Von Mothership Mobility zu Retro-Transportation – Aktuelle Trends aus der Mobilitätsbranche

Es gibt kaum Zukunftsvisionen, die so groß und weitreichend sind wie jene, die aus dem Bereich Mobilität kommen. Faszinierende Konzepte und Projekte zur interstädtischen Mobilität (Projekt Hyperloop) bis hin zur interstellaren Mobilität (Projekt SpaceX) werden die nächste Dekade prägen. Globale Dauerthemen wie die Elektromobilität und selbstfahrende Fahrzeuge nehmen in Deutschland aber nur langsam an Fahrt auf. Deshalb sehen wir weiter: Was passiert aktuell? Was verändert sich? Und was bleibt bestehen?

Mothership Mobility – mobile dezentrale Lagertechnologien

Ein Patent von Amazon hat in den letzten Tagen des vergangenen Jahres für Furore gesorgt. Es umfasst ein Konzept zur Warenlieferung, das ein über der Erde schwebendes Warenlager sowie Lieferdrohnen vorsieht, die wie fleißige Bienen Waren von der Basisstation zu den Empfängern liefern. Unvorstellbar? Mercedes-Benz hat in Kooperation mit dem Start-up Starship Technologies bereits eine bodenbasierte Version von Mothership Mobility vorgestellt: Dabei wird ein Sprinter mit acht autonomen Lieferrobotern auf Rädern ausgestattet. Er fährt einen zentralen Standort an, von dem aus die Roboter die verbleibende Strecke von max. drei Kilometern autonom zurücklegen, sodass der Transporter den innerstädtischen Verkehr umgeht. Auch Media Markt hat im letzten Jahr ein Pilotprojekt mit den Robotern von Starship Technologies gestartet. Das Phänomen inspiriert viele und lässt aktuell kreative Lösungen entstehen, die den Wettbewerb um die Verkürzung von Lieferzeiten anheizen.

Collaborative Efforts – vernetzte Mobilität erfordert vernetzte Mobilitätsanbieter

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Ein wichtiger Grundpfeiler der Smart City ist die drahtlose Vernetzung aller Verkehrsteilnehmer, sowohl untereinander als auch mit der Infrastruktur. Das erfordert eine Kollaboration aller Anbieter. In einem Netzwerk aus Verkehrsinformationen, das für die Teilnehmer Sicherheit garantieren soll, können Kollaborationsverweigerer zu einem echten Risiko werden. Die Automobilhersteller Audi, BMW und Mercedes-Benz haben im September 2016 eine Kooperation vereinbart, die vorsieht, dass Neufahrzeuge in Zukunft Verkehrsdaten über einen gemeinsamen Kartendienst miteinander teilen. Die Fahrzeuge können sich künftig gegenseitig darüber informieren, wo es freie Parkplätze gibt, wo es Baustellen zu umfahren gilt, oder wo der Verkehr zäh fließt. Auch der Zusammenschluss der Automobilhersteller bezüglich des gemeinschaftlichen Ausbaus eines Schnellladenetzes für E-Autos zeugt davon, dass sowohl die Notwendigkeit als auch der Wille zur Kollaboration besteht.

Retro-Transportation – Die Antithese zum Städtetrip-Jetset

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Die Retro-Sehnsucht und das Bedürfnis zum Downshifting sind sehr deutlich auf dem Caravaning-Markt zu beobachten. Die Zahl der verkauften Slow-Travel-Vehikel hat in den letzten Jahren nicht nur stetig zugenommen. Daraus ist vielmehr ein Lifestyle-Trend entstanden, und zwar nicht für Rentner, sondern für die 20 bis 35-jährigen Millennials, die als moderne Nomaden die Welt bereisen bzw. auf Reisen leben. Sie nennen sich „Van Lifer“ und teilen gemeinsam das Lebensgefühl, mobil und freier zu sein. Im sozialen Foto-Netzwerk Instagram verbinden sie sich, um sich über lohnenswerte Reiseziele auszutauschen und sich mit Bildern von ihren individualisierten Wohnmobilen gegenseitig zu übertreffen. Eine Neuauflage der 1970er?

Unterwegs produktiv – Das Ende der toten Zeit

Unsere These lautet: Sobald autonomes Fahren zu unserer Lebenswirklichkeit gehört, haben wir es nicht mehr so eilig, von A nach B zu kommen. Unser Auto – wie das Wohnzimmer nach unserem Geschmack eingerichtet –, wird zur Lounge. Dort tun wir ähnliche Dinge wie zu Hause, im Café oder am Arbeitsplatz: Fernsehen, arbeiten, im Internet surfen, telefonieren oder uns entspannen. Erste Angebote, die das Ende der totgeschlagenen Zeit ankündigen sehen wir bereits heute. Das Start-up Leap Transit will den öffentlichen Verkehr revolutionieren, indem sie auf ihrer Buslinie Pendlern Schreibtische zum Arbeiten samt WLAN und Snacks zur Verfügung stellt. Auch Airbus hat vor kurzem das Konzept „Transpose“ vorgestellt, das Fitnessstudios, Cafés und Schlafplätze als wechselbare Module im Flugzeug vorsieht. Während also die „Van Lifer“ Wege suchen, um die Hektik aus der Reisezeit zu nehmen, entsteht bei anderen Menschen das Bedürfnis, jede Minute ihrer Lebenszeit, sinnvoll und effektiv zu nutzen.