Blockchain – Fabian Vogelsteller von Ethereum im Interview

Fabian Vogelsteller arbeitet als Entwickler bei der Blockchain-Plattform Ethereum. Seine zwei Projekte: Der Blockchain-Browser Mist, mit dem alle Blockchain-Anwendungen vom Nutzer verwaltet werden können und Web3js, ein Framework, das zukünftigen Ethereum-Entwicklern die Arbeit erleichtern soll. Nebenbei berät er Unternehmen bei ihren Blockchainvorhaben. Für unser Futuregram zum Thema Blockchain hat er sein Expertenwissen mit uns geteilt.

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Fabian Vogelsteller, Mist und Web3js Entwickler bei Ethereum

In unserem Interview zeigt Fabian Vogelsteller auf, dass es nicht das eine Business Modell für die Blockchain gibt und erklärt die Blockchain-Variante der Konsortiumchains im Unternehmenseinsatz.

Viele kennen Blockchain von der digitalen Währung Bitcoin. Du arbeitest für Ethereum, ebenso eine öffentliche Blockchain-Plattform. Was unterscheidet Ethereum von Bitcoin und was ist eure Vision?

Wenn Bitcoin vergleichbar mit einem Taschenrechner ist, der Werte von einem Account zu einem anderen übertragen kann, dann ist Ethereum ein kleiner Computer. Auf der Ethereum Blockchain kann man Code ausführen. D.h. man kann sowohl Werte übertragen, aber auch diese bestimmten Regeln in sogenannten Smart Contracts unterwerfen. Diese Logiken können aber auch alles andere bewegen was mit Eigentum zu tun hat. So können sie auch Tokens aller Art repräsentieren, oder Assets in der physischen Welt. Mit Smart Contracts kann man diese automatisieren.
Der Vorteil, Code auf einer Blockchain auszuführen, liegt darin, dass keiner diesen manipulieren kann und dadurch eigenständige Systeme geschaffen werden können. Zudem können Smart Contracts miteinander interagieren, was eine endlose Menge an komplexen und nicht manipulierbaren Business-Prozessen möglich macht. Dies kann vertrauenswürdiger sein, als fremde Parteien miteinzubeziehen.

Ethereum ist deshalb der derzeitige Standard bei allen R&D-Teams, da sich sozusagen jedes Problem auf der Blockchain abbilden lässt.

Das R3-Bankenkonsortium arbeitet an einer eigenen Blockchain-Lösung. Wie sinnvoll ist es, eine private Unternehmens-Blockchain mit eigener Kryptowährung herauszubringen?

Natürlich können sie ihre eigene Kryptowährung rausbringen, aber das hat nun mal nicht annähernd die Zugkraft oder die Vorzüge, die eine richtige Kryptowährung hat. Der Punkt ist ja, dass sie dezentral sein soll und niemandem gehört. Wenn da jemand ankommt und seinen Company-Coin ausgibt, dann ist es eben nichts Anderes als ein Company-Coin. Da vertraust du wieder vollkommen einer Firma, dann kannst du auch eine SQL-Datenbank aufsetzen. Ich glaube, die Banken tasten sich gerade heran, erstmal machen sie ihre eigene Blockchain, und schauen wie das funktioniert. Dadurch verstehen sie intern auch immer mehr wie’s tatsächlich funktioniert.

Thema Business Opportunities. Wie kann man mit Blockchain Geld verdienen, was machen smarte Unternehmen jetzt?

Was alle immer gerne haben wollen: Ein Business Modell, das man eins zu eins übernehmen kann. Man muss zunächst sagen: Blockchain kann die Organisation der Gesellschaft fundamental ändern. Wir brauchen jetzt nicht mehr Mittelsmänner und Gesetze, um Transaktionen oder Prozesse zu regulieren, sondern wir können vieles technisch automatisieren.

Die meisten Start-ups, die wir heute haben, sind Mittelsmann-Start-ups. Die machen nichts anderes als mehrere Services, die schon seit Langem da sind zu aggregieren. Zum Beispiel Essensauslieferungen. Was sie machen ist z.B. Restaurants anzapfen und denen eine größere Reichweite schaffen. Das ist alles ganz OK und es wird auch noch eine Weile so bleiben, aber für bestimmte Sektoren, wie z.B. für die Finanzbranche ergibt das wenig Sinn. Denn wenn du das auf der Blockchain machst, dann kannst du als Mittelsmann-Start-up einfach nicht mehr viel Geld rausholen. Wenn du Blockchain nutzt, dann kann das inherent automatisiert werden. Wie willst du dann noch wenige Cents bei jeder Bestellung abzweigen und das auch noch rechtfertigen?

Ich denke, das Wichtigste, worauf sich Unternehmen konzentrieren sollten sind: Service-on-the-Blockchain. Das ist der Schlüssel. Der intelligente Ansatz ist, sich zu fragen: Was kann ich machen, was auf einer Blockchain Sinn ergibt? Und das kann dann auch irgendeine Blockchain sein. Das muss nicht unbedingt Bitcoin, Ethereum etc. sein.

Ich denke Konsortiumchains werden stark an Popularität gewinnen. Das heißt: Man kennt die Leute, die einen Service betreiben, man weiß wer das ist und man vertraut ihnen. Das kann auch ein Bankenkonsortium sein. Der Vorteil hier ist, man vertraut nicht einer Bank, sondern mehreren, die eventuell sogar im Markt gegenüberstehen.

Was ist bei solchen Angeboten dann die USP?

Naja, also wenn das ein Bankenkonsortium ist und alle Banken in Deutschland benutzen eine Konsortiumchain, das heißt, alle Services können auf dieser Blockchain laufen. Dann ist das die USP. Und das coole ist, es kann wachsen, und kann immer öffentlicher werden. Es kann irgendwann zu einer öffentlichen Blockchain werden – zu einer komplett dezentralen Blockchain. Du kannst ja irgendwann sagen: Das ist keine Konsortiumchain mehr, jetzt kann jeder die Blockchain im Netzwerk absichern und schon hast du auf einmal ein komplett neues Set an Möglichkeiten. Sowas wird auch sicher in den nächsten drei Jahren passieren. Und wenn das passiert, dann kann man daran sehr reich werden. Wenn man früh genug in die Richtige investiert. Oder wenn man der ist, der selbst dieses Konsortium aufbaut.

Ist dann zB. eine Blockchain die Bankenchain und eine andere ist die Behördenchain?

Genau, das sind dann Special-Purpose-Chains. Das ist einfach eine Art und Weise wie man da rangehen kann, so eine Blockchain zu benutzen. Am Anfang nur für den einen Zweck und beschränkt und später für immer mehr Use Cases. Und ja, das ist einfach ein natürlicher Weg als große Firma an so etwas heranzugehen. Und der Vorteil ist: du kannst diese Blockchains verlinken, sodass sie sich gegenseitig verifizieren können. Das muss aber alles noch detaillierter ausgearbeitet werden, da könntest du theoretisch von irgendeiner Konsortiumchain über eine Public Chain in eine andere Blockchain Eigentumswerte oder Daten transferieren.

Kann es sein, dass in 10 oder 20 Jahren, Blockchain einfach nur ein Protokoll ist, und der Endnutzer vielleicht gar nicht weiß, was im Hintergrund läuft. Ist es dann wie ein Gütesiegel?

Das glaub ich nicht, nein. Ich glaube, Blockchain als Innovation und als Idee hat ein sehr großes disruptives Potential und es wird komplett alles verändern. Und ich glaube, es ist eher so wie Straßen. Also wenn die Leute wissen, was eine Straße ist, werden sie wissen was eine Blockchain ist und sie ganz einfach benutzen. Alle Systeme werden irgendwie mit Blockchain-Daten oder Blockchain-abgesicherten Daten verknüpft sein. Dadurch wird die ganze Welt dezentraler.

Es wird das Leben sehr viel einfacher machen, du musst keine Formulare mehr ausfüllen, du musst nicht mehr ständig irgendwelche Papiere von A nach B schaffen. Und all diese Sachen, die mit Erkennung und Ownership usw. zu tun haben –  was wir aktuell alles gerade manuell machen – wird es gar nicht mehr geben. Und die Leute werden wissen, warum: wegen der Blockchain.

Sie müssen nicht mal genau wissen, wie die Blockchain funktioniert, die Leute wissen auch nicht, wie E-Mail funktioniert oder wie ihre Webseiten auf ihren Bildschirm kommen, aber sie wissen, dass sie auf ihren Bildschirm kommen. Wenn einmal die Gesellschaft diesen Schritt gemacht hat, Blockchain inhärent als Konzept zu verstehen, dann wird einfach alles auf diesen Grundkonzepten basieren. Oder jedenfalls viele Sachen. Und zwar alle Sachen, die mit Besitz und Identität zu tun haben, und alles, was damit zu tun hat, wo Dinge tatsächlich verifiziert werden müssen.

Wird in zwanzig Jahren vielleicht eine künstliche Intelligenz die intelligenten Verträge auf der Blockchain schreiben?

Sehr wahrscheinlich.