Mission-Based Business – Ethisch konsumieren statt spenden

 

Soziale und Öko-Entrepreneure verfolgen eine Mission: Sie möchten mit ihren Produkten und Services soziale und ökologische Probleme mit innovativen Lösungen entschärfen oder lösen. Anders als bei der klassischen Corporate Social Responsibility (CSR) besteht der Geschäftszweck bei den Mission-Based Services darin, ein bestimmtes gesellschaftliches Problem zu adressieren und die gesamte Geschäftsentwicklung an dem Lösungsansatz auszurichten. Wo andere Unternehmen spenden, sponsorn oder Teilprozesse ihrer Wertschöpfungskette ethisch ausrichten, ist beim Mission-Based Business die gesellschaftliche Verantwortung substantiell für das Geschäftsmodell: Product follows Mission. Moment, kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor? Natürlich – das wohl bekannteste Beispiel aus Deutschland ist das Viva con Agua Mineralwasser. Auch das One-for-One-Modell der Freizeitschuhe TOMS ist seit Längerem populär. Doch in jüngster Zeit ist ein wahrer Boom von solchen Mission-Based Services zu beobachten.

Produkt, Produktion, Gewinnverwendung

Eine dieser Missionen besteht darin, die gigantische Menge an weggeworfenen Lebensmitteln zu reduzieren. Einwandfreies Obst und Gemüse, das nur nicht unseren etablierten ästhetischen Normen entspricht, wird gerettet und zu Suppen, Smoothies oder Chips weiterverarbeitet. Das Berliner Start-Up Dörrwerk macht es vor: Mit „Fruchtpapier“ bietet es einen gesunden Snack an, der zu hundert Prozent aus Früchten besteht, die nicht im Einzelhandel verkauft werden konnten. Das Start-up kauft dafür bei Landwirten oder Zwischenhändlern ausrangiertes Obst ein, das sonst im Abfall enden würde.

Darüber hinaus sorgt eine gezielte Personalstrategie dafür, benachteiligte oder armutsgefährdete Menschen, beispielsweise solche mit einer Behinderung, alleinerziehende Mütter oder Geflüchtete, gerecht zu entlohnen. Das Unternehmen „Honest Pet Products“, welches Spielzeuge und Pflegeprodukte für Tiere anbietet, stellt seine Produkte nicht nur aus umweltfreundlichen Materialien her, sondern unterstützt darüber hinaus in Armut lebende Familien. Die Produktion wird auf Neufundland und in den USA von Personen mit kognitiven Behinderungen übernommen. Einige Wollspielzeuge für Katzen werden von Frauen der Nomadenstämme in der Mongolei produziert, wobei die dortigen traditionellen Herstellungsmethoden zum Einsatz kommen.

Als dritten Schritt werden etwaige Gewinne gemeinnützigen lokalen Initiativen zugeführt: Die Jackfruit Company etwa hat ein nährstoffreiches Fleischersatzprodukt auf Basis der Jackfrucht hergestellt. Mit den Erlösen aus dem Verkauf unterstützt das Unternehmen das Projekt „Global Village Fruit“, das örtliche Gemeinden und die ansässigen Erzeuger gerecht entlohnt und gemeinnützige und nachhaltige Projekte auf lokaler Ebene fördert.

Treiber: Zero Waste & Ethical Consumption

Diese nachhaltigen Produkte werden von vielen Konsumenten geschätzt, weil sie zunehmend darauf achten, durch Konsumentscheidungen, bestimmte Werte und Ziele zu unterstützen. Die Konsumenten sind sich ihrer Macht und ihres Einflusses durchaus bewusst. Sie wissen, ihr Kaufverhalten hat Auswirkungen auf Produkte, Produktionsprozesse sowie auf die Umwelt- und Arbeitsbedingungen. Ein untrügliches Anzeichen dafür ist die Entwicklung hin zu „Zero Waste“ und ethischem Konsum. So treffen im Mission-Based Business verantwortungsvolle Entrepreneure und Konsumenten zusammen, die ihre Energie und Kaufkraft zum Wohle der Gesellschaft und der Umwelt aufwenden.

Paradigmenwechsel: MBB statt Non-Profit?

Führt diese Entwicklung letztlich dazu, dass Fundraising als Modell ausgedient hat? Werden sich Non-Profit-Unternehmen überlegen müssen, wie sie ihre Mission in ein konsumierbares Gut überführen können? Einige Zahlen bestätigen den Paradigmenwechsel: Aus der 2015 Cone Communications Millennial CSR Study (1) geht hervor, dass neun von zehn befragten US-Millennials bereit sind, eine Produkt- oder Servicemarke für eine Marke zu wechseln, die eine spezielles Anliegen unterstützt. Vor allem weibliche Befragte nehmen ihre Konsumentscheidungen besonders ernst: 86 Prozent suchen so oft wie möglich aktiv nach sozial oder ökologisch vertretbaren Produkten. (Bei männlichen Millennials: 76 Prozent). Ebenfalls interessant ist die hohe Zahlungsbereitschaft für Produkte von sozial engagierten Unternehmen.

Statistik: Wie viel sind Sie bereit für ein Produkt eines sozial engagierten Unternehmens zu zahlen, wenn das gleiche Produkt bei einem rein profitorientierten Unternehmen 50 Euro kostet? | Statista

Es scheint also, als würden Konsumenten zunehmend Anliegen, die ihnen am Herzen liegen, mittels einer persönlichen Konsumentscheidung statt mit monetärer Zuwendung unterstützen.

 

1) http://www.conecomm.com/2015-cone-communications-millennial-csr-study-pdf