Conversational Commerce – Neue Endgeräte treiben den Markt voran

(c) Amazon.com

Vor einigen Monaten stellten wir Entwicklungen vor, die nach unserer Einschätzung das Jahr 2017 prägen werden. Der Trend Conversational Commerce, d.h. intelligente Sprachassistenten und deren Einsatz zu Geschäftszwecken, hat in den letzten Wochen besonders auf sich aufmerksam gemacht. Grund genug für ein Update.

 

Erste Zahlen des First Movers: Amazon

Amazon hat als erstes Technologieunternehmen erkannt, dass die Sprachsteuerung von Smart-Home-Geräten großes Marktpotential hat. Neue Verkaufszahlen lassen die Konkurrenz aufhorchen. Bis Ende Januar 2017 verkaufte sich Amazon Echo allein in den USA rund 8,2 Millionen Mal. Prognosen von RBC Capital Markets gehen davon aus, dass der Online-Händler bis zum Jahr 2020 weitere 60 Millionen Endgeräte in den USA absetzen wird. Weltweit soll die Zahl der aktiven Nutzer bis 2020 auf 500 Millionen ansteigen. (1) Diese Aussichten wecken Begehrlichkeiten und lassen die Frage aufkommen, welche Pläne Technologiekonzerne wie Google, Microsoft, Apple oder Samsung verfolgen.

 

Google Home vor der Markteinführung in Deutschland

Ein ernstzunehmender Wettbewerber für Amazon im Bereich Voice Controller ist Google. Das Unternehmen hat angekündigt, Google Home im ersten Halbjahr 2017 in Deutschland auf den Markt zu bringen – mit 129 US-Dollar deutlich günstiger als die Konkurrenz aus dem Hause Amazon. Der größte Vorteil für den Konzern ist die Omnipräsenz seiner Suchmaschine und anderer Google-Dienste im Alltag des Nutzers. Dafür muss der Nutzer in Zukunft kein Endgerät mehr in die Hand nehmen. Ferner zeichnet sich hier eine Integration von neuartigen Werbeformaten ab. Dazu gehören beispielsweise die sogenannten „Voice Ads“, die gängigen Radiospots ähneln: Dabei wird Werbung nativ in die Antworten des Assistenten eingebunden, sodass der Eindruck einer persönlichen Empfehlung entsteht. Die größte Herausforderung für Werbetreibende stellt die Tatsache dar, dass Voice Controller ein einziges Suchergebnis als Antwort auf eine Frage ausgeben. Sprachoptimiertes Suchmaschinenmarketing wird zukünftig dafür sorgen, dass die Frage „Welches Geburtstagsgeschenk könnte meiner 22-jährigen Freundin gefallen?“ mit relevanten Produktplatzierungen versehen wird.

 

Microsoft will den PC zum Zentrum der Familie machen

Im Herbst 2017 plant Microsoft die Veröffentlichung von HomeHub. Das Software-Feature soll als sprachgesteuerte Zentrale den PC zum Mittelpunkt der gesamten Familie machen. HomeHub stellt dafür einen neuen „Welcome Screen“ für alle Windows-Geräte zur Verfügung. Damit können Termine verwaltet, Notizen hinterlassen und gemeinsam Einkaufslisten gepflegt werden. Die Steuerung des HomeHub erfolgt mittels Sprachsteuerung über den Assistenten Cortana. Ein großer Vorteil der Microsoft-Strategie ist, dass keine zusätzliche Hardware benötigt wird. Es unterstützt den Standard der Open Connectivity Foundation sowie das OpenT2T-Protokoll, mit deren Hilfe unter anderem Lampen, Thermostate oder Jalousien gesteuert werden können.

 

Arbeitet Amazon an einem Gerät mit integrierter Kamera?

Auf euphorischen Technikseiten sind Berichte zu lesen, wonach die Markteinführung des neuen Echo 2 bereits im zweiten Halbjahr 2017 zu erwarten ist. (2) Es wird spekuliert, dass im Echo 2 ein 7-Zoll-Touchdisplay integriert ist, welcher den Sprachassistenten um eine visuelle Benutzerschnittstelle erweitert. Damit ließe sich die Bedienung des Gerätes vereinfachen: Lebensmittel oder Kleidung könnten im Bestellvorgang angezeigt und zielsicher ausgewählt werden. Gerüchte, dass Amazon an einem Controller mit integrierter Kamera arbeitet, sind erstmals durch Leaks laut geworden. (3) Demnach soll Alexa per Objekt- und Gesichtserkennung zukünftig die Wohnung im Auge behalten können. Ob mit Touchdisplay oder Kamera, für die Nutzer wird die Verfügbarkeit von geeigneten Alexa-Skills – durch Einbindung von Drittanbietern – wichtig bleiben. Um Entwicklern einen Anreiz zu bieten, erhalten sie monatlich 100 Euro für alle Amazon-Web-Services gutgeschrieben. Damit soll das Ökosystem schneller wachsen und Voice Services für viele Anwendungsfälle bereitstellen.

 

Facebook, Apple und Samsung sollten nicht unterschätzt werden

Weniger konkrete Innovationsvorhaben gehen bislang von Facebook, Apple und Samsung aus. Bislang hält sich Facebook in Sachen Voice Control bedeckt. Die Entwicklung des Messenger M in Richtung eines Assistenten kommt nur bedingt durch Chatbots voran. Die Priorität von Facebook liegt zurzeit wohl eher auf Virtual Reality. Gänzlich offen erscheint in diesem Kontext das zukünftige Engagement von Apple. Eine Option besteht darin, Apple TV als Smart-Home-Zentrale zu positionieren. Auch Samsungs Aktivitäten werden von der Fachpresse aufmerksam verfolgt. Nach der Akquisition von Viv Labs stellte das koreanische Unternehmen Mitte März seinen neuen intelligenten Assistenten Bixby vor. Dieser soll zuerst in das neue Smartphone Galaxy S8 integriert werden – eine Entwicklung, die Google vermutlich nicht gutheißen wird. Insgesamt sorgt die schnelle iterative Verbesserung der Spracherkennungstechnologie dafür, dass Nachzügler keine einfache Stellung am Markt haben werden. Dennoch sollten wir sie nicht unterschätzen.

 

Die vollständige Ausarbeitung zu unseren Trends 2017 können Sie hier nachlesen.

 

 

Quellen:
1 http://www.cnbc.com/2017/03/10/amazon-alexa-voice-assistan-could-be-a-10-billion-mega-hit-by-2020-research.html
2 https://www.homeandsmart.de/amazon-echo-2-jetzt-auch-mit-7-zoll-display-in-q1-2017
3 https://www.cnet.com/news/leaked-image-suggests-amazon-may-be-making-an-alexa-camera/