Das Spannungsfeld zwischen Performance Culture und Mindfulness

Performance Culture heißt Leistungssteigerung und Optimierung in allen Lebensbereichen von der Ausbildung über den Arbeitsalltag bis hin zur Ernährung. Eltern wollen bereits im jungen Alter die beste Förderung für ihre Kinder und überfordern sie dabei oft – folglich sind Titel wie „Burnout im Kinderzimmer“ keine Seltenheit mehr.

Rund um das Thema Selbstoptimierung hat sich in den letzten Jahren ein riesiger Markt gebildet und der Trend Performance Culture drückt sich in den unterschiedlichsten Signalen aus. Vom Streben nach körperlicher Verschönerung bis zur mentalen Leistungssteigerung lassen sich Angebote in Bereichen der Lebensmittel-, Pharma-, Kosmetik-, Tech-, und Unterhaltungsindustrie finden.

Neuro-Enhancement als Wachstumsmarkt

In der Nahrungsmittelindustrie werden nicht mehr nur Produkte zur körperlichen Leistungssteigerung angeboten, sondern vielmehr verhilft Performance Food mentale Spitzenleistungen abzurufen. Zu legalem Brain-Doping gehören Produkte wie das Energiepulver zum Schnupfen aus Kakao des US-amerikanischen Unternehmens Legal Lean. Die Kombination aus Kakao, Gingko, Taurin und Guarana verspricht die Vitalität und Konzentration der Konsumenten zu steigern.

Aber auch der Markt mit dem jahrhundertelangen bekannten Pusher Kaffee boomt und differenziert sich weiter. Der US-amerikanische Coffeeshop Einstein Bros bietet „Espresso Buzz Bagels“ an, die 32 Milligramm Koffein enthalten. Dies entspricht circa einer Drittel Tasse Kaffee. Mit Kaffeebutter zum Wachwerden verspricht sich auch das japanische Unternehmen Megmilk Snow Brand Erfolg.

(c) https://www.einsteinbros.com/boostedbagels

Leistungssteigernde Nahrungsmittel werden jedoch auch zunehmend durch Neuro-Enhancement Produkte wie Modafinil ergänzt. Auch das „Microdosing“ von illegalen Drogen wie z.B. LSD wird in der Arbeitswelt eingesetzt, um immer bessere Ergebnisse zu erzielen. Nicht von der Stange, sondern ganz individuelle Medikamente zur Leistungssteigerung bietet zudem das Unternehmen Modern AlkaMe an. Die Entwicklung zeigt, dass Neuro-Enhancements die Normen mentaler Leistungserbringung zukünftig verändern werden, so wie die Schönheitschirurgie in der Kosmetikindustrie vor Jahrzehnte neue Maßstäbe gesetzt hat.

Mindfulness als Gegenpol zur Performance Culture?

Als Antwort und Gegentrend zur Performance Culture tritt seit einigen Jahren Mindfulness gegen den Optimierungsstress an. Lebensstile wie Minimalismus oder Slow Living gelten als Varianten der Performance Culture zu entfliehen oder gar nicht erst, damit anzufangen. Geworben wird mit Entschleunigung und Rückbesinnung. In vielen Fällen dient die Entschleunigung jedoch letztendlich nur der effektiveren Regeneration und wird somit erneut zum Instrument der Leistungssteigerung. Ein Teufelskreis. Die Yogastunde nach einer 60-Stunden Woche oder der schnelle Mittagsschlaf als Inbegriff für Downshifting. Der neue Geschäftszweig für die Mindfulnessbewegung, von Life Coaches bis zu Slow-Living Reiseangeboten, boomt.

Aus dieser Perspektive unterscheiden sich beiden Phänomene kaum. Beide, Performance Culture und Mindfulness, versprechen Lösungen gegen unterschiedliche Arten von Mängel, einerseits der Mangel an Leistungsfähigkeit, andererseits der Mangel an Achtsamkeit, Ruhe, Entspannung. Beide Lösungsansätze haben sich zu einem profitablen und kreativen Markt entwickelt und alles deutet darauf hin, dass wir wohl auch zukünftig im Spannungsfeld zwischen Performance und Mindfulness interessante Entwicklungen beobachten können.