Millennial Parents – Wie sie unser Verständnis vom Elterndasein verändern

 

Millennials sind nicht mehr die Jugendlichen, die gebückt über dem Smartphone hängen – sie sind die aktuelle Elterngeneration. Und diese hat eine unverkrampftere Herangehensweise an das Thema Kinder und Familie als ihre Vorgänger. Als in Stein gemeißelte Grundsätze der Elternschaft werden in Frage gestellt und neu bewertet. Millennials sind mit digitalen Medien aufgewachsen und haben Zugang zu unterschiedlichsten Informationen, sie haben in jungen Jahren bereits mehr von der Welt gesehen als ihre Eltern überhaupt – diese Erfahrungen fließen natürlich auch in ihre Elternschaft ein. Hier sind fünf Facetten des Themas, die Millennial Parents anders machen.

1. Intuition und Pragmatik statt Dogmen und Konsum

Von der Babyartikel-Industrie fühlen sich viele (Noch nicht)-Eltern überfordert und gegängelt. Sie wollen sich bei der Ausstattung für den Nachwuchs wieder mehr auf ihre Intuition verlassen und nur das wirklich Nötige für ihr Baby kaufen. Sie stellen bisher als notwendig erachtete Produkte in Frage und stören sich sowohl an einer allzu naturalistischen, aber auch an einer übermäßig medizinischen Sichtweise des Kinderkriegens. Das fängt bei der Geburt an, die bei normalem Verlauf eher von Hebammen und Doulas auf menschlicher Ebene begleitet werden soll als von medizinischem Personal, und geht bei der Ausstattung für das Kind weiter. Schurwolle statt Hightech-Materialien, Tragetuch anstatt teurem Kinderwagen. Aber auch Pragmatik und gesunder Menschenverstand anstelle der Umsetzung von unreflektierten Erziehungsprinzipien wie Attachment Parenting.

2. Equality – Tschüss Male-Breadwinner-Model

Millennial Parents sehen sich nicht mehr an die klassische Rollenverteilung gebunden. Mütter wollen den Anschluss im Beruf nicht verlieren, Väter möchten mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Echte Zeit, nicht nur die Gute-Nacht-Geschichte vorlesen und nicht nur am Wochenende. Sondern beim Kinderarzt, im Krabbelkurs und auf dem Spielplatz. Sie wollen als gleichberechtigter Ansprechpartner in den Belangen ihrer Kinder fungieren und nicht mehr nur auf ihre Lebenspartnerin verweisen müssen. Millennial Mütter auf der anderen Seite erwarten dieses Engagement von ihrem Partner – sie sehen sich, wenn überhaupt, nur noch in der ersten Zeit mit Baby als Hauptversorgerin und wollen sich nicht in die Mütter-Höhle zurückziehen. Dass man nämlich von da nur schwer wieder rauskommt, haben die neuen Mütter an ihrer Vorgängergeneration gesehen. Eine doppelte Berufstätigkeit benötigt allerdings Dienstleistungen von außen, um das Familienleben gut zu gestalten. Ob Online-Shopping von Lebensmitteln, diverse Liefer- und Abonnementoptionen oder spezielle Services zur besseren Vereinbarung von Familie und Beruf. Die Verfügbarkeit von Betreuungsangeboten für Kinder gehört natürlich dazu – am Besten in der Nähe oder gleich direkt am Arbeitsplatz.

3. Elternsein als Lifestyle zelebrieren

Eine Familie zu gründen gilt in der westlichen Welt als Entscheidung und nicht als Schicksal. Das Großziehen von Kindern ist zum Lebensstil geworden und wird gerade in Städten wie New York oder Berlin zelebriert. Das Leben zu genießen und Kinder aufzuziehen stehen nicht mehr im Gegensatz zueinander. Millennials möchten sich nicht mehr Auszeiten von den Kindern nehmen müssen, um schöne Dinge zu erleben. Sie möchten reisen, Essen gehen und Kunst genießen – mit den Kindern. Und sie erwarten von den besuchten Orten eine entsprechende Ausstattung. Der Nachwuchs wird modisch angezogen, Wohnungen sollen nicht mehr so aussehen wie Kinderzimmer. Überhaupt befinden sich die Kinderzimmer nicht mehr zwangsläufig im Einfamilienhaus mit Garten, sondern in einer kleinen Wohnung oder einer Wohngemeinschaft in der Stadt – je nach Lebensstil. Auch Blogger und Instagrammer verstehen sich darauf, die schönen und ästhetischen Seiten der Elternschaft zu präsentieren – süße Babies, tolle Unternehmungen und Reisen – und damit auch zu idealisieren.

4. Keep it real mit Honest Parenting

Auf der anderen Seite wächst das Bedürfnis nach Ehrlichkeit und Offenheit in Bezug auf Kinder und das Familienleben. Die Black-Box, die (noch) Kinderlose zu Ahnungslosen und Eltern zu Insidern gemacht hat, wird immer weiter aufgelöst. Genauso wie in anderen Lebensbereichen, wird die Elternschaft von Millennials auf sozialen Plattformen geteilt. Nicht nur die schönsten, sondern auch die Momente der Verzweiflung werden thematisiert und damit normalisiert. Ob es um die Schwierigkeiten geht, überhaupt schwanger zu werden, Geburtstraumata, Wochenbettdepressionen oder den fordernden Alltag mit Kleinkindern – all das wird zunehmend ehrlich thematisiert, anstatt verklärt zu werden. Millennial Parents verstehen, dass sowohl die schönen, als auch die unschönen Teile der Elternschaft nur Phasen sind und können ihnen deswegen leichter entgegensehen.

5. Modern Families

Das Idealbild der traditionellen Familie wird auch von den Millennials gesucht und gelebt. Selbst oft als Scheidungskinder aufgewachsen, möchten sie ihren Kindern dieses Schicksal ersparen. Falls es doch zu Trennungen kommt, werden Patchworkverhältnisse behutsam und mit Rücksicht auf kindliche Bedürfnisse aufgebaut. Auch das bewusste Gründen nicht-traditioneller Familien wird immer normaler und akzeptierter. Freunde, die kein Liebespaar sind, bekommen Kinder oder zwei gleichgeschlechtliche Paare entschließen sich, gemeinsamen Nachwuchs großzuziehen und in einem Haus zu leben. Das Credo ist: solange das Kind geliebt wird und seine sorgsame Betreuung im Vordergrund steht, wird es ihm gutgehen.

 


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