Podcasts – Strategien für das Medienformat der Stunde

„Die Audiowelten des Internets gewinnen im Moment erneut an Aufmerksamkeit. Von Podcast über Webradios bis hin zu Musik-Streamingdiensten: Das mediale Portfolio im digitalen Raum ist unüberhörbar akustischer geworden, kompatibel zur mobilen Alltagssituation seiner Nutzer.“ Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudie

 

Der gezielte, akustische Konsum von Inhalten ist zum neuen Use-Case geworden – und Podcasts sind in aller Munde. Vor allem bei der sehr jungen Zielgruppe. Inzwischen hören 27 Prozent der 14- bis 29-Jährigen zumindest gelegentlich Podcasts.

Aber Podcasts gab es doch schon mal! Vor ein paar Jahren. Dann verschwanden sie wieder in der gefühlten Versenkung. Aber sie sind wieder da. Und diesmal richtig. Wie kam’s?

Zum einen durch die zunehmend um sich greifende Screen Fatigue (siehe unten) und die gestiegene Mobilität, die immer längere Pendelzeiten zur Folge hat. Zum anderen durch ansprechende Inhalte wie „Serial“, der Erzählpodcast aus den USA. Ein völlig neues Erzählformat. In Deutschland boten sich Podcasts als Zweitverwertung für Radiosendungen an. So auch Sanft & Sorgfältig mit Jan Böhmermann und Olli Schulz, das mittlerweile als „Fest & Flauschig“ exklusiv auf Spotify zu hören ist.

Inzwischen ist die Podcast-Landschaft gehörig gewachsen. Talentierte Einzelpersonen, Promis mit Moderationserfahrung sowie Redakteure von Medienhäusern – Podcasts können quasi von jedem gelauncht werden. Klar ist: wie bei fast jedem Medienformat kommt es auf die Persönlichkeit und das Talent des Moderators an, ob ein Podcast erfolgreich ist.

Was können Podcasts?

  • Einordnen: Podcasts wie Die Lage der Nation, Der Aufwacher-Podcast oder auch The High Low besprechen aktuelle Themen aus Politik und Medien, ordnen sie ein und geben eine Meinung ab. Gerade gefragt in Zeiten des Media-Overloads und fehlender Orientierung im Nachrichtendschungel.
  • Themen Deep Dive: t3n beispielsweise haben durch ihren Podcast Filterblase einen zusätzlichen Kanal, um ihre Inhalte zu präsentieren und zu vertiefen (weitere Beispiele sind Brand Eins und OMR). Gerade das Erzähl- bzw. Gesprächsformat erlaubt eine ausgiebige Beschäftigung mit einzelnen Themen.
  • Hintergrundinformationen: Der Podcast Hörspielhaus bietet einen Blick hinter die Kulissen des Deutschen Schauspielhauses Hamburg – so könnten auch Unternehmen Insights aus unterschiedlichen Bereichen bieten. Produkte und Markenkommunikation sind das eine – aber Berichte aus dem Hintergrund, aus dem wirklichen Arbeitsalltag der Mitarbeiter geben spannende, subjektive Einblicke.
  • B2B Topics: Gerade um den Marketing- und Vertriebsbereich drehen sich viele B2B-Podcasts. So verbinden Kleinstunternehmer, aber auch etablierte Firmen die Weitergabe von Wissen mit effektivem Marketing.

Warum sollten Podcasts eingesetzt werden?

  • Diversifizierung für Medienmarken: Spiegel und Zeit haben es vorgemacht: sie haben unabhängige Podcasts gelauncht, die sich thematisch mit unterschiedlichen Dingen beschäftigen. Auch die Seite Mitvergnügen launcht unterschiedliche Podcast-Formate und macht so in der jungen Zielgruppe auf sich aufmerksam.
  • Low Entry Marketing: Podcasts sind ein relativ günstiges Marketing-Instrument. Für die Aufnahme wird lediglich ein gutes Mikrofon benötigt. Die Inhalte müssen außerdem nicht aufwändig aufbereitet werden – das gesprochene Wort kann nicht so strukturiert werden wie ein Text oder aufwändig produziert werden wie ein Video. Wichtiger sind Sprecher und die Themenwahl.
  • Klassische Werbeunterbrechungen: In der Podcast-Welt hat sich die von den Moderatoren eingesprochene Werbeunterbrechung etabliert. Dabei kreieren die Sprecher einen Aufhänger für den Sponsor und lesen dann einen vorgegebenen kurzen Text ab.
  • Gast in einem bestehenden Podcast: Viele Formate leben von den Interviews und laden sich meist einmal pro Woche oder auch unregelmäßig einen Gast zu einem Thema ein. Oft bringt auch der Gast das Thema mit, was besonders bei prominenteren oder branchenbekannten Podcast-Gästen der Fall ist.
  • Zweitverwertung von AudioInhalten: Radiosendungen oder andere Audi-Inhalte werden als Podcasts eingestellt und können von den Hörern so überregional jederzeit angehört werden. Auch für Veranstaltungen und Events werden Podcaster eingeladen und nehmen dort auf. Sind Podcaster die neuen YouTuber?

Dass das Thema Podcasts zur Zeit relevant ist, sieht man außerdem an der Innovationsdynamik:

Castbox: Suchfunktion für Audiodateien

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Analysen für Apples Podcastanwendung

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Pod: Transportables Studio für Podcastaufnahmen

 Remarks: Kommentar-App für Podcasts

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Auf welche Trends und Bedürfnisse zahlen Podcasts ein?         

Voice First

Technologien wie Alexa oder Siri zeigen, dass die Nutzungssituation des Sprechen und Hörens immer mehr an Bedeutung gewinnt und intuitiv ist. Die Hörsituation ist vertraut und baut im Gegensatz zum Screen eine gewisse Nähe auf.

Screen Fatigue

Wir starren ständig auf einen Bildschirm – während der Arbeit, um mit Freunden zu kommunizieren, beim Online-Video-Streaming. Zunehmend nutzen wir beim Fernsehen auch noch den Second Screen. In der Screen-Zeit können wir kaum etwas anderes tun. Podcasts auf der anderen Seite sind als Nebenbeimedium perfekt für Situationen, in denen man etwas anderes tut, das nicht so viel Aufmerksamkeit erfordert.

Mobility

Wir sind immer öfter immer länger unterwegs: fast 26 Prozent der Deutschen brauchen 30 Minuten oder länger für die einfache Wegstrecke zur Arbeit, jeder zwanzigste pendelt sogar eine Stunde oder länger. Podcasts und Hörbücher bieten sich während dieser Zeit an, vor allem wenn man mit dem eigenen Pkw zur Arbeit fährt.

Komplexitätsreduktion

In einer immer unübersichtlichen Medienlandschaft möchten viele eine Orientierung und Einordnung der Geschehnisse – wie in einem Gespräch mit gut informierten Freunden, auf deren Meinung man Wert legt.

Authentizität

Der Erfolg von Snapchat und Instagram Stories zeigt, dass das Bedürfnis nach unbearbeiteten, „echten“ Inhalten da ist. Obwohl viele Podcasts durchaus eine Struktur haben, ist das freie Sprechen ungestellter, authentischer und spontaner als Bilder oder Text.

 

Inhalte & Tipps für Einsteiger

News & Information: Nach dem Spiegel mit den Podcasts „Stimmenfang“, „Netzteil“, „Hörweite“ und dem „Debattenpodcast“ von Sascha Lobo ist jetzt auch die Zeit eingestiegen – mit gleich drei Formaten: „Frisch an die Arbeit“, „Was jetzt?“ und „Ist das normal“, die Rheinische Post ist schon länger mit ganzen fünf Formaten vertreten.

Blogger & Lifestyle: Immer mehr Blogger versuchen sich als Podcaster, ob Masha Sedwick, Tilo Jung, ThisisJaneWayne, DariaDaria oder Estée Lalonde.

Prominente: Joko Klaas ist mit Joko & Paul ganz neu dabei, Sarah Kuttner und Niels Ruf haben ebenfalls Moderationserfahrung und sind schon länger dabei.

Weitere Tipps für hörenswerte Podcasts gibt es auch noch hier und hier.

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