Leap Motion im Praxistest

Neben unserer Grundaufgabe – der täglichen Trendanalyse – versteht sich TRENDONE vor allem als eine Art berufliche Early Adopter. Zukunftsweisende Hard- und Software hat man im besten Fall eben vor sich. Jan Göllnitz nahm die Leap Motion für Sie unter die Lupe und gibt eine Einschätzung, wie hoch das Trend-Potenzial der eingesetzten Technologie ist.

sampleBei Leap Motion handelt es sich um ein Infrarot Tracking-System für die menschliche Hand und spezielle „Werkzeuge“. Damit entsteht ein natürliches Bedienungskonzept, durch das man Sachen am PC-Bildschirm greifen kann. Diverse Gesten sind denkbar, ebenso wie das Arbeiten auf mehreren Ebenen, da die Bewegungen im Raum erfasst werden.

Nach der Installation der Treibersoftware wird die Leap über USB angeschlossen. Zuerst ist eine Kalibrierung nötig. Perfekt eignen sich dazu glatte, reflektierende Oberflächen, wie einem das Programm mitteilt. Vermutlich wird der eigene Infrarot-Punkt gescannt und der Bewegungsfreiraum dabei beurteilt. Je mehr und schneller das Gerät es schafft beim „Wischen“ einer Oberfläche alles auszumalen, desto höher die Punktzahl. Ab 80 Punkten ist die Kalibrierung abgeschlossen.

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Leap Motion hat bereits einen eigenen App-Store online, mit diversen kostenlosen VR-Demos. Die Leap ist meiner Meinung nach unglaublich leistungshungrig, wodurch einige Überlastungen des PCs entstanden. Am Anfang wird der „Playground“ empfohlen, um die Funktion und die Möglichkeiten auf spielerische Weise kennenzulernen.

Überrascht war ich vom doch sehr genauen Tracking der einzelnen Finger. Drehungen der Hand werden zwar nicht ganz zuverlässig erkannt, genau wie anliegende Finger, aber allgemein aussagekräftige Gesten wie Schieben oder Greifen sind auch in Echtzeit überhaupt kein Problem für die Leap.

Nachdem das System den Input visualisiert, kann man direkt ausprobieren, mit virtuellen Objekten zu interagieren. Vor allem das 3D-Gefühl erfordert einige Gewöhnung – nach Berichten anderer Mitarbeiter löst die Kombination mit der Oculus Rift dieses Problem. Das Herumwerfen der Klötzchen fühlt sich ein wenig schwerelos an, vor allem, weil man nichts Reales in der Hand hat. Die systemeigene Fehlerkorrektur wird mit den automatisch verbindenden Klötzchen visualisiert und demonstriert. Nach einer Weile genügt ein Tasteninput, um die nächste Simulation zu beginnen. In Zukunft werden hier hoffentlich Gesten reichen.

In der zweiten Simulation geht es um unendlich wachsende Blumen, deren Blütenblätter nach dem Abzupfen zu Goldfischen werden. Auch hier überrascht die Leap mit sehr präzisen Messungen der Fingerzwischenräume – mir ist nicht ein fehlerhaftes Zupfen aufgefallen. Dabei war sogar der Winkel der Hand egal, solange die Geste stimmte.

Zu guter Letzt schaute ich mich kurz im App-Store um. Eine der Rift-Demos (die auch ohne Rift funktionieren, aber dann eben nicht so beeindruckend sind) ist ein Schachspiel gegen einen Roboter, bei dem man die Teile selbst setzt. Interessant hierbei vor allem die Interface-Design Ideen – der Modus wird gewählt, indem man mit der Hand durch den Raum drückt. Im Spiel schweben Würfel neben dem Schachbrett, denen Funktionen zugewiesen sind. Das Schachspiel macht auch ohne Schacherfahrung Spaß – wahrscheinlich noch mehr, wenn die Leap auf der Rift ständig die Hände trackt, anstatt dass man sie gezielt über der Leap platzieren muss.

Alles in allem verspricht die Leap Motion unsere Geräte viel natürlicher bedienbar zu machen. Eine der Apps im Appstore ist beispielsweise ein Skulpting-Tool, mit dem man 3D-Modelle mit den Händen erstellen kann. Man könnte fast meinen, dass diese Technologie einer der Grundpfeiler des 3D-Modellierens für Laien sein wird – bisher sind dazu sehr komplexe Programme und viel Erfahrung nötig.