Emerging Technologies fordern eine Technological Social Responsibility (TSR)

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Warum wir in Zeiten des technologischen Fortschritts auch über Verantwortung sprechen müssen.

Die Welt unterliegt einem ständigen Wandel. Dessen Auswirkungen üben immer schneller, drastischer und unvorhersehbarer Einfluss auf unser Leben und unsere Arbeit aus. Zwei bedeutende Treiber dieses Wandels sind die Digitalisierung und Automatisierung als Teil des technologischen Fortschritts. Während diese Themen in der Wirtschaft bereits angekommen sind und für Aufbruchsstimmung sorgen, rücken die Einflüsse und Auswirkungen des Wandels auf die Gesellschaft und einzelne Individuen erst langsam in den Vordergrund. Aus diesem Grund haben wir bei TRENDONE uns in der letzten Zeit einmal genauer mit der Frage beschäftigt, wie sich unterschiedliche Facetten des technologischen Wandels auf unsere Gesellschaft auswirken. Am Ende stand die Frage nach einer „Technological Social Responsibility“ – kurz TSR. Warum? Lesen Sie selbst.

Reminder: Wie Technologie unsere Welt verändert

Die Digitalisierung spiegelt sich mittlerweile in zahlreichen Trends und Innovationen wider. Neue Technologien und Geschäftsmodelle werden von Unternehmen in den Markt gebracht und bedienen Trends wie die Net Culture, DIY-Analytics, Lifestyle Diversity und viele mehr. Auch sind mit der kontinuierlichen Entwicklung des Web of Things bereits heute erste Gegenstände – wie Spiegel  oder Verpackungen – in der Lage, sich digital zu vernetzen und damit zu weiteren Informationsträgern zu werden. Gleichzeitig erleichtern die Digitalisierung und flächendeckende Verbreitung des Internets  den Zugang zu Informationen sowie deren Austausch und damit die menschlichen Interaktionsmöglichkeiten über größere Distanzen hinweg. Als Folge dessen konsumieren und generieren wir stetig mehr Daten und Informationen, deren Masse exponentiell zunimmt und sich in unserer Informationsgesellschaft zu einer Art Währung entwickelt.

Auch sollten die Entwicklungsgeschwindigkeit und die Potenziale der Automatisierung in den nächsten Jahren nicht unterschätzt werden. Nach der Digitalisierung wird die Automatisierung die nächste große Welle sein, die eine Veränderung wie keine andere Revolution herbeiführen wird, meint auch Nils Müller, CEO bei TRENDONE. Best Practice Innovationen im Bereich des autonomen Fahrens, der Einsatz von Robots beispielsweise im Einzelhandel oder auch die Entwicklung von Konzepten zum Einsatz künstlicher Intelligenzen deuten bereits an, wie umfangreich die Automatisierung unser Arbeits- und Privatleben verändern wird.

Doch bringen die Auswirkungen der anstehenden Veränderungen in Arbeitswelt und Privatleben wirklich ausschließlich Gewinner hervor?

Eine Zukunft voller Möglichkeiten?

In Hinblick auf die Auswirkungen des Wandels werden zunächst einmal im Rahmen der Digitalisierung durch die neuen Möglichkeiten der Analyse, Nutzung und des Austausches von Informationen unzählige Anwendungsbeispiele entstehen. Für Unternehmen birgt dies nicht nur hinsichtlich des Marketings und CRMs erhebliche Potenziale. Auch können durch User Profiling und Tools für Quantified Enterprises interne Arbeitsprozesse optimiert werden. In Hinblick auf die Gesellschaft erkennen unsere Trendexperten vor allem durch Innovationen im Bereich Human Enhancement, Bioengineering und Preventive Healthcare für den Gesundheitsbereich enorme Möglichkeiten. Aber auch Smart-City-Konzepte werden durch eine stärkere Vernetzung von Informationen sowie Konzepte im Bereich des autonomen Fahrens zukünftig für eine Steigerung der Sicherheit und Mobilität im urbanen Raum sorgen.

Ein weiterer Aspekt ist die Entwicklung von Social Software, Virtual Reality Technologien und Chatbots, durch welche sich im Zuge der flächendeckenden Ausbreitung des Internets die Grenzen der Kommunikation und Interaktion stetig reduzieren. Hier entstehen durch eine erhöhte Flexibilität unter anderem für Lebens- und Arbeitsmodelle neue Möglichkeiten (-> Modern Workstyle). Unsere Trendexperten sehen hier in der Stärkung des Bildungswesens durch einen einfacheren Zugang digitaler Bildungsangebote ein großes Potential. Grundvoraussetzung ist dabei allerdings der Zugang zu entsprechender Technologie, was aufgrund der Ungleichverteilung von Technik aber auch einen Digital Divide begünstigen könnte.

Es darf auch nicht unterschätzt werden, dass „eine Art Plattform-Kapitalismus größerer Technologie- und Serviceanbieter und damit ein Anstieg der Monopolbildung zu beobachten ist. Diese können durch ihre Macht dem Nutzer nicht nur Preise, sondern auch AGBs und Datennutzung diktieren“, so Sebastian Metzner, Director Research bei TRENDONE. Diese Entwicklung wirkt sich nicht nur auf das Marktgefüge, sondern letztlich auch auf die alternativen Wahlmöglichkeiten der Gesellschaft und damit die Einflussnahme auf Anbieter aus. Grundsätzlich wird in dieser Hinsicht vor allem der verantwortungsvolle Umgang mit Daten in einem immer stärker vernetzten „On-Life“ noch wichtiger werden. Eine bewusste Entscheidung zu treffen – ob wir beispielsweise den Service eines Anbieters in Anspruch nehmen oder nicht – ist uns jedoch nur dann möglich, wenn wir uns der Folgen bewusst sind. Klingt zunächst simpel. In einer immer komplexer werdenden technischen Welt, in der bereits Kinder Wearables nutzen und Aktualisierungen von seitenlangen AGBs oder Datenschutzrichtlinien zum alltäglichen Spam gehören, kann jedoch längst nicht mehr von jedem erwartet werden, sich der Folgen seiner Entscheidungen bewusst zu sein.

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Zahlreiche Möglichkeiten werden sich wiederum aus den Autonomous Systems ergeben. Diese werden durch die Entwicklung der Industrie 4.0 nicht nur die Optimierung von Arbeitsprozessen in Unternehmen vorantreiben, durch eine Veränderung der Value Chains zugunsten der Konsumenten wird diese auch im privaten Bereich eine deutliche Steigerung der Lebensqualität mit sich bringen. Im Gegensatz zum privaten Alltag wird sich der Wandel im Unternehmensumfeld jedoch zunächst eher negativ auf die Gesellschaft auswirken. So werden bis 2030 rund 18,3 Mio. Arbeitsplätze durch künstliche Intelligenz bedroht sein. Die sich daraus entwickelnde Situation verbildlicht Marc Andreessen, Mitgründer von Netscape Communications Corp. sehr anschaulich: „Künftig gibt es zwei Kategorien von Menschen: Jene, die Computern sagen, was sie tun sollen – und jene, die von Computern gesagt bekommen, was sie tun sollen.“ „So werden die Fähigkeiten und das Wissen der Menschen an Wert verlieren, sobald sie maschinell ersetzt werden können“, meint auch Franziska Krauskopf, Senior Innovation Advisor bei TRENDONE.

„Die digitale Zukunft wird nicht von alleine toll,“

meint Nanne von Hahn von Telefónica dazu sehr passend auf der Z2X Konferenz.

Doch was muss getan werden, um die negativen Auswirkungen einzudämmen und gleichzeitig die Potenziale des Fortschritts nutzen zu können? Antworten auf die folgenden Fragen könnten ein erster Schritt sein:

  • Wie kann zunächst hinsichtlich der komplexen technischen Entwicklung unserer Welt eine Aufklärung sichergestellt werden, sodass jeder einzelne die Möglichkeit hat, eigenständig bewusste Entscheidungen für seine Zukunft zu treffen? Diesbezüglich stellt sich außerdem die Frage, wie zukünftig die Entwicklung von Monopolen reguliert werden kann, um einen gewissen Wettbewerbsdruck und damit überhaupt eine relevante Wahlmöglichkeit für den Konsumenten auf den Märkten zu sichern.
  • Wie können wir in Hinblick auf die heutige Informationsgesellschaft und die Entwicklung der Kommunikationstechnologie zukünftig gewährleisten, dass alle Individuen den Zugang zu entsprechender Technologie und damit beispielsweise Bildungs- und Gesundheitsangeboten erhalten. Muss es eine Verteilungsgerechtigkeit von Technik geben, um Benachteiligungen vorzubeugen? Mit der Verbreitung entsprechender Technologien und der Zunahme der Interaktion im digitalen Raum kommt außerdem die Frage nach einer Notwendigkeit der Entwicklung einer digitalen Ethik oder auch digitalen Bürgerrechten auf.
  • Wie kann hinsichtlich der Tatsache, dass Maschinen durch die Automatisierung einen Großteil von Aufgaben in Unternehmen und im Alltag übernehmen, sichergestellt werden, dass diese die „richtigen Entscheidungen“ treffen? Dies ist vor allem in einer Welt, in der nicht nur Mensch und Maschine, sondern auch Maschinen untereinander interagieren eine wichtige Frage.
  • Und last but not least: Wie können wir den Verlust von menschlicher Intelligenz, Kreativität und selbstbestimmender Persönlichkeitsentwicklung verhindern, wenn uns zunehmend das Denken und Handeln abgenommen werden?

Die Sache mit der Verantwortung

Die Fragen deuten es bereits an: „Technologischer Fortschritt ist super. Aber wir brauchen eine intensivere Diskussion darüber, wie und in welcher Form wir Technologien in unser Leben integrieren wollen. Diese Diskussion darf nicht nur von skeptischen Nutzern geführt werden, sondern immer gemeinsam mit den Innovatoren und Regulatoren“, so Bianca Stockreiter, Trend Analystin bei TRENDONE. Denn wer ist sich dieser Entwicklung und seiner Auswirkungen auf die Gesellschaft bewusst und steuert, was sich in den nächsten Jahren in unserer Wirtschaft entwickeln wird? Zu großen Teilen nicht diejenigen, die von den Auswirkungen direkt betroffen sein werden. So muss es aufgrund der Schnelligkeit und Komplexität der geschilderten Entwicklungen eine übergreifende Regulierung der Auswirkungen geben. So steht auch für Denderah Rickmers aus den Innovation Services bei TRENDONE fest: „Was nicht weiterlaufen sollte, ist das aktuelle, sehr reaktive System.“

Sebastian Metzner sieht hinsichtlich der Regulierung der Auswirkungen des technologischen Fortschritts die Verteilung der Verantwortlichkeiten auf unterschiedliche Instanzen, wie zunächst den Staat, die EU und UN. Auch einzelne Politiker sollten stärker in die Verantwortung genommen werden, vermehrt für Aufklärung zu sorgen. Um gleichzeitig Bürger zu einem stärkeren Engagement aufzufordern, damit diese ihre Macht als kritische Konsumenten wahrnehmen, brauchen letztlich auch Schulen und Bildungseinrichtungen einen digitalen Lehrauftrag.

Vor allem aber müssen sich Unternehmen, genauer gesagt die Software- und Technologiekonzerne, welche vornehmlich den technologischen Fortschritt und damit auch seine Auswirkungen vorantreiben, zu mehr Werteorientierung und Selbstverpflichtung durchringen und hinsichtlich der Entwicklungen eine gewisse Verantwortung übernehmen. Daraus entstand für uns neben einer Corporate Social Responsibility die Idee einer Technological Social Responsibility.

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Einige Unternehmen verfolgen hier bereits erste Lösungsansätze. So gründeten Amazon, Google, Facebook, IBM und Microsoft die Allianz „Partnershop on AI“. Die Unternehmen verfolgen damit sowohl das Fördern von Best Practice Modellen und die Steigerung des öffentlichen Verständnisses als auch das Erschaffen einer offenen Diskussionsplattform. Microsoft Chef Nadella sagte dazu im Spiegel-Interview: „Wir müssen viel mehr diskutieren. Man kann nicht einfach sagen: Hey, wir können nichts dafür, was künstliche Intelligenz da macht (…). Wir treffen die Entscheidungen, die zu diesen Algorithmen führen, also müssen wir auch verantwortlich sein.“ Auch die Deutsche Telekom AG thematisiert eine digitale Verantwortung unter dem Motto „Wir müssen reden…“ und will durch unterschiedliche Beiträge aufklären. Gleichzeitig entwickeln sich Non-Profit-Unternehmen wie beispielsweise OpenAI, eine AI Research Company, und reichweitenstarke Medien wie die ZEIT Online versuchen, mit ihrer Serie „Maschinenraum“ Aufmerksamkeit und Raum für Diskussionen zu schaffen.

Doch das Engagement von Unternehmen und Initiativen erreicht angesichts der Schnelligkeit der Entwicklung noch nicht den nötigen Wirkungsgrad. So gibt es bisher kaum reichweitenstarke Instanzen, welche gleichzeitig die Kompetenzen vorweisen, mit der Schnelligkeit des Wandels Schritt zu halten und effektiv für Unternehmen und Privatpersonen verbindliche Maßnahmen gestalten zu können.

Durch das Einbinden einer Technological Social Responsibility könnten Unternehmen einen Schritt in die richtige Richtung machen, um letztlich die großartigen Potentiale des Wandels für die Gestaltung einer besseren Zukunft nutzen zu können.