Trends 2014 – “EduTech” und “Coordination Economy”

Torsten Rehder berichtet über adaptive Technologien, die dem Bildungssektor einen immensen Auftrieb verleihen und den Trend, dass Unternehmen immer mehr als Koordinatoren agieren, die Personen mit Ressourcen verknüpfen.

EduTech

Nach dem Gesundheitsbereich ist der Bildungssektor das nächste große Wachstumsfeld. Staaten müssen sich aufgrund der anhaltenden globalen Krise der Staatshaushalte vermehrt aus der Verantwortung zurückziehen und werden – analog zum Gesundheitsbereich – nur noch eine Grundversorgung bereitstellen können. Es entsteht ein Vakuum, das zunehmend von neuen, innovativen Playern aus dem Privatsektor gefüllt wird.

Dabei mischen vor allem innovative Technologien den Bildungssektor auf und demokratisieren das Lernen immer weiter. Zunächst waren es Onlinekurse, die das Prinzip der Open University auf die digitale Welt übertrugen und auf Webplattformen wie Udacity, Coursera oder edX für jedermann zugänglich sind. Nun finden auch vermehrt adaptive Technologien zur Personalisierung von Lerninhalten Anwendung. Knewton, Beluga oder CogBooks sind Beispiele für adaptive Lernplattformen, die zugeschnittene Lerninhalte für individuelle Bedürfnisse und Fähigkeiten bereitstellen.

Zudem bieten EduApps, EduGames oder Virtual und Augmented Reality weitere Potenziale bei der Vermittlung von Inhalten. Sogar Roboter werden bereits genutzt und bringen ausländische Lehrer per Telepräsenz in südkoreanische Klassenräume.

In aufstrebenden Ländern (z.B. Indien oder Brasilien), die noch keinen umfangreichen staatlich-finanzierten Bildungsbereich aufgebaut haben, ist dieser Trend ausgeprägter. Für sie besteht die Chance, direkt in die nächste Stufe der Education einzutreten. In den westlichen Industrieländern ist die Integration von EduTech vielmehr die Frage eines neuen „Mindsets“, das eine (Aus-)Bildung auch abseits von Schulen und Universitäten akzeptiert und fördert. Dieser Mindset-Wandel ist zwar nicht minder komplex, wird für sie in Zukunft jedoch unausweichlich sein.

Coordination Economy

Zurückblickend ist im Bereich der Netzwerktechnologien eine dreistufige Evolution zu beobachten. Zunächst veränderten sie unsere Kommunikation. Sie vernetzten uns weltweit und vereinfachten und beschleunigten unsere Kommunikation um ein Vielfaches. In der zweiten Stufe veränderten sie Geschäftsmodelle und somit die Art und Weise, für was wir in welcher Form bereit sind, Geld auszugeben und mit was Geld verdient werden kann. Diese Phase ist noch nicht abgeschlossen. Dennoch zeichnet sich am Horizont bereits eine weitere Evolutionsstufe der Netzwerktechnologien ab, die in 2014 weiter an Fahrt gewinnen wird.

Die dritte Stufe ist die Phase der Coordination Economy. Dabei werden Netzwerktechnologien dafür genutzt, um Menschen und Ressourcen zu koordinieren. Unternehmen werden zu Koordinatoren, die zwischen Personen und ungenutzten Ressourcen vermitteln. Ein gutes Beispiel für die Coordination Economy sind Startups wie Uber, Tamyca, Lyft oder auch Airbnb, die Appartementsuchende und (ungenutzte) Appartements koordinieren. Services wie TaskRabbit oder Gigwalk koordinieren lokale Jobs und Aufgaben mit den Menschen vor Ort.

Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter, Indiegogo oder Startnext koordinieren die Finanzierung von Ideen und Projekten, wie z.B. die Produktion eines Kinofilms. Neue Technologien wie selbstlernende Systeme, Cloud Computing und das Internet der Dinge werden die Möglichkeiten der Coordination Economy in Zukunft noch erweitern.