Unsere Trends 2017 im Reality Check (Teil 1)

In der Trendforschung ist der beste Weg, die eigene Arbeit zu evaluieren, einen Blick zurück zu werfen. Wir blicken also zurück auf die erste Hälfte des Jahres 2017 – ein halbes Jahr, das gezeigt hat, dass die globale Innovationsmaschinerie gerade erst so richtig anläuft. Das Thema Innovation ist zum leitenden Paradigma der Wirtschaft geworden. Auch hierzulande rückt das Thema in den Fokus: in Universitäten, auf Konferenzen, in Vorstandszimmern.

In unserer Arbeit nutzen wir Trends als Werkzeug, um mit unseren Kunden erste Schritte in ihrem Innovationsprozess zu gehen. Trends entstehen aus unserer Sicht dann, wenn innovative cutting-edge Technologien, Geschäftsmodelle, Produkte, Kampagnen zu wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen führen. Jahr für Jahr definieren wir die aus unserer Sicht wichtigsten Entwicklungen. 2017 waren das: Conversational Commerce, Deliver Readiness, Mixed Reality, Blockchain Business, Retail Robots, 4D Printing, Purification, Space Colonization, Quantum Clouds.

Welche Thesen haben sich bewahrheitet, wo haben wir uns getäuscht? Welcher Trend hat sein volles Potential in diesem Jahr noch nicht erreicht? Let’s find out. Hier kommt der erste Teil des Reality Checks.

 

 

 

 

 

 

Im Wirkungsfeld Conversational Commerce ist das Stadium der spielerischen Auseinandersetzung erreicht. Über Lautsprecher mit integrierten Assistenzsystemen wie Amazon Alexa oder Google Home bestellen zwar die wenigsten Nutzer heute bereits Kleidung oder Lebensmittel. Viel lieber lassen sie sich allerdings von Alexa Witze erzählen, bringen Alexa zum Schimpfen oder lassen sich von ihr beim Einschlafen helfen. Mit den textbasierten Schwestern von Alexa und Co., den Chatbots, verhält es sich ähnlich. Viele Chatbots sind witzig – keine Frage – sie haben keck designte Persönlichkeiten, aufgrund ihrer simplen, regelbasierten Antworten hinkt die Sinnhaftigkeit aber (noch) hinterher. Dennoch: Es gibt viele vielversprechende Content-Experimente auf diesen neuen Plattformen, und auch das ein oder andere innovative Werbeformat hat es in den Alexa Skillstore geschafft. So wurde zur Filmpromo des US-Blockbusters Dunkirk ein interaktives Alexa-Audiospiel entwickelt, das die Nutzer mit klugem Storytelling in die Geschichte lockt. (zum Micro-Trend)

Was sagen die Zahlen? Laut einer eMarketer Studie hält Amazon Echo in den USA aktuell die Marktmehrheit (rund 70 Prozent), gefolgt von Google Home (24 Prozent). Für Deutschland stehen kaum Zahlen zur Verfügung, die Geräte sind auch erst seit wenigen Monaten hier regulär verfügbar, im Fall von Google Home sogar erst seit August 2017. (Quelle: eMarketer)

Hochspannend sind die Diskussionen im Tech-Space, die das Thema Conversational Commerce mit sich bringt. Das Marketing fragt sich: Muss ich jetzt Voice-SEO für meine Produkte machen? Muss ich schon bei der Benennung meiner Produkte/Services auf die Auffindbarkeit über ein Voice-Interface achten? Soll ich eigene Assistenten oder Chatbots bauen oder meine Funktion über proprietäre Systeme wie den Alexa Skillstore anbieten? In welcher Abteilung im Unternehmen ist diese Entwicklung anzusiedeln? Für das nächste Halbjahr erwarten wir jedenfalls noch mehr Contentangebote für Alexa und Google Home und eine erste große Nutzungswelle mit Dienstleistungen wie Essens- oder Taxibestellungen.

Fazit: Content & Service: ja. Commerce: naja.

PS: Testen Sie den Alexa Skill für unseren Trendexplorer und lassen Sie sich täglich mit Micro-Trends inspirieren.

 

 

 

 

 

 

Produkte des Onlinehandels müssen in Zukunft so designed werden, dass sie eine reibungslose Zustellung ermöglichen, so lautet die These, die wir Ende des vergangenen Jahres aufgestellt haben und zu der wir immer noch stehen. Tatsächlich konnten wir im Bereich der Last-Mile-Solutions kontinuierlich vielversprechende Innovationen beobachten. Die Kollegen im Hamburger TRENDONE-Hauptsitz haben bereits ihre erste Pizzalieferung vom Roboter in Empfang genommen.

Pizza rollling in!

In San Francisco wird Essenslieferung mit autonomen Lieferrobotern getestet. Auch Hermes weitet die Pilottests mit den rollenden Robotern von Starship Technology weiter aus. Nach Hamburg werden nun auch in London erste Erfahrungen gemacht. Gebremst wird diese Entwicklung aktuell nur von der Gesetzgebung.

Neben autonomen Lieferdiensten etablieren sich langsam auch Angebote für smarte Postkästchen bzw. sogar Paketstationen im eigenen Haus. Mypo, Mailhaven oder Cleveron sind nur drei Beispiele dieser neuen Generation an sicheren Poststationen, die per App geöffnet und geschlossen werden können. Pakete zu empfangen oder zurückzusenden geht damit einfach und ohne Umwege.

Dasselbe Ziel wollen Zalando und Parcify mit einer anderen Methode erreichen. Sie arbeiten zusammen daran, Pakete zu einem Wunschort des Kunden liefern zu lassen. Dies soll sicherstellen, dass der Empfänger auch angetroffen wird. Auch die Blockchain-Technologie wird von Walmart versuchsweise eingesetzt, um in Zukunft Drohnenlieferungen in einer manipulationssicheren IT-Infrastruktur zu verzeichnen und zu tracken.

Wir sind davon überzeugt, dass wir auch noch im nächsten halben Jahr und darüber hinaus zahlreiche Vorstoße – auch von großen Playern – auf dem Feld der Deliver Readiness sehen werden. Eine bedeutende Frage ist hier: Für welche Güter eignet sich welche Form der Last-Mile-Solution am besten? Zwischen Take Away, Pick Up, Pop Up & Delivery hat der Kampf um die Vormacht auf den letzten Metern zum Empfänger gerade erst begonnen.

Fazit: Last-Mile-Solutions: ja. Deliver-ready Produktdesign: naja.

 

 

 

 

 

 

Ach, Augmented Reality, we go a long way back. 2009 dachten wir schon, dass deine Zeit gekommen wäre, dem war nicht so. Wir waren nicht bereit, du auch nicht. Dann kam Pokémon Go. Da haben wir verstanden, was alles möglich ist, und gesehen, dass du auch Spaß machst. Gleichzeitig kam die Entwicklerbrille der Microsoft Hololens, die uns nicht nur den neuen Begriff der Mixed Reality beschert hat, sondern uns über das Gaming hinaus andere zukunftsträchtige Einsatzbereiche der Brillen zeigte. Fernwartung & Schulungen sind dabei ein großes Thema, genauso wie kollaborative Designprozesse. Mittlerweile sind wir überzeugt, dass Mixed Reality die sinnvollsten Anwendungen und Virtual Reality die intensivsten Erfahrungen hervorbringen wird.

Nachdem schon länger gemunkelt wird, dass das neue iPhone im November mit einem teil- bis totaltransparenten Display zum nächsten AR-Treiber wird, sorgte die Vorstellung des Apple ARKits im Juni 2017 bereits für eine kreative Mobile-AR-Anwendung nach der anderen. Zeitlich passend, denn ohne entsprechende Inhalte wird das erwartete AR-Gerät nicht reüssieren können. Mit dem ARKit können Entwickler theoretisch jeder bestehenden App einen AR-Layer hinzufügen. Was sehen wir also: Wir sehen nützliche Apps wie optische Maßbänder am Smartphone oder unterhaltsame Anwendungen wie das AR-Revival des kultigen Musikvideos von a-ha’s Popklassisker „Take on me“. Ein Game Changer wird hier noch die Ergänzung der Kombination GPS/Kompass durch leistungsstarke Computer Vision für die Location- und Richtungsbestimmung. Damit bekommt jede Augmented- und Mixed-Reality-Anwendung ein smartes Auge und ergänzt die Realitätsschicht mit virtuellen Objekten nur dort, wo sie keine wichtigen Informationen der Realität verdeckt. Wir sind super gespannt darauf!

Fazit: Apples-ARKit ist im B2C-Bereich der Game Changer im ersten Halbjahr. Da geht aber noch mehr.

Lesen Sie hier noch einmal alle Trends 2017 im Überblick und bald an dieser Stelle den Reality Check der anderen Themen.