„Wir sind in einer Zeit der exponentiellen Verdichtung“ – im Gespräch mit TRENDONE-CEO Nils Müller

Evolution of Intelligence- TRENDONE

Mit dem Poster “The Evolution of Intelligence” schauen wir bis ins Jahr 2070 und sehen am Ende unserer Zukunftsprojektion eine neue Spezies – eine künstliche Superintelligenz, die dem Menschen in vielen Gebieten überlegen sein könnte.

In unserer weltweit ausgerichteten Trendforschung sehen wir tagtäglich, dass die für diese Entwicklung entscheidenden Technologien, wie z.B. Quantum Computing, Genome Editing oder Neural Networks, exponentiell und in einer immer höheren Dichte voranschreiten. Die Idee zu dieser Darstellung hatte Nils Müller, Gründer und CEO von TRENDONE, selbst. Was es damit auf sich hat, haben wir direkt bei ihm nachgefragt.

Bianca: Nils, was ist die Kernaussage dieser Darstellung?

Nils Müller, Gründer und CEO von TRENDONE

Nils Müller, Gründer und CEO von TRENDONE

Nils Müller: Wir haben damals begonnen mit [Anm.: den Kollegen] Felix, Rouven und Jan, und später auch mit unserem Designer Knut daran zu arbeiten. Als Knut dazu kam, meinte er: „Okay, das Zentrale an diesem Poster sind eigentlich die Zeitunterschiede.“ Das muss man hervorheben. Ich hoffe, das ist uns auch gelungen. Der erste Abschnitt „Biological Intelligence“ umfasst vier Milliarden Jahre, der zweite Abschnitt „Human Intelligence“ umfasst vier Millionen Jahre, und der dritte Abschnitt „Artificial Intelligence“ umfasst 4.000 Jahre, die Zeitblöcke werden immer um den Faktor 1.000 kürzer. Das Zentrale ist, dass sich Innovationen verdichten. Wir sind in einer Zeit der exponentiellen Verdichtung. Wie auch Ray Kurzweil mit dem „Law of Accelerating Returns“ sagt, je mehr Innovationen und Erfindungen es gibt, desto mehr kommt auch immer wieder dazu, weil wissenschaftlich alles aufeinander aufbaut. Dadurch explodiert auch gerade das Universum der Möglichkeiten.

Bianca: Was bedeutet für Dich Intelligenz?

Nils Müller: Intelligenz ist für mich die Fähigkeit mehr oder weniger komplexe Probleme zu lösen, also problem-solving. Natürlich ist der Mensch super beim Lösen von Problemen, weil er so kreativ ist, aber es gibt auch Maschinen die Probleme lösen können. Maschinen sind mehr oder weniger unkreativ, aber das Interessante ist: Diese Maschinen haben Intelligenz ohne Bewusstsein. Der Mensch hat ein Bewusstsein. Ich weiß, dass ich jetzt spreche, ich habe das Freud’sche Über-Ich und kann mich selbst reflektieren in diesem Raum mit dir und kann mir überlegen, wie du mich wahrnimmst und wie ich mich wahrnehme, wie ich dich wahrnehme, aber Maschinen brauchen das gar nicht und sind trotzdem intelligent. Sie können hochkomplexe Probleme lösen in Zukunft, z.B. Raketen zum Mars fliegen oder interstellares Reisen ermöglichen – all das ohne ein Bewusstsein zu haben. Das heißt, es wird in Zukunft Intelligenz ohne Bewusstsein geben und wir müssen uns als Menschen davon lösen, dass Intelligenz immer Bewusstsein hat. Das ist schon mal eine ziemliche heftige Sache, finde ich.

Bianca: Hattest Du während der Erstellung Aha-Momente?

Nils Müller: Ja, bei der Artificial Intelligence habe ich gemerkt, dass es eigentlich vier Arten von Lebensform-Innovationen gibt: die erste ist die genetische Manipulation, die erstmal gar nichts mit AI per se zu tun hat. Es wird möglich sein, Lebewesen genetisch zu programmieren, so wie wir heute Quellcode von Computerprogrammen schreiben, können wir in Zukunft DNA programmieren. Es gibt ja seit 2014 Crispr-Cas9, die Methode, die Genetic Editing erlaubt. Wir können damit in Zukunft bestimmte Gene bearbeiten oder ersetzen und damit kannst du Lebewesen programmieren. Du kannst beispielsweise die Fähigkeit sich zu Enthäuten auch einem anderen Tier als Schlangen zuweisen. Du kannst damit alle möglichen Eigenschaften hacken – Bio-Hacking also. Die zweite Art ist dann die Langlebigkeit, und die dritte ist, dass wir unsere Intelligenz über Brainscanning in eine künstliche Intelligenz hochladen, d.h. wir scannen unser Gehirn ein und laden es hoch auf einen Computer, vielleicht einen Neuromorphic Computer, vielleicht aber auch ein Quantencomputer, auf jeden Fall einer, der sehr schnell parallel funktioniert, so wie unser Gehirn. Und die vierte Innovation ist dann das künstliche Leben, also das Thema Evolutionary Computing, das gar nicht auf dem Menschen aufbaut. Das alles führt letztendlich aber doch zusammen zur Superintelligenz, weil alles dann verschmilzt und sich weiter ausweitet in der Space Species. Das war ein Aha-Moment, dass es diese vier grundlegenden Lebensform-Innovationen gibt. Außerdem habe ich natürlich am Anfang ganz viel über die Entstehung des Lebens erfahren. Es war auf jeden Fall ein langer komplexer Weg bis zur finalen Version, die übrigens die 19. Version ist.

Bianca: Bei welchem Meilenstein der dargestellten Entwicklung wärst du gerne live dabei gewesen?

Nils Müller: Die 1950er würde ich richtig gut finden! Viele Großerfindungen und tolle Weltraumutopien, viele dachten damals, alles ist möglich, in zehn Jahren haben wir die ganze Galaxie besiedelt! Ansonsten wäre ich sehr gerne bei den ersten Stadtgründungen dabeigewesen, z.B. in Jericho. Das muss unglaublich gewesen sein, als die Menschen vor 9.000 Jahren angefangen haben, vom Jäger- und Sammlertum zur Sesshaftigkeit überzugehen und sich Städte zu bauen. Jericho würde ich auch unglaublich gerne mal besuchen.

Bianca: Was kommt nach der Space Species?

Nils Müller: Der Begriff Space Species kommt ja von Ray Kurzweil und er meint damit, dass das Universum lebendig wird. Dadurch, dass sich die künstliche Intelligenz ausbreitet und alle Rohstoffe verbraucht, weil sie ständig wachsen will und intelligenter werden will, wird jedes Atom für Intelligenz verwendet. Jedes Atom wird genutzt, um noch mehr Intelligenz zu schaffen. Jeder Stern, jeder Planet, jeder Asteroid, alles was es an Materie gibt, wird verwendet, um Intelligenz zu bauen. Das Universum wacht auf.

Poster “The Evolution of Intelligence”

Das Poster können Sie als digitale Version kostenlos auf unserer Website herunterladen oder in unserem TRENDONE Shop als gedrucktes Poster bestellen.