WWDC setzt dem Download ein Ende

Sollte Apple jemals ernsthaft versucht haben, die großen Neuerungen ihrer jährlich stattfindenden WorldWide Developer Conference bis auf die Bühne geheim zu halten, so ist es ihnen auch dieses Jahr nicht gelungen. Bereits im Vorfeld waren alle größeren Enthüllungen an die Öffentlichkeit durchgedrungen.

Dabei boten diesmal auch die für alle Betriebssysteme und viele Dienste aufgewarteten neuen Versionen kaum aufmerksamkeitswirksame Features. Besonders der hauseigene digitale Assistent Siri wird in seinem Umfang erneut aufgebaut. An dieser Stelle wird man im Hauptquartier in Cupertino wohl auch um die Vorreiterschaft besorgt sein, die in Anbetracht der wachsenden Konkurrenz ins Wanken geraten könnte. Zuletzt führte Microsoft seinen vielversprechenden Assistenten Cortana in die Beta-Phase, welcher auch für iOS und Android verfügbar gemacht werden soll. Außerdem wird Apple Pay, von dem sich viele den Durchbruch des Mobile Payments erhoffen, noch dieses Jahr den Atlantik überqueren und ab Juli mit weitreichender Unterstützung im Vereinigten Königreich verfügbar sein.

Die für das Innovations-affine Unternehmen Apple ungewohnte Knappheit an wirklichen Neuerungen verschaffte einem anderen Projekt die größte Bühnenpräsenz: Mit Apple Music steigt der Konzern in den Musik-Streaming-Wettbewerb ein und vollzieht damit einen Schritt, der sich länger angedeutet hat.

Schon seit Monaten waren die Umsatzzahlen des kostenpflichtigen Musikdownloads über das Portal itunes stark rückläufig. Der offensichtliche Grund hierfür war die zunehmende Popularität von Streaming-Abonnements, wie etwa beim schwedischen Unternehmen Spotify oder Play Music von Google. Durch den Kauf des vom Musikproduzenten Andre Romelle „Dr. Dre“ Young gegründeten Unternehmens Beats im August 2014, verschaffte sich Apple zudem – neben der Lautsprecher- und Kopfhörertechnologie – den hierzulande wenig bekannten Streaming-Dienst Beats Music. Eine Verschmelzung des bisherigen Musikangebots mit dem zugekauften Service erschien schon vor dem offiziellen Bekanntwerden als wahrscheinlich.

Dennoch markiert die Abkehr Apples vom lange bewahrten Konzept des Medien-Downloads das Ende einer Ära. Zukünftig werden wir nicht mehr unsere lokalen Festplatten, sondern viel mehr unsere Internetverbindung belasten. Die Vorteile liegen auf der Hand: Umfassende Verfügbarkeit, geringe Speicheranforderungen, sowie ein abwechslungsreiches Angebot haben langfristig gesiegt.

Und die Entwicklung wird nicht bei Musik halt machen. Bisher macht das komplizierte Rechtemanagement das Bereitstellen von Filmen und Videos noch schwieriger als Musik. Aber auch hier sind die Absatzzahlen von Apple stark rückläufig. Hier wird es ebenfalls zu einer Veränderung kommen. Ob sich Apple aus dem Geschäft zurückzieht oder ebenfalls auf Streaming setzt, hat auch die WWDC 2015 offen gelassen. Was nun aber sicher scheint, ist, dass der Multimedia-Download ein Modell des Gestern ist.