CES 2012 – Tag 4: Phygital Gaming, Roboter und das Ice-Cream-Sandwich

Sony VITA CES 2012

Der Begriff mag etwas merkwürdig klingen, tatsächlich ist Phygital Gaming allerdings eine interessante Sache, die in diesem Jahr bei der CES auch häufiger zu sehen war, zugegebenermaßen eher bei kleineren Ausstellern.

Gemeint sind damit Spiele, die zum Beispiel als App auf Tablets oder anderen Endgeräten gespielt werden und reale Objekte mit einbeziehen.

Erst kürzlich hat Disney seine neue Spielzeugreihe AppMATes vorgestellt, die aus kleinen Plastikautos mit speziellen Sensoren besteht und das iPad als Spielfläche nutzt. Der Spieler fährt dabei über die Oberfläche des Tablets und folgt den Anweisungen des Spiels, um Punkte zu erhalten und Rennen zu gewinnen. Über die Sensoren erkennt das Gerät die Bewegungen und fügt Dialoge entsprechend der genutzten Spielfigur ein. Die Applikationen werden als Gratisdownload erhältlich sein. Ein Doppelpack der Autos, die denen aus dem Disney-Film Cars 2 nachempfunden sind, soll etwa 20 US-Dollar kosten. Mehr Infos zu den AppMATes finden Sie im Trendexplorer.

Bereits länger auf dem Markt ist das Spiel “The Eye of Judgement” für die PlayStation 3. Dabei handelt es sich um ein Spielkarten-Game. Die Spieler erhalten neben einer DVD auch ein Spielbrett, eine Kamera und gewöhnliche Spielkarten mit einem 2D-Code. Nach dem Start des Spiels legen die Gamer die Karten auf das Brett. Die Kamera filmt die Codes und daraus erwachen virtuelle 3D-Figuren, die nicht nur virtuell miteinander interagieren, sondern auch auf die Handbewegungen der Spieler reagieren. Damit ist “The Eye of Judgement” das erste Spielkonsolen-Game, bei dem Augmented Reality zum Einsatz kommt. Mehr Infos zu Eye of Judgement finden Sie im Trendexplorer.

Ein ähnliches Spiel stellte das französische Unternehmen ePawn aus Paris bei der diesjährigen Consumer Electronics Show vor. Ein gewöhnliches, laut Hersteller, kostengünstiges LCD-Display wird mit einem mobilen Endgerät wie iPad oder iPhone verbunden und erkennt über eine selbstentwickelte, RFID-ähnliche Technologie reale Gegenstände, die auf dem Spielbrett positioniert werden und miteinander agieren.

Neben phygitalen Spielen wurde auch das Thema alternative Steuerung von Medien- und Spielanwendungen in diesem Jahr groß geschrieben. Von dem belgischen Unternehmen Softkinetic, dass bereits 2008, also vor Microsofts Kinect eine eigene Lösung für Ganzkörpererfassung vorstellte, über AikenLabs, die mit selbstprogrammierbaren Sensoren arbeiten um Games und andere Anwendungen individuell durch Bewegung zu steuern bis hin zum Eytracking der Firma Tobii und dem Brain Wave TV-Set von Haier und Neurosky war die Reihe der ausgestellten Innovationen groß.

Aber auch das „normale“ Gaming kam nicht zu kurz. Sony stellte mit Vita seine lang erwartete neue mobile Spielkonsole vor, die in Kürze in den USA auf den Markt kommen wird.

Mein Besuch der japanischen Roboter Tech Zone bei der CES 2012 war leider einen Tag zu spät. Gestern stellte nämlich der amerikanische Shooting-Star Justin Bieber den neuen Tosy Entertainment Roboter vor.

So war das (Roboter-)Highlight des heutigen Tages der intelligente Dinosaurier Roboter der Firma Innvo Labs aus Hongkong. Dieses künstlich intelligente Gerät reagiert auf Berührung und muss, ähnlich wie ein Tamagotchi, täglich betreut werden.

Es lernt mit der Zeit und erkennt Gesichter und Objekte auf die es dann entsprechend reagiert. Ein toller Roboter, der auf den ersten Blick lediglich ein Gadget darstellt, dessen Potential jedoch enorm ist.

Ein abschließender Spaziergang durch die großen Hallen der CES 2012  bestätigte einmal mehr: Die großen Themen der weltgrößten Messe für Unterhaltungselektronik waren Connectivity, Cloud, OLED und selbstverständlich 4G sowie Google’s vierte Anroid Generation, das Ice-Cream-Sandwich, mit dem Konnektivität über verschiedene Geräte eine neue Dimension erreicht.

Alle Fotos von der CES 2012 finden Sie auf Flickr.

Für Fragen rund um die diesjährige CES stehe ich Ihnen gerne per Mail unter hillinger@trendone.com zur Verfügung.

CES 2012 – Tag 3: OLED, Mobile (Augmented Reality) Apps und die Macht von YouTube

Keynote Robert Kyncl von YouTube bei der CES 2012

Die internationale CES 2012 in Las Vegas neigt sich langsam dem Ende zu. Am dritten Tag der Convention gab Robert Kyncl, Vice President Global Content Partnerships von YouTube, in seiner Keynote zum Thema „Entertainment Matters“ erstaunliche Zahlen zur globalen Webglotze preis. So rechnet der von Netflix zu YouTube gewechselte Kyncl damit, dass 2020 rund 75% aller neu aufkommenden Kanäle Web-Video-Channels sein werden. Dass YouTube nicht zuletzt durch seine Embedding-Funktion und die dadurch potentiell steigende Verbreitung der Inhalte groß geworden ist, ist kein Geheimnis.


Welche Rolle das Social Network Facebook hier spielt, zeigte Kyncl heute auf. Demnach werden pro Jahr rund 100.000 Jahre (!) YouTube-Videos allein auf Facebook gestreamt. Insgesamt streamt YouTube aktuell drei Mrd. Stunden an Videomaterial pro Monat.

Obwohl Onlinevideo-Konsum auf Smart-TVs noch in seinen Kinderschuhen besteht, gehen in naher Zukunft 90% des gesamten Online-Traffics auf das Konto von Videos. Bis 2015 rechnet YouTube mit 500 Millionen verkauften Smart-TVs wodurch sich auch der Kuchenanteil von Video im gesamten Web-Traffic bis dahin noch einmal erhöhen wird.

Kyncl bestätigte in seiner Keynote die schon am Dienstag genannte Zahl von 700.000 Android Devices, die täglich registriert werden und ergänzte die Tatsache, dass dies mehr Geräte sind, als Babies pro Tag geboren werden. Muss YouTube also bald auf einem neuen Planeten nach neuen Kunden suchen?

Im Anschluss an Kyncls datenreiche Keynote, folgte eine Diskussion mit den Betreibern der erfolgreichsten YouTube-Channels, zu denen unter anderem der Erfinder der TV-Serie CSI Anthony Zuiker zählt.

Die komplette Keynote können Sie sich hier als Video ansehen:

High-Noon am Donnerstag in Vegas. Die CES lud zum Mobile App Showdown ein. Über 100 Entwickler mobiler Applikationen aus aller Welt haben sich dafür online registriert.

Die zehn Besten hatten am Donnerstag die Chance vor dem CES Publikum in jeweils vier Minuten ihre Applikation vorzustellen. Neben Entertainment und Augmented Reality Apps fiel vor allem die erstaunlich hohe Anzahl an Health und Fitness Apps auf. Hier eine kurze Vorstellung einiger Kandidaten, über die wir auch schon als Micro-Trends berichtet haben:

Aurasma: Die Firma Autonomy hat mit “Aurasma” eine Applikation entwickelt, die unter anderem mittels Bilderkennung und Augmented Reality passende Videos zu einzelnen Bildern in Zeitungen oder auf Verpackungen präsentiert. Hierzu wird die Kamera des iPhones mit der Anwendung beispielsweise über ein Foto in einer Tageszeitung gehalten. Per Bilderkennung sucht die Applikation in Videos im Internet nach diesem Bild. Das gefundene Video wird dann automatisch auf dem Display innerhalb des Originalhintergrunds eingespielt. Mehr Infos zu Aurasma finden Sie im Trendexplorer.

Magisto: Der Sieger des Mobile App Showdown bei der CES 2012 ist ein Service des israelischen Unternehmens SightEra Technologies, der seinen Benutzern hilft, Videos automatisiert attraktiver zu gestalten. Die Software hinter dem Online-Dienst macht anhand von Bewegungen, Verhaltensanalysen und Kameraführungen des Videos die wichtigsten Momente aus, poliert diese und schneidet sie eigenständig neu zusammen. Rohmaterial von bis zu 600 Megabyte kann auf diese Weise verarbeitet werden. Viele Dateiformate werden dabei unterstützt, seien es Videos von Smartphones oder Digitalkameras. Nach der Wahl der richtigen Hintergrundmusik ist das perfekte Urlaubsvideo im Handumdrehen fertig. Mehr Infos zu Magisto finden Sie im Trendexplorer.

Mit Macaw entwickelten Qualcomm Labs und die U.S. Preventive Medicine Inc. einen mobilen Dienst, der das Smartphone in einen persönlichen Gesundheitsratgeber verwandelt.

Besitzer eines Autos der Marke Viper können mit der App Viper SmartStart nicht nur ihr Auto mit dem Handy starten und stoppen sondern dieses zudem lokalisieren, auf- und zuschließen und die Heizung an kalten Tagen vorab aktivieren. Die App lässt Autobesitzer ihre Fahrzeug auch per Augmented Reality auf einem großen Parkplatz wiederfinden.

Mein persönlicher Favorit, der allerdings leider nicht beim Showdown mit dabei war, ist „Dance don’t fall“ von Fraunhofer Portugal. Bereits am Dienstag lernte ich zufällig Prof. Dr. Dirk Elias von Fraunhofer AICOS in Porto kennen, und er erzählte mir mehr über die App für Senioren. Das Fraunhofer AICOS aus Portugal hat die Betaversion der App lanciert, die vor allem Menschen über 65 durch einfache Tanzübungen vor dem Hinfallen schützen soll. Algorithmen analysieren dafür die Daten, die während der Übungen über die Bewegungssensoren aufgenommen werden, und berechnen so das Risiko der jeweiligen Nutzer zu stürzen. Die Anwendung gibt außerdem Rückmeldungen zum Fortschritt von Genauigkeit, Timing und Stabilität. Außer über das Smartphone kann sie über Google TV abgespielt werden und erlaubt sogar den Wettkampf unter Freunden. Mehr Infos zu Magisto finden Sie im Trendexplorer.

Mit dem Ende der großen Keynotes und Sessions startete zugleich der eigentliche Convention-Besuch. Zu den großen Themen des heutigen Tages in den Haupthallen der CES 2012 zählen bestimmt die Themen 3D und OLED-Screens.

So stellt LG in diesem Jahr den aktuell weltgrößten OLED-Fernseher mit einer Bildschirmdiagonale von 55 Zoll vor. Zudem zeigt der Hersteller Geräte, auf denen zwei Personen ein Videospiel in 3D gegeneinander auf nur einem Screen spielen können.

Morgen steht ein detaillierter Streifzug durch die CES in Las Vegas bevor. Stay tuned for more!

Mehr Bilder vom heutigen Tag gibt es wie immer auf Flickr.

 

Trendscout des Monats – Claire Imbert

004Claire ist 21 Jahre alt und seit 15. Juli 2009 für TrendONE tätig.
Sie kommt aus Frankreich und hat gerade ihren Abschluss in Angewandter Sprachwissenschaft an den Universitäten in Limoges und Pau gemacht. Claire spricht französich, deutsch, englisch, chinesisch und portugiesisch.
Im November beginnt sie eine zweijährige Ausbildung an einer französischen Hochschule für Höheres Management.
Bei der Trendrecherche fokussiert sich Claire auf die Themen Gaming und Entertainment.