Business Model Design Elemente für die Kreativindustrie

Sind gängige Business Model Tools und Geschäftsbewertungsmethoden in der Kreativindustrie sinnvoll anwendbar? Der folgende Artikel ist eine Summary der Masterarbeit unseres Trainees Denderah Rickmers.

 

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Denderah ist seit Januar neu bei uns im Team! Sie hat im September 2015 ihren Master of Science in International Management and Design Innovation an der University of Glasgow und der Glasgow School of Art abgeschlossen. Über ein Praktikum im Rahmen ihrer Masterarbeit fand sie ihren Weg zu TRENDONE.
Hier fasst sie die Kernergebnisse ihrer Arbeit „The Architecture Behind the Provocation: Challenging Business Design Elements within the Creative Industries“ für uns zusammen:

 

 

 

 

“Die grundlegende Fragestellung meiner Masterarbeit war, ob gängige Business Model Tools und Geschäftsbewertungsmethoden in der Kreativindustrie, mit ihren spezifischen ökonomischen und originären Voraussetzungen, sinnvoll anwendbar sind.

Ausgangspunkt war die Feststellung, dass diese Modelle oft einen statischen Aufbau und einen monetären Fokus haben. Damit vernachlässigen sie wichtige Faktoren, wie etwa Aufmerksamkeit als grundlegende knappe Ressource der Kreativindustrie.

Außerdem beinhalten sie oft keine visuellen, spielerischen Modelle, obwohl diese eine intuitive und vorbildungsfreie Ausführung unterstützen, was vielen kreativ arbeitenden Menschen liegt.

Aufgegliedert habe ich die übergreifende Forschungsfrage, und damit auch die Arbeit, in die 4 folgenden Fragen und Recherchebereiche:

 

  1. Wie unterscheidet sich die Kreativindustrie von anderen Märkten und wie wirkt sich das auf die Geschäftsmodelle privater Markteilnehmer aus?

 

Die Kreativindustrie ist ein relativ neu definiertes ökonomisches Konzept, welches erstmalig durch eine Initiative der Britischen Regierung 1998 so betitelt wurde und welchem in diesem Schritt 13 spezifische Branchen zugeordnet wurden, wie z.B. Musik, Literatur, Architektur, aber auch Advertising, Fashion, TV oder die Gamingindustrie (siehe Grafik).

 

Concentric Circles Model

Es gibt viele signifikante Faktoren, welche die Kreativindustrie merklich von anderen Branchen unterscheiden. Das Marktumfeld beispielsweise bildet einen social network market. Dies bedeutet, dass Kaufentscheidungen von Konsumenten mehrheitlich nicht nur von persönlichen Präferenzen und Produkt- (oder Service-) Eigenschaften abhängen, sondern oft in Abhängigkeit von Dritten getroffen werden.

Auch eine veränderte Dynamik von Angebot und Nachfrage spielt eine signifikante Rolle. So stillt ein Angebot oftmals nicht eine existierende Nachfrage, sondern ein bestehendes Angebot erzeugt die Nachfrage erst im zweiten Schritt. Ein Beispiel hier wäre ein Theaterstück. Von diesem erfährt der Konsument und trifft daraufhin eine Kaufentscheidung für Tickets, oft ohne vorher spezifisch eine Inszenierung mit dem exakten Inhalt erwartet zu haben.

Diese und viele weitere Aspekte habe ich in Form einer primären und sekundären qualitativen Erhebung erarbeitet, verknüpft und im Rahmen meiner Arbeit evaluiert. Neben Fachliteratur und Fallstudien habe ich Business Model Tools wie SWOT-Analysen und den Business Model Canvas auf fünf relevante Unternehmen angewandt, Experteninterviews geführt und an Workshops von Unternehmen und Makerspaces teilgenommen.

Hier war ich beispielsweise bei einem Workshop von Opendesk, einem crowd-design basierten Büromöbel Start-up in London. Dort ging es um die Erarbeitung eines Konzeptes für Smart Furnitures.

Workshop

 

  1. Welche Business Model Design Elemente sind besonders wichtig im Hinblick auf innovative und nachhaltige Geschäftsmodelle?

 

Gestützt durch meine Ergebnisse habe ich 16 Business Model Design Elemente, relevant für Firmen in der Kreativindustrie, identifiziert und benannt. Basierend auf der Dynamik des social network markets hat sich beispielsweise Democracy in der Kundenkommunikation und Produktentwicklung als ein Schlüsselfaktor für innovative und erfolgreiche Firmen herausgestellt.

Company Core.jpg

 

  1. Wie können diese Business Model Elemente benannt und in einem Modell, welches Abhängigkeiten widerspiegelt, zusammengefasst werden?

 

Um diese Frage beantworten zu können und aus den singulären Elementen ein agiles, vernetztes Modell zu schaffen, habe ich einen analogen Prototyp des Modells erstellt und diesen bei einem Workshop mit fünf Teilnehmern testen lassen.

Das Workshop Model Kit enthielt vier Komponenten:

  1. Spielregeln für die Anwendung des Modells
  2. Eine Liste der Design Elemente mit als Fragen formulierten Beschreibungen
  3. Einen Business Case eines fiktiven Start-Ups in der Möbelindustrie
  4. Die taktilen Komponenten des Modells

 

Business Model Design

 

Die Workshop-Teilnehmer während der Arbeit mit dem Prototypen:

Workshop Tisch

 

  1. Kann ein solches Modell sinnvoll für ein Unternehmen angewendet werden?

 

Da die definierten Elemente und damit auch das Modell auf einer qualitativen Studie basieren, war eine allgemeingültige und objektive Vernetzung der Elemente nicht das Ziel. Der Fokus und Mehrwert lag also in der leichten und greifbaren visuellen Widerspiegelung der subjektiven Wahrnehmung eines Geschäftsmodels, sei es im Ist-Zustand oder als Darstellung vergangener oder wünschenswerter Szenarien.

Darauf basierend war das Ergebnis im Rahmen des Workshops, wie erwartet, dass jeder Teilnehmer den Business Case anders interpretiert und visualisiert hat.

Modell

 

Spannend wird diese Thematik besonders, wenn die individuellen Ergebnisse einzelner miteinander vernetzt werden und das Modell so beispielsweise aufzeigt, wie Mitarbeiter in der Gesamtheit das Geschäftsmodell ihres Arbeitgebers einschätzen. So lässt sich zum Beispiel auch ein etabliertes Geschäftsmodel wertfrei und anonym in Frage stellen.

Hierfür könnte sich zum Beispiel ein digitales Tool anbieten, welches erstellte Modelle speichert, deren Austausch zwischen verschiedenen Nutzern unterstützt und Abhängigkeiten zwischen den verschiedenen erstellten Modellen herstellt.

 

Multiple User

 

Abschließen bleibt zu sagen, dass mit der Transformation einzelner Ableger der Kreativindustrie, wie beispielsweise Design, hin zu generalisierbaren Disziplinen auch die Entwicklung der ihr zugrundeliegenden Theorien immer wichtiger wird. Im Hinblick auf praktische Implikationen bilden die dargestellte Analyse und Ausarbeitung des Modells Teilaspekte dieser Entwicklung wieder.”

 


Denderah unterstützt unsere Innovation Services ab Januar 2016 bei Workshops und Trendstudien – ganz herzlichen Dank noch einmal für das Teilen deiner spannenden Ergebnisse & willkommen im TRENDONE-Team!