Die Metamorphose des Autos – ein Ausblick in die verwandelte Mobilität

Fahrzeuge im Privatbesitz werden im Schnitt weniger als vier Prozent der Zeit genutzt und sind mit durchschnittlich eineinhalb Personen besetzt. Die Ineffizienzen sind enorm. Durch die Sharing Economy und intelligente Routenführung können Nutzungsgrad und Auslastung der Fahrzeuge um ein Vielfaches erhöht werden. Zudem fallen die Gebühren für das innerstädtische Parken weg. Eine Fahrt im Robotertaxi wird nicht nur die anteiligen Fahrtkosten eines privaten Autos unterbieten, sondern selbst die des öffentlichen Nahverkehrs.

Olli – der autonome Elektrominibus aus dem 3D-Drucker – hier geht’s zum Micro-Trend.

Das Erfreuliche ist, dass sich durch die fallenden Preise der Gesamtmarkt für Mobilität vergrößert, mehr Menschen mobil sein werden und sich mehr Luxus im Fahrzeug leisten können. Für die Fahrzeughersteller gilt es, die Zusatzdienstleistungen ins Visier zu nehmen und Innenraumkonzepte zu entwickeln, die sich auch durch eine Mobilitätsplattform hindurch vermarkten lassen.

Denn eins ist sicher, die Branche steht vor dem radikalsten Umbruch ihrer Geschichte und das Auto von morgen wird nur wenig mehr als vier Räder mit dem Auto von heute gemein haben. Höchste Zeit also, darüber nachzudenken, wie das Auto der Zukunft nach seiner Metamorphose aussieht und wie Menschen die gewonnene Zeit nutzen werden.

(c) New Deal Design: Autonomics

 

Kontextbasierte Innenarchitektur und Serviceorientierung

Vieles deutet daraufhin, dass unser „erstes Mal“ autonom fahren nicht in unserem eigenen Fahrzeug stattfinden wird. Nicht nur, dass die Technologie anfangs noch sehr teuer ist sondern auch die Risiken seitens der Hersteller sind bei von Mobilitätsdienstleistern gesteuerten Fahrzeugflotten wesentlich besser kalkulierbar. Ähnlich wie beim Fliegen hängt die Qualität des Reiserlebnisses dann allerdings in erster Linie vom Service der Airline und weniger von der PS-Zahl des Transportmittels ab.

Dadurch rücken die Zusatzleistungen in den Vordergrund. Es stellt sich zum Beispiel die Frage, ob sich mein Essen im Fahrzeug problemlos arrangieren lässt? Kann ich über die App bereits vor Fahrtantritt ein Menü zusammenstellen? Besitzt das Fahrzeug eine Art Lieferanteneingang für die Essenszustellung und gibt es Möglichkeiten Essensreste, sowie Besteck nach der Mahlzeit innerhalb des Fahrzeugs angemessen zu entsorgen bzw. verstauen? Denkt man diese Situation noch weiter, könnte das Fahrzeug Beschleunigung und Kurvengeschwindigkeit situationsgerecht an das Geschehen im Innenraum anpassen. Wichtig ist dabei, dass die Fahrassistenzsysteme aus der Rolle des Copiloten hinauswachsen und mehr und mehr zu einem sensitiven Chauffeur werden, der mit seinen vielen Augen nicht nur die Straße, sondern auch das Wohlbefinden der Passagiere permanent im Blick hat. Allerdings werden wir im Fahrzeug nicht nur essen.

Unsere These lautet: Wenn wir in Zukunft über unseren persönlichen Assistenten bequem per Zuruf ein Fahrzeug bestellen, wird dieser auf einen riesigen Pool individueller Fahrzeuge zurückgreifen und basierend auf unseren Aktivitäten und Vorlieben ausgewählte Vorschläge unterbreiten, wie wir uns während der zweistündigen Fahrt zum Zielort unsere Zeit vertreiben können. Neben mobilen Restaurants werden darunter auch Fahrzeuge als Officespaces, mit Fitnesszubehör, Yogamatte oder auch Schlafplätze zu finden sein.

 

Matchmaking Services: Wer fährt mit wem?

Mehr und mehr Streckenabschnitte und Verkehrswege werden in Zukunft nur noch für autonome Fahrzeuge befahrbar sein und ist der Risikofaktor Mensch endgültig abgelöst, wird auch die Anschnallpflicht verschwinden. Fragestellungen sind dann: Wie muss ein Fahrzeuginterieur aussehen damit mehrere einander unbekannte Personen darin beruhigt schlafen können? Und apropos: Was ist überhaupt mit den Mitfahrern? Hängt die Qualität des Flugerlebnisses nicht auch in hohem Maße davon ab, ob ich mich angeregt mit meinem Sitznachbarn unterhalte oder genervt versuche, dem Schnaufen und Schmatzen des Vordermanns zu entgehen? Ist es dann nicht auch für den Mobilitätsvermittler wichtig zu überlegen, mit wem er mich zusammen in ein Fahrzeug steckt?

Schon heute liegt ein bedeutender Wert von Vermittlungsplattformen wie Blablacar in der Community selbst. Nutzer verknüpfen ihr Facebook und LinkedIn-Profil, geben ihre Redseligkeit, Interessen und Musikgeschmack an. Dennoch hängt die Fahrtbuchung derzeit in erster Linie von Uhrzeit, Verfügbarkeit und innerstädtischer Route ab. Das Wachstum im Ride-Sharing-Markt wird sich allerdings durch autonome Autos rasant beschleunigen. Sogenannte Matchmaking-Services, welche anhand von Profil und Interessensgebieten automatisch Mitfahrer zuordnen, gewinnen dann an Bedeutung. Bisher kennt man diese Services überwiegend von Dating-Börsen. Aber auch in diesem Bereich könnten autonome Robotaxis neue Märkte erschließen.

Gegenwärtige Fahrzeuge der Luxusklasse überwachen mit Kamera und Copilotsystemen nicht nur das Geschehen auf der Straße sondern auch den Fahrer. Entwickelt man diesen Gedanken weiter könnten Fahrzeuge in der Zukunft auch das Geschehen im Innenraum überwachen und beispielsweise sexuelle Übergriffe vermeiden. Dabei ist wichtig, dass die erhobenen Daten anonymisiert werden und nach Abschluss der Fahrt wieder gelöscht werden. Gelingt Fahrzeugherstellern dieser Sprung, könnten die Autos durchaus auch zu mobilen und vertrauten Rückzugsorten für Dates und Bekanntschaften werden.

 

Wann ist es soweit?

Bevor es soweit ist, gilt es für die Technologie noch einige Herausforderungen zu bewältigen. Ausgestattet mit zahlreichen Radar-, Lidar- und Kamerasystemen sind moderne Fahrzeuge dem Menschen bei kognitiven Wahrnehmungsfertigkeiten allerdings schon heute deutlich überlegen. In der nächsten Phase werden selbstlernende Algorithmen Fahrzeugen die Fähigkeiten geben, die große Menge an Daten auszuwerten, Situationen richtig zu deuten und entsprechend zu reagieren.

 

(c) Nvidia. Ein neuronales Netzwerk für autonome Fahrzeuge – hier geht’s zum Micro-Trend.

 

Für 2018 sind die ersten Level 4 Autonomie-Systeme angekündigt. Ab den frühen 2020ern dürften dann auch die vollautonomen Systeme (SAE Level 5), bei denen Fahrer beruhigt ein Nickerchen am Steuer machen können, Einzug in die Oberklasse halten.

Die neuen Player aus dem Silicon Valley mischen unterdessen mit einem vollkommen neuen Mobilitätsverständnis die Branche ordentlich auf. Das Resultat ist ein Innovationsfeuerwerk, das Mobilität nicht nur sicherer und günstiger, sondern vor allen Dingen nachhaltiger macht. Entgegen einer Studie der Deutschen Bank, gehen wir also davon aus, dass sich selbstfahrende Autos deutlich vor 2040 durchsetzen werden. Der Wandel der Branche ist letztendlich ein humanitäres Interesse und vor allen Dingen für Autodeutschland eine gesellschaftliche Verantwortung.

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