Willkommen im zweiten Maschinenzeitalter!

Wonach Sie in Zukunft bezahlt werden, hängt davon ab, wie gut Sie mit Robotern zusammenarbeiten. Bis vor Kurzem hörte sich dieses Zitat des Wired-Gründers Kevin Kelly nach Stoff für Science-Fiction-Filme an. In ihrem neuen Buch „The Second Machine Age“ zeigen die beiden MIT Professoren Erik Brynjolfs-son und Andrew McAfee, dass wir am Anfang eines atemberaubenden Entwicklungssprungs stehen, der solche Vorstellungen zur Realität werden lässt.

Im Jahr 1776 beginnt mit der Erfindung der Dampfkraft das erste Maschinenzeitalter. Gekennzeichnet durch die Fähigkeit, Energie in unbekannten Mengen zu erzeugen und die Muskelkraft von Mensch und Tier zu überwinden, wurde die größte und rascheste Transformation der Weltgeschichte eingeleitet. Im zweiten Maschinenzeitalter, das sich gerade entfaltet, erlangen Computer und Maschinen die Fähigkeit, Fahrzeuge autonom zu steuern, Schachgroßmeister und Jeopardy-Champions zu besiegen oder Texte über Börsenkurse und Fußballergebnisse selbstständig zu schreiben.

Beide Autoren nehmen den Leser im ersten Teil des Buches mit in die Forschungslabore großer IT-Unternehmen und Entwicklungswerkstätten kleiner Startups. Sie zeigen, zu welchen Leistungen Computer und Maschinen bereits heute fähig sind und beschreiben drei Kräfte, die den technischen Fortschritts unaufhörlich vorantreiben:
1. exponentiell – Die Leistungsfähigkeit von Hardware, Software und Netzwerktechnologien unterliegt der ständigen Verdopplung.
2. digital – Geografische, soziale, emotionale, sensorgenierte Daten lassen sich immer einfacher generieren und analysieren. Sie steigern durch Verknüpfung ihren Nutzen enorm.
3. kombinatorisch – Co-Creation und Remixing von bestehendem Wissen und geteilten Ideen werden eine Fülle von Innovationen erzeugen.

Wie Technologie die Wirtschaft verändert und welche verursacht, erörtern die beiden Autoren im Mittelteil des Buches. Im zweiten Maschinenzeitalter benötigen die Volkswirtschaften veränderte Produktivitätsmaßstäbe und eine Anpassung der BIP-Definition, da ein Großteil der zukünftigen Wertschöpfung nicht-monetärer Art sein wird. Besonderen Bezug nehmen die Autoren auf die Kluft zwischen hoch-begüterten und weniger-begüterten Personen, die sich weiter vergrößert, wenn wir nichts dagegen unternehmen. Auch die Entstehung von „Alles-oder-Nichts“-Märkten verdeutlicht die unausgewogene Mechanik der digitalen Welt, in der eine Hand von Superstars alles gewinnt und alle anderen zeitgleich leer ausgehen.

In der Vergangenheit gab der Mensch den Maschinen die Anweisungen. Im zweiten Maschinenzeitalter sagen intelligente Computer hingegen Menschen, was sie zu tun haben oder machen sie durch fortschreitende Automatisierung überflüssig.

Wie wir ins Rennen mit den Maschinen gehen können, erläutern die Autoren im letzten Teil. Dabei vertreten sie die Meinung, dass Computer auf lange Sicht sehr viele Schwierigkeiten mit der kreativen Ideenentwicklung, breit gefassten Mustererkennung und hochkomplexen Kommunikation haben werden. Menschen, die diese Fertigkeiten beherrschen, sind in Zukunft weniger stark von Substitution und Automatisierung betroffen. Doch wie viele Beobachter mahnen auch sie im gleichen Atemzug „Sag niemals nie“, denn die Fähigkeiten digitaler Technologien sind schwierig zu prognostizieren.

Neben persönlichen Empfehlungen sprechen die Autoren eine Vielzahl von politischen Maßnahmen an. Sie fordern auf, den Kindern viel beizubringen, Impulse für Startups zu setzen, Wissenschaftler besser zu unterstützen und wenn schon Steuern eingeführt werden, dann bitte die Richtigen. Die beiden Autoren betonen, dass sich die Gesellschaften im zweiten Maschinenzeitalter ganz genau überlegen müssen, was sie wirklich wollen und worauf sie Wert legen. Denn die Technologie ist nicht unser Schicksal – vielmehr haben wir es selbst in der Hand.

Informationen zum Buch finden Sie auf secondmachineage.com

Diese Buchempfehlung hat Sebastian Metzner für Sie formuliert.