Innovation HUB Spotlight: Boston Bay

Schnappt man Begriffe wie Start-up Culture und Innovationsumfeld auf, dann ist meist die Rede vom Silicon Valley. Der Streifen zwischen San Fransisco und San Jose hat sich in Folge des Internet-Booms zur weltweiten Speerspitze der innovationsfokussierten Tech-Branche entwickelt. Neben deren Granden wie Google, finden sich hier auch tausende Start-ups und natürlich deren potentielle Investoren, um sich auf kürzeste Distanz auch schnell Face-to-Face austauschen zu können. Doch obwohl das meiste Investment-Kapital an der amerikanischen Westküste fließt, wird darüber leicht übersehen, dass es innerhalb der Vereinigten Staaten noch einen anderen bedeutenden Innovations-HUB gibt: Boston.
Gemein ist Boston Bay und Silicon Valley dabei, dass sie – anders als etwa New York und Austin, die anderen Start-up-Szenen der Vereinigten Staaten – maßgeblich in der Peripherie großer universitärer Forschungseinrichtungen groß geworden sind und von diesen auch noch heute profitieren.
Während an der Westküste besonders die Stanford University ungebrochen enge Verbindungen zu seinem ursprünglich eigens ausgegliederten High-Tech-Industriepark unterhält, sind es in Neuengland die Harvard University und das Massachusetts Institute of Technology (MIT) im Bostoner Vorort Cambridge, welche ihr unmittelbares unternehmerisches Umfeld prägen.
Trotz der Nähe – die Campusse befinden sich nur wenige Kilometer entlang des Charles River entfernt – herrscht zwischen dem MIT und Harvard keine Lokalrivalität: Neben vielen Kooperationen können Studierende ohne Umstände auch Veranstaltungen der jeweils anderen Einrichtung belegen. Anders als hierzulande (in Deutschland ist das Engagement von Akademikern in der Wirtschaft reglementiert) wird bereits in der Lehre ein Fokus auf den Anwendungsbezug gelegt und ein sich bereits im Studium mit der konkreten Ideenentwicklung der Studierenden befasst.
Doch widerspricht die künstlich geschaffene physische Enge des innovativen Umfelds nicht der Digitalisierung und den gewonnene Vorteilen des Remote Working? Eigens angestrengte Studien zur Entwicklung von Start-ups und jungen Unternehmen haben gezeigt, dass die unmittelbare räumliche Nähe zu anderen jungen Erfindern, Investoren, großen Tech-Firmen und der akademischen Forschung die kritischen Faktoren für den Erfolg.
Auch die strategische Ausrichtung der Bostoner Stadtplanung setzt mittlerweile voll auf die Prägung zur Start-up-freundlichen Stadt: 2010 wurde der Grundstein gelegt für den direkt am Hafen gelegenen Innovation District – ein ganzer Stadtteil speziell für die kreativen Köpfe der Szene. 200 Unternehmen beschäftigen hier 5000 Mitarbeiter, viele davon in modernen co-working Anlagen, die in den auf 24/7-Modus ausgelegten vier Quadratkilometer großem Bezirk von Freizeitangeboten über ein umfassendes Einkaufsangebot.
So geht es in Boston wohl wesentlich weniger schrill und öffentlichkeitswirksam zu als im Valley. Mit seinem Gesamtkonzept stellt die Metropole jedoch den Prototyp der zukünftigen urbanen Innovationsgesellschaft dar, welche bereits in Barcelona, Berlin, London, Medellin, Montreal, Seoul, Stockholm und Toronto adaptiert wurde.

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