Aktuelle Macro-Trends – Mai 2011

In dieser Ausgabe der Kategorie “Aktuelle Macro-Trends” stellen wir Ihnen diesmal die Themen MICRO NETWORKS // GROUP MESSAGING und 6-SENSE-SECURITY vor.

MICRO NETWORKS // GROUP MESSAGING – Wenn die Großraumdisko zu laut wird, suchen wir uns Séparées

Obwohl der „Social Layer“ im digitalen Raum durch Platzhirsche wie Facebook und Twitter besetzt zu sein scheint, ist an dessem Rand eine hohe Dynamik zu beobachten. Zahlreiche meist mobile Applikationen greifen situative Nischen abseits des thematisch eher ungerichteten News-Streams der BIG FOUR (Facebook, Twitter, YouTube, Flickr) auf. In diesen Nischen dominiert die Exklusivität, die u.a. durch die Kopplung an physische Orte oder die Begrenzung anderer Kontextfaktoren (Zeit, Thema, Mitglieder etc.) erzeugt wird. Micro Networks sind die Séparées in der Großraumdisko Facebook & Co. – und die Orte fungieren vermehrt als deren Türsteher.

Besonders gut kann dieses Phänomen durch Applikationen wie Soundtrckr, Color, Path oder Beluga beschrieben werden. Bei Soundtrckr haben die Nutzer z.B. die Möglichkeit, eigene Radiostationen zu erstellen und diese mit anderen Usern zu teilen, die sich in ihrer Nähe befinden. Color ist eine soziale Fotosharing-Applikation, mit der Anwender ausschließlich Fotos von Personen empfangen können, die sich in einem Umkreis von 50 Metern befinden. Das ebenfalls auf Fotos basierende Netzwerk Path limitiert von vorneherein die Anzahl der möglichen Freunde auf 50 Personen, daher auch der Beiname “The Personal Network”.

Wer Fotos oder Musik nur an bestimmten Orten betrachten oder hören kann, erlebt zusätzlich eine soziale Komponente: das Teilen des Moments und des Ortes mit Anderen.

Der Service Beluga (im März 2011 von Facebook gekauft) steht wiederum repräsentativ für eine Handvoll Group-Messaging-Dienste (u.a. auch Kik, GroupMe, Fast Society), die die Check-In-Services als Trend abzulösen scheinen. Group Messaging-Dienste vereinen die Vorteile von E-Mail, Chat, SMS, Facebook oder Twitter – sind dabei aber direkter als E-Mail, erreichen einen größeren Personenkreis als Chat oder SMS und streuen nicht so breit wie Facebook und Twitter, da die Nachrichten an einen ausgewählten und abgeschlossenen Freundeskreis versendet werden.

Wenn man sich also die Frage stellt, was eigentlich nach Facebook kommt, so  deutet vieles auf eine zunehmende Pluralisierung und Spezialisierung von sozialen Netzwerken hin, die jedoch immer offene Schnittstellen zu den Big Four haben. Denn dort spielt nach wie vor die Musik!

6-SENSE-SECURITY – Sicherheitsgefühl durch alle Sinne

In Zeiten von Datenklau und S-Bahn-Schlägereien bekommen wir vermehrt digitale Unterstützung, um unsere Sicherheit und Privatsphäre zu schützen. Dabei orientieren sich die Sicherheitssysteme zunehmend an den Funktionsweisen des menschlichen Organismus. Neue biometrische Verfahren, mobile Endgeräte als “persönliche Bodyguards” und intelligente webbasierte Algorithmen verstärken das Gefühl von Sicherheit on- wie offline und fügen sich intelligent in den Alltag und Kontext des Users ein.

Die Vermessung von biometrischen Merkmalen ermöglichen dem Kamerasystem von Audio Analytic kriminelle Geräusche zu “erhören” oder der Sicherheitssoftware PrivateEye durch Gesichtserkennung den Monitor vor fremden Blicken zu schützen. Gesichtserkennung anstelle einer Passworteingabe soll zukünftig eine noch genauere Authentifizierung am Geldautomaten realisierbar machen. Intuitiv loggen wir uns bereits via Fingerscan in unseren PC ein.

5 Sinne + 1 Kontext = 6 Sense Security

Erweitert werden diese, auf den 5 Sinnen des Menschen aufbauenden Systeme, durch kontextbezogene Plattformen wie Fearsquare oder auch dem Webservice Family Signal. Fearsquare bezieht seine Informationen aus Statistiken der Polizei. Es klärt Nutzer des sozialen Netzwerks Foursquare auf, ob an den Orten, an denen sie einchecken, zuvor Verbrechen stattgefunden haben. Ist dies der Fall könnte es von Vorteil sein, das Armband “PFO One” des schwedischen Unternehmens PFO als persönlichen Bodyguard mit sich zu führen: Sobald im Notfall an dem Accessoire gezogen wird, sendet dieses per SMS den Standort des Trägers an drei ausgewählte Freunde. Erreichen diese ihn beim ersten Sicherheitsanruf nicht, können sie ihn mit dem Laptop oder Smartphone per integrierter GPS-Verfolgung orten.

Auch die Angst von Eltern, die ihre Kinder im Netz Gefahren ausgesetzt sehen, wird von der Firma Family Signal aufgefangen: Ihr gleichnamiger Webservice benachrichtigt Eltern bei potenzieller Gefahr. Mit Hilfe von Computerlinguistik und aktuellen Begriffsdatenbanken werden die Facebook- und Twitter-Profile des Nachwuchses überwacht und nach Bedrohungen durchsucht.