durch Same Day-Delivery und feste Zeitfenster bieten und gleichzeitig den lokalen Handel unterstützen, bieten also tatsächlich das Beste aus beiden Welten.

 

Online-Plattform für lokale Händler

An diesem Punkt setzt atalanda an. Sie bieten lokalen Händlern eine Online-Plattform und das dazugehörige Logistik-Angebot. So bekommen auch kleine Händler eine professionelle Online-Präsenz. Die Bestellungen werden gebündelt und am gleichen Tag im Zeitfenster zwischen 19 und 21 Uhr ausgeliefert – dann, wenn die Kunden auch zu Hause sind. Die ersten Erfahrungen haben sie in Wuppertal gemacht, in dem die Thematik des Realtime Retail bereits angekommen ist.

 

Das sagen die Wuppertaler Händler übrigens zu ihrer Zusammenarbeit mit atalanda:

atalanda und die Online City Wuppertal from atalanda on Vimeo.

 

René Baisch, Co-Founder von atalanda, hat uns noch weitere Insights zu seinem Unternehmen verraten:

Bitte beschreibe kurz die Idee hinter dem Unternehmen Atalanda.

Auf atalanda können die Einwohner einer Stadt bei ihren lokalen Händlern online einkaufen und die Waren noch am selben Tag liefern lassen. Im Laufe der Zeit hat sich ein weiterer wichtiger Effekt gezeigt, der sogenannte ROPO Effekt: die Benutzer informieren sich über die Warenverfügbarkeit auf atalanda, aber gehen dann direkt in den Laden, um dort zu kaufen.

Welche Hindernisse musstet ihr bisher überwinden?

Es gab immer das Henne-Ei-Problem. Gibt es viele Produkte, ist es für die Kunden interessant. Der Händler macht sich aber nur die Arbeit, viele Produkte einzustellen, wenn viele Kunden da sind. Ein Schlüssel dafür sind ganz sicher die Warenwirtschaftssysteme der Händler.

Wie konntet ihr die Händler überzeugen?

In Wuppertal mussten wir die Händler nicht überzeugen, sie wollten einen solchen Marktplatz bereits bevor wir das erste Mal vor Ort waren. Die erfolgreiche Online City Wuppertal macht es uns nun leicht, auch Händler in den anderen Städten einzuladen, das System gemeinsam zu nutzen.

Welche Erfolgsfaktoren habt ihr bisher ausgemacht?

Wir benötigen zwei Voraussetzungen, um in einer Stadt zu starten: Einen lokalen Projektleiter bzw. eine lokale Projektleiterin und eine gewisse Anzahl an engagierten Händlern, die mit uns gemeinsam das Projekt umsetzen wollen. Der dritte Erfolgsfaktor ist der lange Atem. Wir gehen von einer zweijährigen Anlaufzeit aus – wir nennen es Transformationszeit – die jede Stadt benötigt.

Welche Hindernisse seht ihr?

Es fehlen schlicht in vielen Bereichen digitale, für den Endkunden aufbereitete Produktdaten. Für uns ist das eine der größten Aufgaben der Industrie und der Großhändler, diese mitzuliefern und den Händlern zur freien Verfügung zu stellen. Das würde sehr viel erleichtern. Nur wenige Händler arbeiten mit modernen Warenwirtschaftssystemen, aber wir gehen davon aus, dass sich das in nächster Zeit stark verändern wird.

Wie könnte man das Modell auf andere Städte übertragen?

Wir übertragen das bereits auf andere Städte, sind unter anderem in Attendorn, Wolfenbüttel und Göppingen Ende letzten Jahres gestartet. Nun folgen bald Heilbronn, Dortmund und weitere Städte. Natürlich nehmen wir alle Erfahrungen aus Wuppertal mit, von denen die neuen atalanda-Städte direkt profitieren.

Vielen Dank für das Interview an René Baisch!

 

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