Functional Fashion – die Technologisierung des Kleidungsstücks

Wearable Technology – im Alltag bisher bekannt als Accessoires wie der Fitnesstracker Fitbit oder die Apple Watch. Nun wandert die Technologie durch den Einsatz intelligenter Materialien und Textilien immer näher an unseren Körper und verspricht als Functional Fashion unseren Alltag zukünftig sicherer und erlebnisreicher zu machen.

Unterteilen lässt sich Functional Fashion in drei verschiedene Bereiche, deren Treiber grundlegende Bedürfnisse nach Sicherheit, Gesundheit und Ästhetik sind.

Für Sportenthusiasten

Einen ersten Ausgangspunkt bildet der Bereich des Profisports. Die Firma Athos entwickelt in Zusammenarbeit mit den Basketballstars der Golden State Warriors Sportkleidung mit Micro-EMG Sensoren, welche in die Kleidung eingewoben werden. Die Sensoren erfassen welche Muskeln arbeiten, messen den Herzschlag sowie die Atemfrequenz und senden die gesammelten Daten via Bluetooth an das verbundene Smartphone. Im Profi-Sport wird die smarte Sportbekleidung hauptsächlich zur Vorbeugung von Sportunfällen und Verletzungen eingesetzt. Die generierten Daten werden anschließend zur Optimierung von Trainingsplänen weiterverwendet.

Ein weiteres zukunftsträchtiges Beispiel zeigt das Projekt „bioLogic“ des MIT Media Labs. In Stoff eingebettete Bakterien reagieren auf Feuchtigkeit und Hitze. Sie verändern ihre Form und machen so den Stoff der Sportkleidung luftdurchlässig. Diese Innovation sorgt dafür, dass Schweiß leichter verdunsten kann.

Auch bei Freizeit-Sportlern steigt das Bedürfnis nach Ausrüstungen mit Profi-Standards, sodass Functional Fashion im Sportsektor der wichtigste Treiber des gesamten Phänomens ist.

Gesundheit zum Anziehen

Im Alltag ist vor allem in Bezug auf Gesundheit ein relevantes Thema. Die französische Technologiefirma Spinali entwickelt dafür das perfekte Sommer-Feature: Ein Bikini mit UV-Sensor. Verbunden mit dem Smartphone warnt der im Bikini eingenähte wasserfeste Sensor bei übermäßiger Sonneneinstrahlung seine Trägerin über eine App. Mit der Installation der App wird der Hauttyp der Trägerin festgelegt, um passgenaue Empfehlungen und Warnungen auszusprechen.

Eine weitere Innovation, die sich mit der Abwehr gesundheitsschädlicher Einflüsse beschäftigt, entwickelte das Start-up Wair aus Lyon. Um der Luftverschmutzung in Großstädten entgegenzuwirken bietet Wair einen Schal mit integriertem Feinstaubfilter an. Das im Schal integrierte Filtersystem ist mit einer App verbunden, die die Luftqualität überwacht und dokumentiert. Über Notifications wird der Schalträger per Smartphone informiert und alarmiert.

Schutz und Sicherheit sind auch grundlegende Werte für Eltern von Säuglingen und Kleinkindern. Diese Bedürfnisse griff die Firma Owlet aus den USA auf und entwickelte eine smarte Babysocke. Das Kleidungsstück misst konstant den Herzschlag, Atemrhythmus und das Sauerstofflevel des Babys und sendet die Informationen an das Smartphone der Eltern. Mit dieser tragbaren Technologie bietet Owlet Eltern die Möglichkeit, die Lebensfunktionen ihres Kindes permanent zu überwachen.

Tech Couture

Im dritten Wirkungsfeld der Functional Fashion ersetzt der Style-Aspekt die Funktion. Ästhetische Veränderungen durch neue Technologien versprechen Entertainment und Individualisierung. Die Studentin Kailu Guan von der New Yorker Designschule Parsons entwickelte einen Textildruck, der mit Augmented-Reality-Animationen ergänzt wird. Die dazugehörige App erkennt die unterschiedlichen Prints und zeigt zum jeweilig passenden Kleidungsstück Animationen auf dem Smartphone.

Von Stoffen mit Augmented Reality Erweiterung zu Textilien mit eingewobener Elektronik sind der Tech Couture keine Grenzen gesetzt. Das Prèt-a-porter Fashion-Technologie Unternehmen Elektrocouture entwarf Anfang 2017 #MarleneGlows. Dahinter steckt Marlene Dietrichs Traumkleid, das sie 1958 in einem Brief beschrieb: Ein leuchtendes Haute-Couture-Kleid mit verwobenen Osram LED-Leuchten.

Was die Zukunft bringt

Weiterhin verblüfft das Thema Functional Fashion bzw. Fashion Tech nicht nur mit seinen Möglichkeiten, sondern wirft auch kritische Fragen auf: Denn, was bedeutet Wearable Technology für die Umwelt? Sind leuchtende oder funktionale Kleider notwendig und wie verhält es sich mit der Entsorgung von elektronischen Kleidungsstücken?

Dem Einzelnen helfen Wearable Technologies dabei, das eigene Verhalten kurzfristig zu verändern und anzupassen. Die Zukunft intelligenter Mode liegt jedoch nicht nur darin, den Einzelnen zu tracken und dessen Verhalten und Umgebung zu beobachten, sondern vielmehr in der Analyse gesammelter Daten für die Branche und die Gesellschaft. Das Ziel ist, daraus zu lernen und Vorhersagen zu treffen, um gezielte und personalisierte Produkte und Services zu entwickeln. Diese Erkenntnisse gehen aus einer Marktanalyse zum Thema „Smart Clothing“ der Universität California Berkeley hervor.

Der Durchbruch technologisierter Kleidung steht uns noch bevor. Und doch ergeben sich bereits jetzt die nächsten spannenden Fragen: Wird uns unsere Kleidung zukünftig die Kommunikation erleichtern oder abnehmen? Wird Kleidung einhergehend mit der zunehmenden Verschmelzung des menschlichen Körpers mit dem Smartphone zum nächsten Interface? Mode könnte hierbei das Sprungbrett sein, welches tragbare Technologie und den menschlichen Körper verbindet. Im nächsten Schritt reagiert Kleidung vielleicht sogar auf unsere Emotionen und passt sich dementsprechend an.

Bis es jedoch soweit ist, wünschen wir uns erst einmal Socken, die sich selbstständig wieder zum Paar zusammenfinden.

 


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