Levitation – Der Schwebezustand als neues Designelement

Lautsprecher mit Schwebeeffekt von LG

Lautsprecher „PJ9″mit Schwebeeffekt von LG

Frei im Raum, leicht, ja fast schwerelos schwebt der neue Bluetooth-Lautsprecher „PJ9“ von LG ohne Kabelverbindung in der Luft. Der koreanische Hersteller greift für sein 360-Grad-Soundsystem das physikalische Prinzip der Levitation auf und setzt es als Designelement ein. Auf der diesjährigen Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas wurde das Gerät offiziell vorgestellt. Die Besucher wurden dabei vermutlich an das legendäre Hoverboard aus dem Film „Zurück in die Zukunft II“ erinnert.

Wie funktioniert das?

In einem künstlich erzeugten Magnetfeld, das der Schwerkraft mit einer Gegenkraft begegnet, schwebt die Surroundsound-Box kontaktlos in zwei Zentimeter Höhe über der Basisstation. Darin ist die gesamte Verbindungstechnologie verbaut. Ein Akku im Lautsprecher sorgt für einen Betrieb von zehn Stunden. Ist die Ladung verbraucht, landet der Speaker weich auf der Basisstation.

Levitation wird mit Leichtigkeit und Zauberhaftigkeit assoziiert. Es entsteht der Eindruck, dass die Schwerkraft überwunden wird und Gegenstände fliegen können. Visionen von fliegenden Autos aus dem Zeitalter des Hyperfuturismus werden wiedererweckt. Fraglich ist jedoch, ob die neue Produkteigenschaft vom Nutzer angenommen werden wird.

Erste Projekte scheiterten, jetzt kommen die großen Player

Bereits im Jahr 2014 startete das Start-Up Om Audio den Versuch, einen schwebenden Lautsprecher zu entwickeln. Der kugelförmige Speaker drehte sich schwebend um die eigene Achse, was für eine bessere Raumakustik sorgen sollte. Nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Phase wurde die Entwicklung jedoch eingestellt, da das Produkt die Kundenerwartungen nicht erfüllen konnte.

Mit LG bringt zum ersten Mal ein Schwergewicht aus der Unterhaltungselektronik ein massenmarktfähiges Produkt in die Läden, welches das Prinzip der Levitation einsetzt. Was uns bislang nur in Form von Produktnamen – wie etwa MacBook Air von Apple – begegnete, hat sich nun zur Produkteigenschaft entwickelt. Der futuristische Schwebeeffekt inszeniert gewöhnliche Alltagsgegenstände neu – seien es Blumentöpfe, Lampen, Cocktailgläser oder andere Produkte.

 

Der schwebende Blumentopf "Lyfe"

 

Ein visuelles Merkmal des virtuellen Raumes hält Einzug in die Realität

In virtuellen Welten, vor allem in der Mixed Reality, ist das Konzept, Informationen und digitale Objekte schwebend darzustellen, üblich und notwendig. Doch langsam scheint diese visuelle Ästhetik auch in die Realität überzuschwappen. Der deutsche Automobilhersteller BMW etwa hat das freischwebende Bedienkonzept „HoloActive Touch“ entwickelt. Die Benutzeroberfläche wird hierbei in Form einer Fläche mit Bedienelementen rechts vom Fahrer projiziert. Mithilfe einer Kamera werden die Finger- und Handbewegungen des Autofahrers analysiert, und die Eingabe am virtuellen Touchscreen erfolgt.

BMW HoloActive Touch (c) www.press.bmwgroup.com

Ebenso haben britische Forscher den Handschuh „GauntLev“ entwickelt, der durch akustische Levitation kleinere Objekte in der Luft schweben lässt. Die Technologie beruht auf Schallwellen, die durch Reflexion eine Stehwelle erzeugen. So wird es möglich – mit bislang unerreichter Präzision – kleine Gegenstände in der Luft zu bewegen und rotieren zu lassen.

Warten auf den Mehrwert

Die Gadgets und Konsumgüter der ersten Generation, die mit dem Levitationseffekt arbeiten, sind sowohl Ideen- als auch Impulsgeber. Sie dienen als Katalysator für einen wirklichen Mehrwert. Erst die zweite Generation an Produkten wird über Funktionalitäten verfügen, die neue Anwendungen im Bereich Gesundheit oder Mobilität ermöglichen werden. Können mithilfe des Schwebeeffekts Medikamente nichtinvasiv durch den Körper geführt und platziert werden? Oder können auf Basis der Supraleiter schwebende Fortbewegungsmittel konzipiert werden, die sich beinahe widerstandlos bewegen? Wir sind sehr gespannt, wie sich die Technologie auf dem Hype-Cycle entwickelt.