Orbital Insights – Satellitenbilder für bessere Business-Entscheidungen

Im Februar 2017 hat Indien mit einer einzigen Rakete eine Rekordzahl von 104 Satelliten erfolgreich ins Weltall gebracht und damit den russischen Rekord von 39 Satelliten gebrochen. Die vom südindischen Weltraumbahnhof Sriharikota gestartete Rakete PSLV (Polar Satellite Launch Vehicle) brachte allein 88 vom amerikanischen Startup Planet Labs stammende Satelliten ins All. Mit mittlerweile insgesamt 149 eigenen Satelliten im All stieg das Startup damit zum zahlenmäßig größten Betreiber auf und ist erstmalig in der Lage, die gesamte Landmasse der Erde einmal täglich aus dem All zu fotografieren. Es steht damit an der Spitze einer wachsenden Branche, die mittels hochauflösender Satellitenbilder genaueste Informationen über unseren Planeten aus dem Weltall sammeln möchte. Neben Planet Labs weitere wichtige Player in dem Feld sind aktuell DigitalGlobe, Urthecast und – namensgebend für die Entwicklung – das Unternehmen Orbital Insight.

Tipping Point: Kostengünstige Raketen- und Satellitentechnik

Betrugen die Kosten für die Entwicklung eines Satelliten bis vor kurzem noch zwei- bis dreistellige Millionenbeträge, bewirkte die Miniaturisierung von Bauteilen eine erhebliche Kostensenkung. Mikro- und Nanosatelliten haben heute ein Durchschnittsgewicht von weniger als zehn Kilogramm und verfügen über kleinste Systeme zur Positionssteuerung, Energieversorgung, Kommunikation und Kameratechnik. Die bildgebenden Verfahren haben ebenfalls an Präzision gewonnen. Die neueste Version des Beobachtungssatelliten „WorldView 4” des Unternehmens DigitalGlobe wurde entwickelt, um kleinste Objekte von einer Größe bis zu 30 Zentimeter aus ca. 600 Kilometer Höhe über der Erde aufzunehmen. Pro Tag kann der Satellit eine Fläche von 680.000 Quadratkilometer untersuchen, was etwa der doppelten Größe von Deutschland entspricht.

Einen Engpass stellen die Verfügbarkeiten von Trägerraketen dar, die die Kleinstsatelliten auf ihre Umlaufbahnen befördern – die Warteliste ist lang. Planet Labs erhielt für den Start der 88 Satelliten eine Ausnahmegenehmigung. Denn US-Unternehmen ist es eigentlich verboten, mit den stark vor internationalem Wettbewerb geschützten staatlichen indischen Raketen zu starten. Aussicht auf Besserung könnte durch die Entwicklungen der wiederverwendbaren Raketen „Falcon 9“ von SpaceX entstehen. Durch das Recycling-Prinzip ist es möglich, Raketen in deutlich höherer Frequenz ins All zu schicken. Bereits 2017 sollen sogar insgesamt 26 SpaceX-Raketen abheben. Mit dem Einsatz wiederverwendbarer Raketen will SpaceX die Startkosten pro Rakete auf fünf bis sieben Millionen US-Dollar reduzieren. Zurzeit betragen diese rund 50 Millionen US-Dollar.

Makroskopie: Eine neue Qualität von globalen Insights

Der Einsatz von hochauflösenden Satellitenbildern hilft Unternehmen Fragen zu stellen, die zuvor aufgrund fehlender Daten und Analysen sowie hoher Kosten nicht zu beantworten waren. Der Plattformbetreiber Uber möchte mit Hilfe von Satellitendaten identifizieren, wo weltweit die optimalen Haltepunkte liegen, um Fahrgäste aufzunehmen bzw. abzusetzen. Der Einzelhändler Walmart ermittelt mittels Satellitenbilder global die Auslastung der Parkplätze und kann Rückschlüsse über Kundenfrequenz zu jeder Tageszeit ziehen. Ein Planet Monitoring auf globaler Ebene ermöglicht den Unternehmen datenbasierte Entscheidungen zu treffen, die eine makroskopische Perspektive der Marktforschung einleiten. In Zukunft werden Forschungsfelder nicht nur detailreich mikroskopisch bearbeitet, sondern mit der Übersicht einer makroskopischen Perspektive ergänzt. Zusätzlich steht den Unternehmen mit Computer Vision, Künstlicher Intelligenz und Predictive Systems eine noch präzisere Entscheidungsgrundlage zur Verfügung.

Was wäre, wenn…

Die wesentliche Frage ist, welche Auswirkung der Trend Orbital Insights auf verschiedene Branchen hat. Der „Was wäre, wenn …“ Ansatz soll konkrete Denkanstöße liefern und mögliche Branchenveränderungen anfassbar darstellen.

Agrarwirtschaft

Was wäre, wenn …

  • geologische Geländestruktur per Satellit präzise kartiert und bei der gezielten Ausbringung des Saatgutes berücksichtigt würden?

  • Sonnenstunden oder Regenmengen auf den Quadratmeter genau berechnet würden und auf den Düngevorgang des Feldes Einfluss hätten?

  • das tagesaktuelle Wachstums des Pflanzenbestandes gemessen würde und Vorherhersagen über den optimalen Erntezeitraum ermöglicht?

  • Vergleiche des Vegetationsstandes auf regionalen oder sogar globalen Maßstab gezogen würden, die zur optimalen Preisfindung zwischen Erzeuger und Abnehmer beitragen?

 

Immobilien- und Bauwirtschaft

Was wäre, wenn …

  • bei der Standortwahl von Unternehmen eine Risikobewertung von potentiellen Gefahren wie Waldbrände oder Überschwemmungen möglich wäre?

  • weltweit alle Bauvorhaben nach Art oder Nutzung erkennbar würden und sämtliche Baufortschritte getrackt werden könnten?

  • die Menge an Laufkundschaft vor Innenstadtfilialen messbar würde und für die Berechnung der Mietpreise zum Einsatz käme?

  • Straßenschäden über Oberflächenanalysen frühzeitig identifiziert werden könnten und der Instandhaltungsbedarf transparent sichtbar würde?

 

Logistik

Was wäre, wenn …

  • auf Basis von Satellitenvideos die Bewegungen von Flotten und Lieferfahrzeugen präzise erhoben und zur Analyse von Bewegungsmustern herangezogen würde?

  • in Häfen die Aufkommen sowie Abfertigungszeiten von Schiffen messbar wären und zur besseren Synchronisierung von Wertschöpfungsketten beitragen?

  • gelagerte Ressourcen wie z.B. die Füllung von Öltanks oder die Mengen von Holz und Schüttgut identifiziert würden, damit Unternehmen jederzeit Vorräte beziffern können?

  • Globale Wasserreserven in Stauseen und Flutgebieten messbar wären, um eine optimale Versorgungssicherheit auch in Trockenperioden zu gewährleisten?

 

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