Künstliche Intelligenz im Messenger: Chatbots als digitale Lebensbegleiter

Chatbot Künstliche Intelligenz

Die Anzeichen sind schon länger da. Nach der Euphorie der letzten Jahre merken wir, dass wir auf unserem Smartphone von den dreißig installierten Apps vielleicht fünf wirklich nutzen. Wir merken, dass wir nur ungern telefonieren, es belastet und stört viele sogar. Wenn es klingelt, muss eigentlich etwas Schlimmes passiert sein. „Schreib’ mir lieber, bin unterwegs!“

Messenger wie WhatsApp, Facebook Messenger oder in anderen Ländern WeChat und LINE – ob Ursache oder Konsequenz – sind nun unsere Kommunikationszentren. Hier pflegen wir Freundschaften, Beziehungen, strong und weak ties alle am selben Ort.

WeChat, das chinesische Pendant zu WhatsApp mit 650 Millionen monatlich aktiven Nutzern, setzt momentan die Maßstäbe. Das Unternehmen sieht sich selbst als Anbieter eines neues Lifestyles. Kommunikation ist die Kernfunktion, an die nach und nach neue Services wie z.B. die Bezahlfunktion oder die so genannten „City Services“ mit E-Government-Angeboten andocken.

Eigentlich klar, dass sich viele Unternehmen und Serviceanbieter in unserem Vertrauenskreis der Kommunikation einbringen wollen. Beispiele dafür gibt es bereits zuhauf. Publishinghäuser setzen darauf, so kann man von Der Standard Eilmeldungen und von Brigitte die besten Geschichten via WhatsApp abonnieren, während Zalando Shoppingtipps verteilt.

Früh die Gunst der Stunde genutzt und den Charme von Chatvertising (Werbung und Promotion per Messenger) verstanden, hat, wie so oft, die Unterhaltungsindustrie. Mittlerweile können wir die Protagonisten aus Filmen und Büchern über die eigentliche Handlung hinaus per Chat im echten Leben kennenlernen.

 

Was passiert da? Wir denken die aktuellen Entwicklungen in drei Thesen weiter:

 

1. Messenger-Anwendungen werden zu unseren persönlichen Assistenten.

Wir werden per Chatbots Einkäufe erledigen, bezahlen, Informationen abfragen, unser Smart Home steuern, Fitness- und Rezepttipps anfordern, die Apotheke kontaktieren, Beziehungsprobleme mit Experten besprechen, Eilmeldungen beziehen und uns über unseren aktuellen Mobilfunkvertrag schlau machen.

All diese Kommunikationsvorgänge werden gebündelt an einem Ort in unterschiedlichen Konversationen stattfinden. Wir managen unser Leben „one thread at a time.“ Diese Entwicklung könnte das Internet, in der Form wie wir es heute kennen, stark verändern. Vielleicht werden manche Websites und Apps sogar obsolet werden, weil wir die Informationen per Messenger viel einfacher abfragen können.

 

 2. Wir lernen dadurch mit künstlicher Intelligenz zu interagieren. Und sie mit uns.

Chatbots werden in Zukunft intelligente, selbstlernende Programme sein. Sie werden sich verbessern, indem sie uns kennenlernen und indem wir ihnen beibringen, wie sie mit uns kommunizieren sollen.

Mit Chat-AI werden wir uns an künstliche Intelligenz gewöhnen. Im Messenger gibt es keinen Computer-Akzent wie bei den Stimmen von Siri, Cortana oder Alexa, weniger Offenbarung einer Künstlichkeit, dafür Zuschreibung von Menschlichkeit. Im Messenger vermischen sich die Kommunikation mit Menschen und die Kommunikation mit Bots. „Human Agents“ werden langsam mit virtuellen Agents mit künstlicher Intelligenz ergänzt. Vielleicht überqueren wir gerade dann mit Messenger Bots das Uncanny Valley der Artificial Intelligence und erleben den Anfang der kulturelle Gewöhnung an Kommunikation mit Maschinen.

In dieser Phase finden die großen Lerneffekte im Natural Language Processing statt. Je mehr Menschen mit Bots schreiben, bei ihnen bestellen, mit ihnen diskutieren, desto schneller werden sie besser darin werden, uns zu verstehen.

 

3.Bots werden zum Interface, zum zentralen Betriebssystem

Bots werden im Rahmen von Messengern vielleicht so zum eigentlichen Interface des Internets, für Wearables, für Smart-Home- und vielleicht Smart-City-Anwendungen. Die Eingabe via Text wird nun durch Spracheingabe erweitert werden, unsere persönlichen virtuellen Wegbegleiter kommunizieren mit uns in unserem Akzent.

Heute suchen wir nach einem Begriff und erhalten an derselben Stelle die Ergebnisse aufgelistet. Wenn Bildschirme an jeder Oberfläche angebracht sind und Projektoren so klein und performant sind, wer sagt, dass unser Eingabemedium noch an das Ausgabemedium gekoppelt sein muss? Wenn sich also Ausgabegeräte wie z.B. die smarten Kopfhörer „The Dash“ nahtlos in unsere Umgebung einfügen, warum sollten sich die Eingabegeräte nicht ebenso nahtlos in unseren Alltag einfügen. Vielleicht wird jeder über seinen eigenen Bot verfügen, mit ihm oder ihr aufwachsen und alt werden, vielleicht lernt der Bot uns nicht nur über unsere Aussagen, sondern über die biometrischen Daten unserer Wearables kennen.

 

Wo stehen wir aber heute? Hier ist eine Auswahl an Micro-Trends zum Thema Chatbots, Chatvertising und Messenger Marketing:

 

Noch nicht genug erfahren? Hier eine kleine Auswahl für Sie zum Weiterlesen: Lunchbot, Slack und Facebook M, WeChat, Haben wir das Telefonieren verlernt?