3 Trends, 3 Meinungen

Wir kennen die Trends, sie kennen ihre Branche. Deshalb haben wir drei Industry Insider um ihre Einschätzung zu unseren TRENDONE Trends 2018 gebeten.

Industry Insider?

Industry Insider sind Experten in ihren Branchen und ergänzen unsere Arbeit in Projekten mit tiefgreifendem Praxiswissen und visionärem Blick auf Ihre Branche. Sie beurteilen die Umsetzbarkeit und den Einfluss vielversprechender Trends. Sie befassen sich mit Disruptionen und langfristigen Veränderungen in allen Branchen – und legen übergreifende Trendphänomene für Ihren Geschäftsbereich aus.

Wen haben wir gefragt:

  • Eva-Sophie Wiesmüller, Insiderin für Financial Services zum Trend Modular Retail
  • Ann-Kristin Kassler, Insiderin für Retail und Color-Consulting zum Trend Mystic Movement
  • Karsten Bleymehl, Insider im Bereich Materials & Manufacturing zum Trend Circular Economy.

Also, let’s hear it.

 

TREND: MODULAR RETAIL

 

Zurück in die Retailfläche – nach dem Baukastenprinzip

Die Vorteile des stationären Handels, nämlich die sofortige Verfügbarkeit und das direkte Erleben von Produkten, sind offensichtlich. Neben dem prestigeträchtigen Flagship-Store in der bekanntesten Shoppingstraße der Stadt suchen immer mehr Marken nun auch andere Wege, ihre Produkte zu präsentieren und zu verkaufen.

Modular Retail, das steht für kreative und flexible Konzepte im richtigen Umfeld, für kurzfristige, aber intensive Markenerlebnisse neben den, auf Langfristigkeit ausgelegten Flagship-Stores. Insbesondere Handelsmarken, die in erster Linie mit Online-Shops operieren und auch kleinere Brands experimentieren mit Pop-up- und Shop-in-Shop-Konzepten oder mit Showrooms, die digitale Sortimente live erlebbar machen. Als innerstädtische Logistikknotenpunkte bilden sie auch die Grundlage für Click & Collect sowie für Verleih- und Mietkonzepte.

Der Trend vereint also viele Formate: Von der Inszenierung eines einzelnen Produktes, bis hin zum Aufbau eines verbundenen Retail-Netzes nach dem Baukastenprinzip; bestehend sowohl aus Filialen und Pop-Up-Konzepten als auch aus autonomen Self-Service-Kiosks. Für das Jahr 2018 erwarten wir kreative Konzepte, die das Thema befeuern und Unternehmen die Möglichkeit geben, eine modular kombinierte, erlebnisorientierte Produkt- und Servicepräsentation zu gestalten. (Weiterlesen)

 

INSIDER-MEINUNG

Stellen wir uns beispielsweise eine vernetzte Marktfiliale vor: Produkte aber auch Regalsysteme werden intelligent. Sie sind vermutlich mit einer RFID-Kennzeichnung versehen. Sie sprechen miteinander – und: sie sprechen mit dem Kunden. Zum Beispiel durch Nutzung von sogenannten Smart Shopping Trolley, Einkaufs-Apps oder Beacons. Die so gewonnenen Daten ermöglichen personalisiertes Marketing. Der Kunde wird zukünftig nur mit Angeboten konfrontiert werden, die auch seinem Kaufverhalten entsprechen.

Ich sehe auch kontaktlose, mobile Bezahlverfahren weiterhin auf dem Vormarsch. Kombiniert mit Rabatt- und Couponing-Lösungen sorgen sie für Convenience und Kundenbindung. Datengetriebene Geschäftsmodelle steuern also zukünftig verstärkt den Retail-Markt.

Diese Entwicklung stellt aber besondere Herausforderungen an die Unternehmens-IT. Schnelles Internet, eine harmonisierte Systemlandschaft, der Einsatz von Cloud Computing oder Data Analytics Services seien beispielsweise hier genannt.“

 

 

 TREND: MYSTIC MOVEMENT

 

Die Zuwendung zum Mystischen in Zeiten gefühlter Unsicherheit.

Ausgehend aus den USA schwappt eine neue Ästhetik nach Europa herüber, die auf den ersten Blick eine Sehnsucht nach Magie, Mystik und Spiritualität zum Vorschein bringt. Dahinter verbirgt sich allerdings das tiefe Bedürfnis der Menschen nach Orientierung.

Im neuen Mystic Movement bezeichnen sich Millennial-Frauen als „Witches“ und verstehen sich als Teil einer selbst-empowernden feministischen Bewegung. Parallel zu dem politischen Aspekt des Mystic Movement entsteht allerdings auch ein Gegenentwurf zu organisierten Religionen; eine neue kommerzielle Spiritualität – gewissermaßen die Hipsterisierung von Esoterik.

Die Zeichen dafür sind seit Längerem zu beobachten: Seit einigen Jahren ist das Hippie -Festival „Burning Man“ en vogue; das peruanische Transzendenz-Ritual mit der Liane Ayahuasca erfreut sich großer Beliebtheit, ebenso frisch gedruckte Tarotkarten, modern gefasste Kristalle und Catwalk-Mode, die wie sämtliche andere Konsumgüter in die Welt der Mystik eintaucht. Noch ist nicht abzusehen, ob dieser Trend den Zugang zu Spiritualität nachhaltig verändern wird, oder ob er lediglich als Lifestyle-Phänomen einzuordnen ist. (Weiterlesen.)

 

INSIDER-MEINUNG

„Das Mystische und Unbekannte war schon immer ein Trigger für Gesellschaften. Neu ist, dass es die digitale Komponente bekommt und über Horoskope und digitale Tarot-Karten kommerziell in den Alltag integriert wird. Es wird zukünftig immer normaler und zugänglicher und ähnlich wie der Yoga- und Meditationsgedanke ganz natürlich erscheinen.

Besonders gut konnte man diese Entwicklung auf den Catwalks in diesem Jahr sehen, wie Alexander Wang, Valentino und Alexander McQueen das Unbekannte über Symbole und Applikationen, aber auch farbseitig mystisch und düster genutzt haben. Die Kommerzialisierung von fast gotischen und mystischen Stilistiken geht hiermit einher. Schwarz und die sogenannten „Dark Jewels“, dunkle Farben mit sehr viel Sättigung, dominieren diesen Trend saisonunspezifisch. Transparenzen zu derben Stoffen bilden den Kontrast; Pailletten und Glitzerapplikationen spielen dabei eine feminine und verspielte Rolle.

Die andere Seite des Trends deckt aber auch den Wunsch ab, für bestimmte, selbst gewählte Moment aus der Realität zu entschwinden. In neue Welten zu tauchen und diese so gegensätzlich wie möglich, zum eigenen Alltag zu wählen.

 

 

TREND: CIRCULAR ECONOMY

 

Recycling wird zur Wertschöpfung – Zero Waste ist das Ziel

Die Circular Economy verfolgt das Ziel, Produkte nach Gebrauch nicht mehr zu Abfall werden zu lassen, sondern sie als Sekundär-Rohstoffe in den Produktionszyklus zurückzuführen. Das Schließen von Materialkreisläufen wirkt sich nicht nur positiv auf die Umwelt aus, vielmehr profitieren ressourcenintensive Industrien von der Wiederaufbereitung. Dazu entwickeln Unternehmen Technologien, Verfahren oder Prozesse, die Produkten ein ewiges Leben ermöglichen – ob Kleidung, Möbel oder Elektrogeräte.

Durch das neue Geschäftsmodell der „As-a-Service“-Anbieter, also der flexiblen Teilzeitmiete, bleiben Produkte, Werkzeuge oder Maschinen während des gesamten Lebenszyklus im Besitz der Hersteller. Verkauft werden Lösungen anstatt der physischen Produkte. Die Hersteller müssen sich demnach am Ende des Produktlebenszyklus um eine entsprechende Wiederverwertung kümmern. Den Wettbewerb der Lösungsanbieter dominiert somit künftig, wer schon beim Design eines Produktes das Recycling mit einpreist und den gesamten Kreislauf effizient und ressourcenschonend gestaltet. Auf der Konsumentenseite prägt sich die Circular Economy mit der Forderung nach Zero Waste Produkten vor allem bei Lebensmitteln aus. (Weiterlesen.)

 

INSIDER-MEINUNG

„Die Circular Economy funktioniert nur, wenn die Materialkreisläufe am Ende des Produktlebens tatsächlich geschlossen werden (circular materials). Aktuell werden die meisten Produkte jedoch aus Primärmaterialien statt aus Recyklaten hergestellt. Die Produkte sind als: „100% recycelbar“ oder „biologisch abbaubar“ gelabelt, doch werkstofflich recycelt  oder kompostiert werden die wenigsten.

Sinnvoll wäre es, Produkte von Anfang an aus Sekundärrohstoffen (recycelten Materialien) herzustellen. Das geht ganz einfach und spart, je nach Anwendung, bis zu 100% Ressource, 50% CO2-Emissionen und Wasser, sowie 70% Primär-Energie ein.

Ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche circulare Materialstrategie ist die Firma Pure Waste Textiles. Ihre Textilien bestehen aus 100% recycelter Baumwolle. So spart jedes T-Shirt nicht nur Baumwolle und Färbechemikalien sondern auch 2.700 Liter Wasser ein.

Die Firma Tesa stellt seit Jahren ihr ecoLogo® Sortiment aus Recyklaten her und Coca Cola „Life“ gab es in Deutschland aus der 100% Recycling PET-Mehrwegflasche! Es geht, wenn man es will.“