CES 2016 – Unsere Highlights

Viel wurde in den letzten Tagen über die Neuvorstellungen der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas geschrieben. Der Tenor lautete: Mit ein paar Ausnahmen (z.b. dem aufrollbaren LG-Display) waren in diesem Jahr keine ganz großen Highlights dabei.

Nun, mit ein paar Tagen Abstand und nach dem Abflauen der Hysterie schauen wir noch einmal genauer hin. Wir haben also unsere Kollegen gebeten, ein paar Worte über ihre diesjährigen Highlights CES zu schreiben. Den Anfang macht Senior Innovation Analyst Sandro Megerle, den die Themen „VR-Frontend“ und die neue Vermessung der Welt beschäftigen.

 

Lenovo, Intel und Google vermessen per Tango die Welt
von Sandro Megerle, Senior Innovation Analyst

Das Hot Topic auf der diesjährigen CES 2016 ist ohne Frage Virtual Reality. Oculus stellt seine heiß ersehnte Endkunden-Variante seiner VR-Brille vor, (Die Vorbestellung ist übrigens seit dem 6. Januar hier möglich – haben wir natürlich schon gemacht & stellen sie, sobald sie da ist, in unserem Future Space vor ) vor, aber auch Konkurrenten wie Sony (Morpheus) oder HTC mit seiner VR-Brille Vive, eine Kooperation mit dem Spieleanbieter Valve, befeuern das Thema Virtual Reality.

Wie populär das Thema VR ist, zeigt nicht nur die diesbezügliche reichhaltige Berichterstattung, die sich über zahlreiche Branchenblogs bis hin zu reichweitenstarken traditionellen Printmedien erstreckt, sondern auch lange Warteschlangen, die mehrstündiges Anstehen der CES-Besucher erforderte, um einen Blick auf die „Flagship“-VR Installationen der Anbieter zu werfen.

 

Das „VR-Frontend“ ist marktreif, aber wie sieht es mit dem „VR-Backend“, also der Erstellung von dreidimensionalen VR-Inhalten aus?

Auf der CES zeigten einige Anbieter unterschiedliche Ausführungen zu 360-Grad-Kameras, die in der Lage sind, Inhalte für die entsprechenden VR-Endgeräte zu produzieren. Einen anderen Ansatz dreidimensionale Inhalte zu erstellen, die unter anderem auch zukünftig von VR-Endgeräten verwendet werden können, zeigt Google mit seinen Kooperationspartner Intel und Lenovo.

Unter dem Slogan ”A mobile device that can see how we see” wurden die ersten „Project Tango“-Smartphones auf der CES vorgestellt. Project Tango ist eine von Google entwickelte Technologie, die es erlaubt, durch eine Kombination von Smartphone-Kameras und spezifischer Sensoren detaillierte dreidimensionale Scans der Umgebung anzufertigen.

Diese Project Tango Endgeräte von Intel und Lenovo erlauben es also jedem Nutzer seine unmittelbare Umgebung zu scannen und maßstabsgetreue dreidimensionale Abbildungen, z.B. von bestimmten Räumlichkeiten, zu erstellen.

 

Project Tango demokratisiert die Erstellung dreidimensionaler Inhalte und bildet zu gleich eine emergente Plattform, mit zahlreichen Einsatzmöglichkeiten.

projecttango_beitrag einsDigitalisierte, dreidimensionale Abbildungen der realen Welt werden zum User Generated Content, und Google folglich zur entsprechenden Plattform. Neben dem User Generated Content für VR-Endgeräte, bietet Project Tango anhand der detaillierten Vermessung der realen Umwelt auch Anknüpfungspunkte für Indoor-Navigation und Augmented-Reality-Anwendungen.

 

 

 

Airspace Business – die Passagierdrohne von EHang
von Sebastian Metzner, Head of Research

Auch auf der CES 2016 zeigt sich die hohe Innovationsdynamik im Bereich Drohnen und Multikopter. Aus der Vielzahl der Aussteller sticht besonders das chinesische Unternehmen EHang heraus. Es präsentiert mit dem EHang 184 ihr Konzept einer elektrischen autonomen Drohne mit Passagierraum. Das 1,40 Meter große Fluggerät besitzt acht Propeller und kann eine Person transportieren. Mit 100 km/h Reisegeschwindigkeit kann der Passagier rund 23 Minuten in der Luft bleiben. Ein Pilotenschein ist dafür nicht notwendig.

 

Konzepte wie der EHang 184 zeigen auf, in welche Einsatzgebiete Drohnen zukünftig vordringen werden.

ehang184Die Klasse der AAV (Autonomous Aerial Vehicle) könnte nicht nur als individuelles Transportmittel in Großstädten die Mobilität erweitern, sondern auch in ruralen Gebieten z.B. die ärztliche Versorgung erhöhen. Das Konzept sieht vor, mittels Smartphone-App die Drohne vor die Haustür zu bestellen. Hat der Passagier Platz genommen, kann er über ein 12“-Touchscreen den Zielort wählen. Anschließend erfolgt der autonome Transport zum Zielort. Die Sicherheit will EHang durch den ständigen Kontakt zur Bodenkontrolle herstellen. Treten Probleme mit dem Autopiloten auf, übernimmt ein Mitarbeiter vom Bodenpersonal die Steuerung des Fluggerätes.

 

Aktuell ist die Nutzung der Passagierdrohne noch strengstens untersagt.

Probeflüge sind daher nicht möglich. Zwar gibt das Unternehmen an, dass die Technik Ende 2016 einsatzbereit sein soll, doch dürfte die Zertifizierung und Zulassung eine der größten Barrieren darstellen. Bei der Akzeptanz der Nutzer dürfte der Preis von 200.000 bis 300.000 US-Dollar nur eine untergeordnete Rolle spielen. Vielmehr stehen die wahrgenommene individuelle Sicherheit der Passagiere und die Sicherheit des gemeinsam genutzten Luftraumes im Vordergrund.

In autonomen Drohnentaxis über die Staus hinweg bequem zur Arbeit fliegen? Was sich heute noch wie eine sehr entfernte Vision anhört, könnte ähnlich schnelle Fortschritte machen wie die Entwicklung des pilotierten Fahrens im Automobilbereich. Für die Luftfahrtindustrie dürften autonome Passagierdrohnen eines der disruptivsten Themen der kommenden zehn Jahre werden.