Blick nach Asien: Clean Tech

Unseren Micro-Trends merkt man definitiv eine Tendenz zum westlichen Kulturkreis an, die sich aus der Marktführerschaft amerikanischer Medien und damit einem Überwiegen von Quellen aus den USA ergibt. Trotzdem schauen wir gerne über den Tellerrand – Gewohnheiten bestimmter Länder sind womöglich in anderen Ländern stark innovativ und gerade der sozio-ökonomische Kontrast zeigt die Herkunft bestimmter Trends sehr gut auf.

Bereits 2010 hatten wir unter Clean Tech einen Roller mit Elektro-Batterie zum Herausnehmen aus Großbritannien in unserer Datenbank. In Europa fand das System jedoch wenig Anklang, Scooter allgemein sind hierzulande eher unterrepräsentiert. Bevölkerungsreiche Metropolen in strukturschwächeren Gegenden hingegen begrüßen die kleinen Fahrzeuge als günstige Alternative zu öffentlichen Verkehrsmitteln, die oft überfüllt, teilweise unzuverlässig und unflexibel sind.

________________
FACT CHECK ASIA:
Asien ist der Kontinent, auf dem die Bevölkerungsriesen Indien und China vertreten sind – diese Länder weisen jedoch auch entsprechende Flächen auf. Einen Effekt auf das Leben der Menschen erkennt man eher an der Bevölkerungsdichte – hier führt ländertechnisch Bangladesh mit 1084 Einwohnern pro km² landesweit. Auffällig ist auch, dass die sieben größten Metropolregionen der Welt allesamt in Asien liegen, vorneweg Tokyo-Yokohama in Japan mit 37,55 Millionen Einwohnern auf rund 14.000km², was zu ca. 2.750 Einwohnern pro km² führt. Die Auswirkungen sind offensichtlich, wie dieses Video zeigt.
________________

Desweiteren erkennen die Menschen, dass Autoverkehr, wie wir ihn kennen, einfach nicht zu realisieren wäre. Abgesehen vom zu erwartenden Verkehrsvolumen hat beispielsweise Beijing massive Smog-Probleme, und selbst hochentwickelte Städte wie Tokyo können wenig gegen den Heat Island Effekt tun. Umweltbewusstsein wiederum ist selbst in Deutschland für viele ein Luxusgut. Deshalb wird Clean Tech in Asien auf zwei Wege gestärkt: Durch aktive Push-Maßnahmen der Regierungen durch Subventionen, Steuervorteile und Gesetze und passive Pull-Anreize in Form von technisch-überlegenen, aber trotzdem günstigeren, Clean Tech-Alternativen zu bestehenden Produkten:

gogoro Gogoro ist ein smarter Elektro-Scooter, der preislich mit bestehenden Modellen mithalten soll. Betrieben wird das Gerät von zwei rund 10 Kilogramm schweren Batterien, die von der Größe etwa zwei Litern Milch entsprechen. Diese Batterien führten das Unternehmen zu einer Investitionssumme von umgerechnet 150 Millionen Dollar. Aus unserer Sicht ein potenzieller Grundstein für eine Revolution im Verkehrswesen.

Gogoro präsentiert dazu eine Batterien-Bar, die auf den Scooter reagiert, selbstständig die Batteriestände des Scooters erkennt und innerhalb von sechs Sekunden die zwei nötigen Batterien ausgibt, falls Bedarf besteht. Der Plan ist, diese Bars ähnlich dem DHL-Packstationssystems in Städten kioskartig zu verteilen. Statt die Batterien nachts Zuhause aufzuladen, tauscht man sie unterwegs. Dieser Fakt spielt im Bevölkerungsdichten Asien, wo Wohnraum eben auch vergleichsweise teuer ist, eine noch größere Rolle als im Westen.

Clean Tech ist einer dieser Trends, die stark von performanter Innovation getrieben werden. Ohne Effizienzgewinn – und damit monetäre Einsparungen – werden Konsumenten, vor allem in strukturschwachen Ländern, nicht freiwillig wechseln. Daher versuchen die performantesten Lösungen, neben der Umweltfreundlichkeit noch überlegene Mobilität und Flexibilität zu geben – „Gogoro“s Mitstreiter Tesla plant ähnliches für seine Autobatterien.