Im Trendsalon: Mood Food – Die Evolution von Essen und Trinken
Das Trendbook 2012 packt aus: In regelmäßigen Abständen werden wir Ihnen hier Auszüge aus dem Lexikon für Trend- und Zukunftsbegriffe vorstellen. 15 internationale Vordenker und Visionäre aus Wissenschaft und Wirtschaft haben im Sonderkapitel Trendsalon verschiedene aktuelle Themen näher beleuchtet.
Heute erklärt Rolf Buchholz, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der KEY VALUES GmbH, wie der Konsum von Essen und Trinken immer weniger von der natürlichen Motivation „Durst und Hunger“ bestimmt wird.
Mood Food: Die Evolution von Essen und Trinken
Von Rolf Buchholz
Warum geht Liebe durch den Magen und warum wird in Asien mit den Händen gegessen? Die Antwort ist komplex, klingt aber einfach: Nahrungsmittel wurden im Laufe der Geschichte immer stärker emotional funktionalisiert. Wir erinnern uns an aphrodisierende Speisen aus dem Morgenland, den Tee mit Honig, der wohltuend gegen Erkältung hilft, oder den Sonntagsbraten der Nachkriegszeit als Zeichen des Wohlstands, das Stück Schokolade, das den Kummer vertreibt…
Früher haben Menschen gegessen, um satt zu werden und zu überleben. Heute haben wir in der sogenannten Wohlstandsgesellschaft dieses Grundbedürfnis längst befriedigt und streben nach Höherem. Wir sind immer mehr das, was wir essen. Wir essen, um uns zu identifizieren, wir essen als Ausdruck unseres Lifestyles, wir essen, um zu genießen, uns etwas zu gönnen und uns zu belohnen, wir essen, um unsere Sinne zu verzaubern. Wir essen auch, um uns einer sozialen Gruppe zugehörig zu zeigen und Ansprüche zu positionieren. Auch das neue „Essen im Dunkeln“ ist mehr Selbsterfahrung als Nahrungsaufnahme. Ebenso ist BIO über das Thema Gesundheit hinausgewachsen und zur Philosophie geworden. Auch die Lebensmittel-Werbung verkauft uns emotionale Funktionalisierung überall und jeden Tag. Essen und Trinken werden als Teil der kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung zunehmend emotional funktionalisiert und prägen die Lebensmittel selbst, aber auch den Geschmack der Kunden und nicht zuletzt ihre Kaufentscheidungen.

EMOTIONALE ZUSATZNUTZEN
Functional Food und Mood Food sind Ausdruck dieses Paradigmenwechsels. Mood Food sind Lebensmittel und Getränke, mit denen gezielt Stimmungen und Emotionen erzeugt werden können, bzw. die in bestimmten Situationen konsumiert werden. Sie eröffnen eine zusätzliche Kategorie und klettern mit uns eine Stufe höher in der Maslowschen Bedürfnispyramide. Von Nahrungsmitteln wird zukünftig mehr erwartet als nur die Erfüllung der vier magischen Kriterien Preis, Geschmack, Gesundheit und Convenience. Sie müssen zudem einen emotional motivierten und rational begründeten Zusatznutzen stiften: Verbesserung des Aussehens, Reduzierung von Falten bzw. Anti-Aging, Verminderung von Stress, Steigerung der Konzentrationsfähigkeit usw. Es gibt zahlreiche durch Studien belegte Indikationen dafür, dass sich dieser Trend international weiter fortsetzen wird. Wir sprechen deshalb nicht von einer Marketing-Idee oder „altem Wein in neuen Schläuchen“, sondern vielmehr von der Evolution von Essen und Trinken.
WELLNESS UND LEISTUNGSFÄHRIGKEIT
Die individuelle Stimmungslage wird zukünftig maßgeblicher für die Nahrungsmittel-Auswahl, die Verzehrgewohnheiten und das Kaufverhalten. Die Marktforscher unterscheiden dabei drei Formen von Mood Food: 1. Emotional Eating, 2. Functional Mood Enhancers und 3. Cognitive Enhancement, auch als Brain Food bezeichnet. Aktuell stehen dabei der zunehmende Wunsch nach Wohlgefühl und das Bedürfnis nach mentaler Leistungsfähigkeit im Zentrum.
Mood Food ist damit die bedeutendste Kategorie von Functional Food. Obwohl hierzulande noch in den Kinderschuhen, wird sich Mood Food zum fundamentalen Volksbegehren entwickeln. Ursächlich hierfür ist neben steigendem Gesundheits-bewusstsein, zunehmendem Wissen und höheren Stressfaktoren auch das wachsende Bedürfnis nach Work-Lifetime-Balance sowie nach modernen umfassenden Konzepten, die keine Entweder-Oder-Entscheidung (beispielsweise gesund oder lecker) mehr vom Konsumenten verlangen, sondern eine Sowohl-Als-Auch-Lösung anbieten.
ZUNEHMENDE MARKTDURCHDRINGUNG
Belegbar ist die wachsende Durchdringung auch durch Zahlen. So wurden beispielsweise 2008 laut Mintel GNPD insgesamt 93 neue Relaxation-Drinks eingeführt, ein Jahr später waren es bereits 150 Drinks. Aber auch die wachsende Sortimentsbreite zeigt, dass sich die Kategorie Mood Food durch zunehmende Produkteinführungen manifestiert.
Bleibt die Frage offen, warum in Deutschland zurzeit vergleichsweise wenig Mood-Food-Innovationen hervorgebracht werden. Hierüber lässt sich nur spekulieren. Wir gehen von folgenden Hemmschwellen aus:
> Erschwerte gesetzliche Rahmenbedingungen (z.B. bei Health Claims)
> Mangelnde Risikobereitschaft
> Kaum Referenzen bzw. Best Practices
> Eigene, schlechte Test-Erfahrungen mit Functional Food
> Aufwand für Education Marketing
Mittelfristig wird kaum ein Nahrungsmittel-Unternehmen an dem Thema Mood Food vorbeikommen. Die Frage ist nur, wer macht den Markt und nutzt die Vorteile, und wer folgt vorsichtig in kleinen Schritten?
Rolf Buchholz ist Gründer und Geschäftsführer der Key Values GmbH. Das Hamburger Unternehmen hat sich auf Innovation und Business Development insbesondere im FMCG-Bereich spezialisiert. Deshalb ist Rolf Buchholz in allen prägenden Food und Non-Food Themen engagiert. Er ist darüber hinaus Dozent für Innovation Management an der Hamburg School of Business Administration (HSBA) sowie Mitherausgeber der FMCG Agenda, dem Innovations-Report für die Konsumgüter-Industrie und den Handel.
Diesen und weitere Artikel finden Sie im Trendbook 2012.
Das Trendbook 2012 ist ein kompaktes Nachschlagewerk über die Trendbegriffe der Zukunft. Eine kostenlose Preview erhalten Sie hier.
TrendONE und Augmented Reality im Weave
In der Januarausgabe des Webdesign-Magazins Weave findet sich der Artikel “Zwitter-City” über Augmented Reality im öffentlichen Raum von Timour Chafik. Er hinterfragt das Konzept der virtuell erweiterten Realität als zusätzliches Informationsangebot in Städten. Dabei kommt auch unser Kollege Sebastian Metzner zu Wort, der gerade die direkte Verbindung zwischen Raum und Information als großen Vorteil der Augmented Reality und des Outernets beschreibt. Die Information ist da, wo sie gebraucht wird und muss nicht mehr aktiv gesucht werden.
Auch weitere Experten, wie der Medientheoretiker Lev Manovich und der Filmemacher Keiichi Matsuda, erklären das Potential von Augmented Reality und entwerfen ein Zukunftsbild, in dem die Grenzen zwischen Realität und Virtualität verschwimmen.
Dem “Wahrnehmungsmodus” Augmented Reality wird von den Experten eine Leistungsfähigkeit bescheinigt, die ähnlich strukturverändernd sein könnte, wie das Internet.
E-Commerce im Outernet – Ein Buchbeitrag
Wie wird eine Marke im Internet erfolgreich? Was ist zu tun, damit Marke und Online-Kanal ebenso gestärkt werden wie der stationäre Handel, der die Markenprodukte verkauft? Und wie verwandelt das Outernet in Zukunft den Point of Sale zum Point of Experience? Antworten auf diese und weitere Fragen rund um den Online-Handel gibt das Buch „E-Commerce für Ihre Marke“, das die Shopmacher aus dem westfälischen Gescher jetzt veröffentlicht haben.
Gebündelte Online-Kompetenz – in klassische Offline-Form gebracht, das ist „E-Commerce für Ihre Marke“. Das rund 80 Seiten starke Buch vermittelt in 25 kurzen, leicht lesbaren Artikeln konkretes Wissen aus der Praxis. Ohne Fachchinesisch und – fast – ohne die Unsitte der um sich greifenden Anglizismen weiter zu befeuern.
In ihrem Wegweiser zum erfolgreichen Online-Handel lassen die Shopmacher erfahrene Experten wie zum Beispiel auch Nils Müller, CEO von TrendONE, zu Wort kommen. Sie plaudern aus ihren „Nähkästchen“ und transportieren nützliche Informationen zu allen für einen Online-Markenauftritt relevanten Themen. „Unser Ziel ist es, Unternehmen in diesem Buch praxisnahe Tipps zu geben und sie beim Einstieg in die komplexe Themenwelt des E-Commerce zu unterstützen“, erklärt Shopmacher-Geschäftsführer Marcus Diekmann. „Und natürlich wollen wir – als erwünschte Nebenwirkung sozusagen – damit auch unsere Kompetenz auf diesem Gebiet unter Beweis stellen.“
Neben eher visionären Ausblicken in die digitale Zukunft bietet das Buch sehr konkrete Erfahrungsberichte und Einschätzungen von Markenanbietern, die den Schritt in den E-Commerce bereits mit Erfolg vollzogen haben. Konzeptionelle Gedanken zum Multi Channel Handel und hilfreiche Informationen zu technischen Plattformen finden sich hier ebenso wie fundierte Überlegungen im Spannungsfeld zwischen Markenführung und Vertriebsförderung. Drei Beiträge widmen sich dem modernen Performance Marketing, und natürlich erfährt der Leser auch, welche Möglichkeiten das Online Payment heute bietet und welche Aspekte hierbei zu beachten sind. Fulfillment-Prozesse und Kundenpflege spielen ebenso eine wesentliche Rolle wie die rechtlichen Rahmenbedingungen, die sich – wen wundert´s – alles andere als einfach darstellen.
Wir freuen uns sehr, mit dem Gastbeitrag “Jedes Produkt ein Hyperlink” dabei zu sein und empfehlen Ihnen „E-Commerce für Ihre Marke“ (ISBN 978-3-00-032410-9), das für eine Schutzgebühr von 25 Euro hier erhältlich ist. Eine Leseprobe finden Sie hier.
Zukunftsmusik – Ein Gastbeitrag zum Thema Outernet in Forum
Unter dem Titel “Zukunftsmusik” haben Oliver Puhe und Torsten Rehder von TrendONE Hamburg einen Gastbeitrag zum Thema Outernet für das Magazin FORUM – Nachhaltiges Wirtschaften geschrieben.
Wenn Sie mehr zum Thema Outernet wissen wollen, lesen Sie unser Outernet Whitepaper. Im Travel Trendreport fasst Oliver Puhe regelmäßig für Sie alle Informationen zum Thema Future Travel für Sie zusammen.












