CES 2012 – Tag 2: Ultraviolet, The Network Society und der Markengipfel

Bereits früh am Morgen lud das Entertainment Magazin Variety am Mittwoch zur Session „What’s cooking? Technologists Eye the Future of Entertainment“ ein. In der Runde, bestehend aus Vertretern der technischen Seite der großen Studios Warner, Dreamworks, Sony und Disney, wurde unter anderem das Thema Ultraviolet umstritten diskutiert.

Ultraviolet ist ein neues Streaming-Format, das auf Cloud-Computing basiert und dem Hollywood großes Potential zuschreibt.

Die Cloud ist aber auch im Bereich Produktion enorm wichtig geworden. Animationsstudios wie Dreamworks sind längst über mehrere Kontinente verteilt und eine nahtlose Verbindung zwischen den Büros wird nur über Cloud Services möglich. Die Experten sehen besonders einen Wandel im User Interface bevorstehen, ganz nach dem Motto: „Software as a service“ müsse hier ein radikales Umdenken bei den Entwicklern einsetzen.

Den Höhepunkt des Tages stellte die Keynote von Hans Vestberg dar. Der CEO des schwedischen High-Tech Konzerns Ericsson stellte bei seiner ersten CES Keynote die „Network Society“ und ihre Auswirkungen auf die Welt wie wir sie kennen vor.

Hans Vestberg, CEO Ericsson

Der Ericsson Chef rechnet mit weltweit fünf Milliarden Breitband Nutzern bis zum Jahr 2015. Schon jetzt ist der Konzern, der unter anderem Bluetooth erfunden hat, an rund 40% des weltweiten Mobilfunkmarkts beteiligt. Nicht zuletzt deswegen wird Vestberg als einer der einflussreichsten Männer im Wireless Business bezeichnet. Der Ericsson CEO rechnet zudem mit 20 Milliarden vernetzten Endgeräten weltweit bis zum Jahr 2020.

Auch Vestberg unterstreicht die Wichtigkeit des Automobilmarkts bei der diesjährigen Consumer Electronics Show. So hat die „Network Society“ auch Einfluss auf die Automotive-Branche. LTE Chips von Ericsson mit 100 Millisekunden Verzögerung stellen nicht nur die Basis für das Thema Connected Cars dar, sondern bieten auch innerhalb des Fahrzeuge wichtige Informationen für den Fahrer quasi in Echtzeit zur Verfügung.

Vestberg präsentierte bei seiner Keynote auch die drei neue Kooperationspartner Maersk Lines, MIT und Refugee United vor. Mit dem Frachterunternehmen Maersk Lines zusammen hat Ericsson das weltgrößte Floating Network aufgebaut.

Mit Refugee United wurde das erste Netzwerk zur für die Rückverfolgung von Flüchtlingen entwickelt, das bereits erfolgreich in Afrika eingesetzt wird.

Prof. Carlo Ratti vom MIT zeigte erste Ergebnisse eines interessanten Projekts, bei dem Ericsson Chips dabei helfen, Müll zu tracken und damit erstmals Daten zu erfassen, wie und wohin sich Abfall bewegt. Selbst 2 Monate nach der Entsorgung durch den Verbraucher ist Müll vereinzelt immer noch in Bewegung.

Das Beste sparte sich Hans Vestberg jedoch für den Schluss seiner Präsentation auf. Connect Me stellt vor, wie sich die „Network Society“ auch direkt auf jeden einzelnen Menschen auswirken könnte. Das System nutzt den menschlichen Körper als Medium zur Übertragung von Daten zwischen unterschiedlichen Endgeräten. Nur durch gleichzeitige Berührung eines Smartphones und eines Laptops können mit Connect Me Fotos, Musik und andere Daten übertragen werden, wie Vestberg eindrucksvoll in einer Live-Demo bewies. So ist die These des mächtigsten Manns bei Ericsson nicht ganz unverständlich wenn er meint: „Wenn wir alle Geräte miteinander verbinden, wird dies die Welt ändern!“

Die komplette Keynote können Sie sich hier als Video ansehen:

Die Welt verändern könnte auch eines der zahlreichen Start-Ups, die in der Eureka Tech Zone im Venetatian Hotel in diesem Jahr zum ersten Mal vorhanden ist.

Unternehmen wie Blippar oder Modular Robotics stellen sich hier zum ersten Mal einem großen Messepublikum vor.

Die Applikation “BlippAR” kann auf Basis von Augmented Reality Werbebotschaften oder Bilder einscannen, über Bilderkennung identifizieren und hinterlegte Zusatzinformationen anzeigen. Eine Printanzeige für einen Uhrenerzeuger wird so zum dreidimensionalen Erlebnis, bei dem der Nutzer die verschiedenen Modelle selbst an seinem Arm anprobiert, sie von allen Seiten begutachtet und gleich online bestellen kann. Zudem kann der Nutzer die Produkte bewerten, was anderen Nutzer der Anwendung dann als Entscheidungshilfe zur Verfügung steht. Mehr Infos zu Blippar finden Sie im Trendexplorer.

Das US-amerikanische Unternehmen Modular Robotics hat unter dem Namen “Cubelets” einen Roboter-Baukasten vorgestellt, der es Benutzern erlaubt, Roboter nach einer Art Lego-Prinzip selber zusammen zu stellen. Der Hersteller bietet insgesamt 15 verschiedene Bausteine an, die über magnetische Kupplungen miteinander verbunden werden. Die einzelnen “Cubelets” haben verschiedene Funktionen, wie beispielsweise Sensoren zur Messung von Entfernungen, Helligkeit und Temperatur. Weitere Module lassen verschiedene Roboter miteinander kommunizieren, sodass auch komplexere Einheiten zu realisieren sind. Mehr Infos zu Modular Robotics finden Sie im Trendexplorer.

Beim Brand Keynote Panel im Las Vegas Hilton Theatre diskutierten am Nachmittag hochrangige Vertreter von AT&T, Facebook, General Electrics, Hyundai, Unilever und Walmart ihre Lieblings-Trends der diesjähigen Show und die Auswirkungen auf ihr Geschäft.

In zwei Punkten waren sich die Top-Executives einige: Connectivity und Cloud-Computing stellen DIE Trends der CES 2012 dar und niemand der anwesenden CMOs möchte im Alltag auf sein Smartphone verzichten. Damit verifizieren die Marketers eine Umfrage in den USA, wonach der durchschnittliche US-Amerikaner in der Zwischenzeit lieber auf seine Zahnbürste verzichtet als auf sein Smartphone.

Die komplette Panel-Diskussion können Sie sich hier als Video ansehen:

Morgen geht es weiter mit News von der Technik-Front, live von der Consumer Electronics Show 2012 in Las Vegas.

Mehr Fotos von Dienstag und Mittwoch finden Sie auf Flickr!