Humanised Pets – Die Vermenschlichung des Tieres

 

Haustiere werden zunehmend mit Menschen auf eine Stufe gestellt. In den letzten Jahrzehnten haben sie als Lebensgefährten des Menschen an Bedeutung gewonnen. Dieses Phänomen ist in der Großstadt und anderen Gegenden mit Vereinzelungstendenz zu beobachten. Dort, wo familiäre und soziale Strukturen erodieren und Menschen vereinsamen, wird das Haustier zur wichtigsten „Bezugsperson“. Es nimmt den Platz einer nahestehenden Person oder des Nachwuchses ein, ob als Sinngeber für die eigene Existenz, als Mittel gegen Einsamkeit oder auch bloß als freudiger Empfänger von Streicheleinheiten. Praktisch auch, dass sich Instagram und Snapchat wahnsinnig gut mit putzigen Fotos des Fellträgers befeuern lassen. Siehe z.B. hier.

 

Ein „human grade“ Tierleben

Die Liebe zum Tier spiegelt sich auch immer stärker in Konsumentscheidungen wider. Laut der Soziologin Eva Illouz manifestieren sich ökonomische Strukturen immer stärker in menschlichen Paarbeziehungen; diese Feststellung lässt sich inzwischen auch auf die Tier-Besitzer-Beziehung übertragen. Schließlich investieren wir auch in das Tier, oder nicht? Genauer gesagt investieren wir sogar immer mehr in Tiere. Davon zeugen die seit Jahren stetig steigenden Ausgaben für Heimtierbedarf. (laut Statista)

 

Beef Jerky mit Bier für Besitzer und Tier

Der Haustier-Lifestyle steht dem eines anspruchsvollen Menschen um nichts mehr nach – das Beste vom Besten steht nun auch Clio, Pluto und Fipsi dem Kanarienvogel zu. Am deutlichsten beobachtet man diese Entwicklung bei Tiernahrung: Im Angebot stehen mittlerweile Futter, Snacks und andere Produkte für den Tierhalter und seinen Gefährten gleichermaßen, wie etwa Joyful Jerky der US-Firma The Honest Kitchen oder Popcorn für Hunde von Billy + Margot. Wenn sich der Mensch ein Feierabendbier gönnt, soll auch das Tier merken, dass dies ein besonderer Moment ist. Der Vierbeiner bekommt dann ein Bullet Beer ausgeschenkt – ein Bier speziell für Hunde, angeboten vom indischen Hersteller DoggyBox.

 

Kleidung, Accessoires und Möbel

Sofa „Pet“ von Zero First Design

Auch feiner Zwirn ist nicht mehr den Menschen vorbehalten. Das Modelabel Hund Hund aus Berlin verkauft Kleidung und Accessoires für Frauchen, Herrchen und Hund. Neuerdings lässt sich die zunehmende Symbiose zwischen Mensch und Tier auch anhand von modularen Möbeln beobachten, wie etwa dem Sofa „Pet“ von Zero First Design. Ein maximaler Komfort für Vierbeiner soll auch unterwegs garantiert sein, z.B. mit der Sonderausstattung im Kofferraum des neuen Nissan-Konzepts, das unlängst vorgestellt wurde.

Schon genug gehört? Wir haben noch mehr für Sie: Über Kunstausstellungen und Fitnessstudios für Hunde können Sie sich am Ende des Beitrags mit unseren Micro-Trends informieren.

 

Implikationen – Was ändert sich?

  • Etablierte Hersteller für Heimtierbedarf bekommen kräftig Konkurrenz von neuen Anbietern, die spezielle (Trend-)Nischen besetzen und unkonventionelle Produkte auf den Markt bringen.
  • An allen Service-Touchpoints, wo Menschen bedient und verwöhnt werden, steigen auch die Nachfrage und Anforderung an Tierservices. Sei es beim Tierarzt, im Restaurant oder an der Tankstelle – spezielles Futter, besonderes Wasser, und generell alles, was zum Wohlbefinden des Tieres beiträgt, kann von Dienstleistern angeboten werden, um Kunden zu erfreuen.
  • Weiterdenken: Wenn es all die oben genannten Beispiele heute bereits gibt, was kommt dann morgen? Weitere Möbel, Lebensmittel, vielleicht die Biokiste für Tiere, alternative Heilmethoden, Gesundheitsüberwachung für Tiere, Nahrungsergänzungsmittel für vegane Tiere, innovative Trainingsmethoden, neue Arten von Tierbegräbnissen? Der Markt für Humanimal-Produkte und Services wird dynamisch und eröffnet sowohl etablierten als auch neuen Anbietern mehr Spielraum und Möglichkeiten, durch Innovation zu wachsen.

 

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