Warum digital besser ist

Digital ist besser. Peter von Aspern von TrendONE war bei der Lesung von Tim und Kai-Hinrich Renner in Hamburg dabei.

„Illegale Downloads, Egoshooter und Geheimnisverrat im Internet. Für manche steht die Welt Kopf“ so ein Auszug des Buches.

Die beiden Autoren Tim und Kai-Hinrich Renner räumen in „Digital ist besser“ mit der Furcht vor der Digitalisierung auf und werfen einen optimistischen Blick auf die Entwicklungen. Schließlich kennen sich die beiden Hamburger Brüder bestens in der Medienbranche aus. Tim Renner war Manager von Universal Music Deutschland und Kai-Hinrich Renner ist beim Hamburger Abendblatt als Autor für Medien-Themen beschäftigt.

In ihrem Buch beleuchten die Autoren die jüngste Evolution der Medien anhand ihres eigenen persönlichen Werdegangs. Ihre These: Die Digitalisierung und Demokratisierung der Medien ist nichts anderes als die Fortsetzung der Pop-Kultur mit anderen Mitteln.

„Als Punk kam, haben wir uns natürlich auf die Gitarren gestürzt, egal ob wir sie spielen konnten oder nicht. Als Popper oder New Waver haben wir selbstredend mit Moden gespielt und variiert, um uns selbst auszudrücken. Medien und Kulturproduktion waren nichts, was man sich nur erarbeiten, sondern etwas, das man sich erobern musste. Ohne Verständnis der Popkultur ist das Phänomen der Digitalisierung gar nicht richtig zu begreifen.“ verrieten die Autoren.

So seien zum Beispiel Blogs und das illegale Downloaden von Musik kein neues Phänomen, sondern nur die konsequente Anwendung neuer Technologie für das, was man in den 80ern noch mit dem Kassetten-Rekorder oder mit dem Fotokopierer bewerkstelligt hat.

Die Digitalisierung ermöglicht die Trennung von Inhalt und Medium. Damit besteht die Medienproduktion fast nur noch aus Fixkosten (First-Copy-Costs), da Datenträger wie CDs oder Papier nicht mehr erforderlich sind. Gleichzeitig bedeutet dies, dass der Inhalt in digitaler Form über das Internet beliebig vervielfältigt werden kann und die Medienanbieter somit die Kontrolle über die Distribution und die Inhalte verlieren.

Doch die Digitalisierung hat noch einen weiteren Effekt. Sie ermöglicht es jedem Computerbesitzer selbst Medienproduzent zu werden und eigene Inhalte zu erstellen. Damit sind die Nutzer zugleich Konsument und Produzent, auch unter Prosumer bekannt.
Der Umgang mit den etablierten Medien wird sich jedoch wandeln. Die Nutzer werden nicht mehr bereit sein, für ganze Zeitungen oder Bücher zu zahlen, sondern nur noch für das, was sie tatsächlich nutzen. Die Nutzung selbst wird zunehmend in digitaler Form erfolgen, denn digitale Inhalte benötigen keinen Platz, haben kein Gewicht und können jederzeit und überall über das Netz erworben werden. Die zunehmende digitale Nutzung der Medien wird auch vom sogenannten Iconic Turn begünstigt, das heißt Bild und Video werden den Text zunehmend als primäre Informationsquelle ablösen.

In ihrem Fazit stellen Renner und Renner fest: Wenn die Masse Medien macht, machen Massenmedien keinen Sinn. Die Medienlandschaft wird sich von einem Top-Down Modell zu einem Bottom-Up System wandeln. Blogs werden gleichberechtigt neben den Seiten großer Zeitungen stehen, im Wettbewerb wird allein die Qualität entscheidend sein.

Doch dieser Umbruch wird nicht heute und auch nicht morgen vollzogen sein. Solange die Baby-Boomer, die mit den klassischen Medien aufgewachsen sind, noch am Leben sind, solange wird es mindestens auch noch die klassischen Massenmedien geben, so Kai-Hinrich Renner.

Das ändert aber nichts an dem von der Hamburger Band „Tocotronic“ entliehenen These für den Buchtitel „Digital ist besser“.