Die Treiber hinter dem Lifestyle-Trend Minimalismus

 

Das iPhone hat das reduzierte Apple-Design eingeführt – mittlerweile ist Minimalismus zu einem distinguierten Lebensstil  geworden, den reichweitenstarke YouTuber wie Rachel Aust, LightbyCoco oder Jenny Mustard und Blogger wie Caroline, Joshua Becker, Michael oder Joshua und Ryan vermehrt propagieren.

Der aus der Architektur übernommene Begriff Minimalismus bedeutet nicht mehr Askese, sondern wird als Lifestyle verstanden, der sich durch eine Reduktion und bewusste Auswahl von Gebrauchsgegenständen auszeichnet.

 

Minimalismus als Lifestyle-Trend

 

Hier sind die Treiber hinter dem Lifestyle-Trend Minimalismus:

 

Postkapitalismus

Minimalismus ist auch eine Abkehr vom Wachstumsgedanken. Ein Deutscher besitzen im Durchschnitt 15.000 Dinge. Gegenstände, die man neu kauft, haben inzwischen einen begrenzten Lebenszyklus – und halten nicht mehr ein Leben lang. Minimalismus ist auch eine Abkehr vom kapitalistischen „immer größer, immer mehr“. Der Verzicht und das Loslassen sorgt bei vielen für mehr Glück als der x-te Kaufrausch. Auch sorgt Ausmisten dafür, den emotionalen Ballast abzuwerfen und damit nicht nur seine physische, sondern auch seine psychische Gesundheit zu entlasten

Ein Hinweis darauf ist vor allem der Bestseller der Aufräumexpertin Marie Kondo, der zeigt, dass das Bedürfnis nach weniger, aber dafür bedeutsamen Besitz da ist.

 

Distinktion

Spätestens mit Primark ist es jedem in der westlichen Welt möglich, unendlich viele aktuelle Kleidungsstücke zu besitzen – als Distinktionsmerkmal taugt einen große Auswahl also nicht mehr.

Durch das immer größere Angebot von vor allem günstiger Kleidung werden die sozial und ökologisch bedenklichen Produktionsbedingungen auch immer offensichtlicher. Viele möchten diese durch einen Kauf nicht unterstützen und versuchen sich an einer kleineren, dafür oft hochwertigen und sozial verträglich hergestellten Garderobe.

Die neue Abgrenzung liegt in der selbst gewählten Reduktion, der bewussten Auswahl und der ästhetischen Präsentation des Wenigen.

Die extreme Reduktion zeigt aber auch die eigene Kompetenz, das Wesentliche für sich zu erkennen und es zu zeigen. „Seht her ich kenne mich ganz genau und weiß wie man mit dem Essentiellen das Bestmögliche erzielt. Ich brauch nicht die große Auswahl, ich weiß was zu mir passt.“

 

Komplexitätsreduktion

Die Welt draußen und in unseren Smartphones ist laut, überall warten Informationen und Nachrichten. Auch die ständig zunehmende Auswahl an Produkten wird immer anstrengender: der Telefontarif hat zehn Optionen, Kaugummi gibt es in Dutzenden Geschmacksrichtungen und so weiter  – das Paradox of Choice tritt ein. Die „Zuvielfalt“ macht nicht mehr glücklich.

Durch zahlenmäßige und optische Reduktion soll das eigene Umfeld zum Ruhepol und Ort der optischen Entspannung werden.

Passend dazu findet nicht nur zahlenmäßig eine Reduktion der Besitztümer statt, auch visuell haben schwarz, weiß und neutrale Töne immer häufiger das Sagen – ob bei der Einrichtung oder der Capsule Wardrobe, einer Anleitung, wie man mit nur 33 Kleidungsstücken drei Monate auskommen kann.

Auch Produkte sollen im besten Fall aus so wenigen Komponenten wie möglich bestehen (wie beispielsweise ein Waschpulver, das aus nur drei Zutaten besteht oder die Seife von Dr. Bronner, bei der es bis zu 18 verschiedene Anwendungsmöglichkeiten geben soll.

 

Downshifting

Auch das Bedürfnis nach mehr Freizeit klingt im Trend durch, denn wer weniger Raum und Gegenstände braucht, der braucht auch weniger Geld – und kann es sich dementsprechend auch leisten, weniger zu arbeiten.

Passend dazu – oder vielleicht eine der Ursachen – werden Wohnflächen kleiner. Ob selbst gewählt wie bei dem Tiny House Movement oder aus Kostengründen wie bei Micro-Apartments in New York und anderen Großstädten. Weniger Platz erfordert weniger Dinge – und weniger Dinge brauchen weniger Platz.

Langzeitreisen sind einfacher möglich – der wenige Besitz kann einfach mitgenommen oder kostengünstig eingelagert werden. Das Leben aus dem Koffer – idealerweise einem Carry-on – wird Teil des ultimativen Reiseerlebnisses.

 

Selbstoptimierung

Die Reduktion von Distraktionen aus dem visuellen und digitalen Umfeld soll den Fokus auf das Wesentliche lenken und dauerhaft produktiver machen.

 

Digitalisierung

Die Möglichkeit der Digitalisierung von Medien- und Unterhaltungsgegenständen trägt dazu bei, dass auch diese Dinge aussortiert und nicht mehr physisch angeschafft werden müssen. Wer ein Netflix-Abo hat, braucht keine DVDs mehr. Die Musik ist in der iTunes-Playlist, die analogen Bücher wurden mit der Anwendung Shelfie in E-Books umgewandelt. Um Inhalte konsumieren zu können, sind physische Datenträger nicht mehr notwendig.

 

Mehr über das Thema finden Sie in der YouTube-Playlist und in Artikeln hier, hier und hier.